Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Leipzig, 29. bis 31. Januar 2020

Eastern European Emigrants and the Internationalisation of 20th-Century Music Concepts

von Rachel Hercygier und Anna Fortunova, Leipzig

Das 20. Jahrhundert ist von globalen kulturellen Transferprozessen geprägt. Aus- und einwandernde Künstler brachten ästhetische Konzepte, Modelle und Techniken über die Landesgrenzen hinaus. Nicht immer war diese Emigration freiwilliger Natur, sondern oft erzwungen aufgrund der politischen Umstände in den Heimatländern. Die internationale Tagung am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig beschäftigte sich insbesondere mit Musikemigranten aus Osteuropa. Ziel der Konferenz war es, deren Wege nachzuzeichnen und dabei das Augenmerk auf die Produktivität der Kulturtransferprozesse und die Internationalisierung künstlerischer Konzepte zu legen.

Zum Auftakt der Tagung thematisierten Anna Fortunova und Stefan Keym (Leipzig), die beiden Organisatoren der Tagung, die Rolle der Musik in Migrationsprozessen aus Osteuropa im 20. Jahrhundert anhand von Fallbeispielen wie Pëtr Suffčinʼskij und Aleksandr Čerepnin. Keym unterstrich außerdem mit Verweis auf die Kulturtransfertheorie von Michel Espagne und Michael Werner, dass der Erfolg eines in einen anderen Raum übertragenen Kulturkonzepts oder -objekts nicht nur von der Qualität dieses Konzepts oder der Überzeugungskraft seines Verfassers abhänge, sondern auch und vor allem von den Bedürfnissen der Kultur, die das Konzept übernimmt. So wäre die Frage nicht nur, welche Ziele und Strategien osteuropäische Musiker im ,Westen‘ verfolgten, sondern auch, welche Aspekte ihrer Musik oder Musikästhetik für ihre Kollegen und Publika in verschiedenen Ländern von besonderem Interesse und Attraktivität waren und inwieweit sie hier in Lücken stießen, die einheimische Komponisten nicht zu füllen vermochten. Lire la suite...

Paderborn, 26. September 2019

Musik im Blick. Auditive und visuelle Kulturen. Methoden der Annäherung

von Stephanie Schroedter, Heidelberg

Es erstaunt, dass von den Bildwissenschaften bzw. Visual Studies – soweit sie sich auch bildlicher Darstellungen von Musik annehmen – bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde, dass die Musikwissenschaft bereits auf zahlreiche Aktivitäten zur Erschließung musikrelevanter Bildquellen zurückblicken kann. Zu nennen sind hier u.a. die Begründung des Répertoire Internationale d’Iconographie Musicale (RIdIM) in den 1970er Jahren und die damit verbundene Durchführung jährlicher Konferenzen rund um diese Thematik, zudem der Aufbau einer umfangreichen Bild-Datenbank und die Herausgabe des Jahrbuchs Imago Musicae. Bemerkenswert ist aber auch, dass in der Musikhistoriographie Forschungen rund um den Stellenwert von Bildern – jenseits von Illustrationszwecken – (methodisch) kaum nachhaltige Spuren hinterlassen. Im musikwissenschaftlichen „Mainstream“ scheinen sich Vorbehalte gegenüber der Relevanz von Ikonographien zur Aufschlüsselung musikhistorischer Zusammenhänge hartnäckig zu halten: Bilder wurden und werden als Quellenmaterial weiterhin unterschätzt, Ansätze zu einer methodenkritischen Einbeziehung von Bildmaterial in musikhistorische Untersuchungen bleiben Ausnahmen. Und doch machen sich in jüngerer Zeit verstärkt Initiativen bemerkbar, die dieses Defizit zu beheben suchen – und es erstaunt kaum, dass es sich hierbei um kulturwissenschaftlich geschulte Ansätze handelt, die somit keine inter- oder gar transdisziplinären Berührungsängste haben. Lire la suite...

