Memorandum der Gesellschaft für Musikforschung zur Lehrerbildung im Fach Musik

Musik als ordentliches Schulfach ist unverzichtbar im Fächerkanon der allgemeinbildenden Schulen. Musikunterricht dient nicht dem Ausgleich zum bzw. der Erholung vom Unterricht in anderen Fächern, sondern verfolgt seinen eigenen Bildungsauftrag als künstlerische Praxis wie als Teil von Kultur gleichermaßen und in allen Schultypen. Dieses kulturelle Selbstverständnis geht auf die für die deutsche Demokratie grundlegenden kulturpolitischen Weichenstellungen der Weimarer Republik zurück. Ihm entspricht eine Lehrerbildung, die das Schulfach Musik den übrigen nicht nur gleichstellt, sondern überdies eine fundierte doppelte Qualifikation der Lehrkräfte voraussetzt, in der künstlerische und fachwissenschaftliche Anteile gleichberechtigt zum Tragen kommen. Damit wird die Musik als Schulfach sowohl im Kanon der Künste als auch im Spektrum der geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer verankert. Gleichermaßen in dieser Tradition steht der Umstand, dass Lehrer im Fach Musik ein Universitätsstudium im Humboldtschen Sinne erhalten,  sich in ihren Fächern in diesem Sinne umfassend bilden und nicht eine berufsbezogene und damit von Beginn an zweckbestimmte Ausbildung erhalten.

Die Gesellschaft für Musikforschung sieht mit Sorge, dass dieser Anspruch zunehmend in Gefahr gerät. Er ist unvereinbar mit den aktuellen Plänen zur Reform der Musiklehrerausbildung in vielen Bundesländern. Die deutliche Tendenz zur Verlagerung des Schwerpunktes auf die Berufswissenschaften auf Kosten der fachbezogenen künstlerischen und wissenschaftlichen Studienanteile senkt die fachliche Qualität sowie Attraktivität des Schulmusikstudiums. Gerade bei der Wahl dieses Studiums spielt die Leidenschaft für den Gegenstand eine besondere Rolle.

Aus der Sicht des Vorstands der Gesellschaft für Musikforschung ist zur Sicherung des universitären Anspruches der Ausbildung die Beibehaltung einer veritablen fachlichen Doppelqualifikation in Kunst und Wissenschaft unverzichtbar und kann nicht durch Mischqualifikationen ersetzt werden. Dies muss sich u.a. auch in einer genuin künstlerischen Abschlussprüfung und einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit niederschlagen, die als zentrales Element den anderen Lehramtsstudien gleichwertigen wissenschaftlich Status des Studienabschlusses aufrecht erhält.

Kassel, September 2014

Prof. Dr. Wolfgang Auhagen (Präsident der GfM)

Prof. Dr. Dörte Schmidt (Vizepräsidentin der GfM)

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