Halle, 17. bis 19. September 2019

„Deborah“, Händels Oratorium von einer starken Frau im Alten Testament

von Jörg Holzmann, Leipzig/Halle

Bereits zum siebenten Mal veranstaltete die Stiftung Händel-Haus in Halle (Saale) für fortgeschrittene Studierende der Musikwissenschaft und verwandter Disziplinen einen Studienkurs. Der Fokus lag dieses Mal, gemäß dem Motto der Händel-Festspiele 2019 „Empfindsam, heroisch, erhaben – Händels Frauen“, auf der Gestalt der Deborah und Händels gleichnamigem Oratorium. Im Renaissance-Raum des Händel-Hauses begrüßten Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Professor für Historische Musikwissenschaft am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Jun.-Prof. Dr. Matthew Gardner von der Eberhard Karls Universität in Tübingen und Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele Halle, gemeinsam mit der Leiterin der Abteilung „Bibliothek, Archiv, Forschung“ Dr. Konstanze Musketa die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach einem ersten Überblick über das vielseitige Programm der nächsten Tage stellte Dr. Annette Landgraf die Hallische Händel-Ausgabe, ihre Geschichte sowie frühere Händel-Ausgaben vor. Diese reichten von Cluer und Randall über Arnold und Rovedino bis hin zu Chrysander und den ersten Bänden der heutigen HHA und konnten je in einem originalen Exemplar vor Ort besichtigt werden. So eingestimmt begab sich die Gruppe in die Räume der Redaktion der HHA und erhielt dort von Mitarbeitern derselben einen Einblick in die täglichen Routinen und den Umgang mit verschiedensten Quellenarten.

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Kiel, 7. bis 10. November 2019

Ka-Ching! Der Klang des Geldes – Ökonomische, soziale und ästhetische Aspekte von Geld und Musik

von Paul McCall-Labelle und Celina Rausch, Hamburg und Kiel

Das diesjährige, mittlerweile 32. Symposium des Dachverbandes der Studierenden der Musikwissenschaft (DVSM) tagte zum ersten Mal in Kiel. Das interdisziplinäre, breit angelegte Thema wurde von Studierenden mehrerer Länder und aus unterschiedlichen Disziplinen und Studienphasen lebhaft diskutiert und ermöglichte eine große Vielfalt an Beiträgen – von Corelli bis Kanye West; von Auroville bis Kolumbien; vom Catch bis zum Vaporwave.

Das erste Panel, „Ökonomische Strukturen in Musik und Kultur“, begann mit dem Gastvortrag von Boris Voigt (Berlin). Er beschrieb die Überschneidung ökonomischer und musikalischer Denkweisen und argumentierte, dass die Beziehung zwischen Musik und Ökonomie nicht einfach als Einfluss der Ökonomie auf der Musik verstanden werden kann. Vielmehr fänden „musikästhetische Denkweisen auch in das ökonomische Denken Eingang“. Isabel Gebhardt und Sindram Volkmer (Leipzig) boten einen Einblick in die Anfänge einer systematischen Untersuchung der Beziehungen zwischen Musikpräferenzen und sozioökonomischen Faktoren. Eine Innovation in diesem bekannten Forschungsfeld bedeutete es, die Neigung zum Geld als Thematik in der Musik zu untersuchen und diese Tendenz wieder auf Persönlichkeit und Gesellschaftsschicht zurückzuführen. Annika Götz und Franziska Weigert (Mannheim/München) skizzierten das Konzept der „open culture“ und die primären und sekundären Finanzierungsmöglichkeiten für entsprechende Projekte. Anhand von Beispielen wie dem „Kultur-Hackathon“ Coding da Vinci stellten sie die Anreize für die Realisierung von „open culture“ Projekten dar. Lire la suite...

Graz, 28. bis 29. Oktober 2019

Musikerinnen in der Region – Handlungsräume und ihre Akteurinnen in der Steiermark

von Christa Brüstle und Matthias Mikula, Graz

Die international besetzte Konferenz wurde vom Zentrum für Genderforschung der Kunstuniversität Graz organisiert und vom Land Steiermark und von der Mariann Steegmann Stiftung gefördert. Sie widmete sich Fragestellungen der regionalen Identität und der kulturellen Handlungsspielräume von Musikerinnen und Musiklehrenden in Graz und in der Steiermark, aber auch in der Schweiz, in Kroatien und East Anglia. Ziel war es, Diskurse der regionalen Identität, die Geschichte von privaten und öffentlichen Handlungsspielräumen für Frauen im Musikbereich sowie die Bedeutung und das Wirken einzelner Musikerinnen und Musiklehrenden darzustellen und zu diskutieren.

Der Wirtschafts-, Stadt- und Sozialgeograph Hans H. Blotevogel (Wien) eröffnete das Symposium mit einem Grundsatzbeitrag aus der Regionalforschung. Er diskutierte die Renaissance der Region in der Ära der Globalisierung. Dabei stellte er die Thematik der Entgrenzung von Märkten, der globalen Migration und der zahlreichen interkulturellen Verflechtungen der Wiederentdeckung von regionalen Handlungsspielräumen gegenüber. Er konnte in bester Weise die Vieldeutigkeit der Begriffe Region, kulturelle und regionale Identität präzisieren und semantische Zusammenhänge einführend darstellen. Lire la suite...

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