Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Moskau, 7. bis 9. Oktober 2019

Muzykal’naja kompozicija i novye metody gumanitarych issledovanij/Music Composition and New Methods of Humanitarian Researches

von Sergej Nikiforov, Moskau, und Gesine Schröder, Leipzig/Wien

Die Konferenz über neue Methoden der geisteswissenschaftlichen Forschung wurde anlässlich der Feier des 70. Geburtstags von Aleksandr Sokolov ausgerichtet. Sokolov leitet die zur historisch-theoretischen Fakultät des Čajkovskij-Konservatoriums Moskau gehörige Theorie-Abteilung, er ist Rektor des Konservatoriums und Autor einer zuerst 1992 erschienenen, auch ins Spanische übersetzten Monographie über Komponieren im 20. Jahrhundert. Die Organisation der Konferenz lag maßgeblich in den Händen eines Teams aus dem kunstwissenschaftlichen Zentrum für Gegenwartsmusik des Konservatoriums. Der Komponist Vladimir Tarnopolʼskij (*1955), künstlerischer Vorstand des Zentrums, referierte auch selbst (über die Bedeutung soziologisch-kultureller Ausbildung der Musikstudierenden, insbesondere wenn sie sich neuerer Musik widmen), und ein im Zentrum angesiedeltes Ensemble für Neue Musik bestritt eines der beiden Konzerte, die man der Konferenz beigegeben hatte. Zu hören waren unter anderem Tarnopolʼskijs 1991, im Umfeld des spätsowjetischen Putsches jenes Jahres geschriebenes und als Exemplifikation seines Vortrags wirkendes Ensemblestück Kassandra sowie eine drei Jahre alte, in Kooperation mit dem Videokünstler Aleksandr Pettaj entstandene multimediale Komposition für zwei Klaviere, Elektronik und Video von Igorʼ Kefalidi (*1941), der in der bislang eher mager ausgestatteten Elektroakustischen Abteilung des Konservatoriums tätig ist. Dass er mit 78 Jahren noch lehrt, ist symptomatisch für das russische Hochschulwesen: Im Normalfall behält man seine berufliche Position bis ans Lebensende und begibt sich nicht in den Ruhestand. Zu den nicht wenigen weit über siebzigjährigen Vortragenden gehörten Galina Grigor’eva und Irina Koženova. Die eine arbeitete heraus, auf welche Weise Sergej Taneev bei seiner Vertonung symbolistischer Gedichte von Konstantin Balʼmont seine Chormusik um 1910 mit Eigenschaften instrumentaler Formen ausgestattet hatte; die andere sprach davon, dass Balladeskes bei Edvard Grieg immer wieder auf Balladen Chopins zurückgreift, die als Modelle gewirkt haben dürften. Indes wurde bei der Konferenz Musik, die vor mehr als einem halben Jahrhundert entstand, kaum thematisiert, auch der Musik sowjetischer oder russischer Komponisten waren nur wenige der insgesamt 35 Vorträge gewidmet.

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Mainz, 14. September 2019

Friedrich Karl Joseph von Erthal und das Mainzer Musikleben im späten 18. Jahrhundert

von Philipp G. H. Schmidt, Mainz

Anlässlich des 300. Geburtstags des vorletzten Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal veranstalteten die Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte eine Tagung im Erthaler Hof in Mainz. Wie Klaus Pietschmann (Mainz) in seinem Eröffnungsvortrag zeigte, fallen in Erthals Regierungszeit (1774–1802) nicht nur zahlreiche Reformen; mit der Gründung des Nationaltheaters und mit Akteuren wie Vincenzo Righini oder Franz Xaver Sterkel handelte es sich zudem um eine besonders erfolgreiche Periode der Mainzer Musikkultur. Trotz erschwerter Forschungsbedingungen – relevante Quellen sind in Archiven über ganz Europa verstreut – wurden gerade in den letzten Jahren zunehmend Untersuchungen zu diesem Themenfeld unternommen, deren Ziele und Ergebnisse im Rahmen der Tagung präsentiert werden konnten. Lire la suite...

Florenz, 26. Juni 2019

Musik vor 1600

von Marie Julius, Roman Lüttin, Lisa Schön und Wiebke Staasmeyer, Mainz und Weimar

Das gemeinsame Forschungskolloquium der musikwissenschaftlichen Institute der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ermöglicht es Nachwuchswissenschaftler*innen einmal pro Semester, großformatige Vorträge in einem internationalen Setting zu halten. Die mittlerweile zehnte Ausgabe dieses Kolloquiums fand am 26. Juni 2019 im Instituto Nazionale di Studi sul Rinascimento im Florentiner Palazzo Strozzi statt. Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Klaus Pietschmann (Mainz) und Christiane Wiesenfeldt (Weimar-Jena) sowie der Vorstellung des Respondenten Vincenzo Borghetti (Verona) eröffnete Daniel Tiemeyer (Weimar-Jena) die Tagung mit einem Vortrag zur Musik am Hof von Margarete von Österreich, dem Thema seiner geplanten Habilitationsschrift. Unter dem Titel „Self-representation and music at the court of Margarete of Austria. Aspects of political, sociological and compositional interconnectivity“ diskutierte Tiemeyer Inszenierungspraktiken in verschiedenen Alamire-Handschriften. Nach einem Gang durch die politische Landschaft Europas um 1500 und die Jugend Margaretes konzentrierte sich der Vortrag auf ihre ikonographische Darstellung als Witwe und ihre inszenierte Marienverehrung am habsburgisch-burgundischen Hof. Ziel war es, Verbindungslinien zwischen politischer (Selbst-)Repräsentation und ausgewählten Kompositionen aufzuzeigen. Tiemeyer zeigte dafür zunächst Ausschnitte aus dem Chansonnier der Margarete (B-Br Ms. 228). La Rues Motette Ave Maria Sanctissima wird dort beispielsweise durch die kniende Margarete von Österreich (identifizierbar durch ihr Wappen) und die auf der gegenüberliegenden Seite abgebildete, etwas höher positionierte Maria in einen politisch interpretierbaren Kontext gesetzt. Die Verbindung zwischen Margarete, ihrer Marienverehrung und la Rue zeige sich offenkundig in la Rues kompositorischem Schaffen. Erwähnenswert sind etwa die dreizehn seiner 32 Messen mit marianischen Topoi, der erste Magnificat-Zyklus in allen acht Toni überhaupt und die sechs Regina caeli-Motetten, die immerhin ein Drittel seines gesamten Motettenschaffens ausmachen. Als weiteres Beispiel wählte Tiemeyer das Mechelen Choirbook (B-MEa Ms. SS). Einer detaillierten (Bild-)Analyse der Eröffnungsseite und ihrer politischen Kontexte schloss sich ein Zwischenfazit an: „The figures here represent their function rather then their individuality“. In der abschließenden Diskussionsrunde wurde überlegt, inwiefern die Untersuchung von einem stärkeren Fokus auf Genderfragen, etwa dem Selbstverständnis der Frau als Herrscherin um 1500, gerade im Vergleich mit Johanna der I. von Kastilien, profitieren könnte. Lire la suite...

Dresden, 14. Juni 2019

Ein Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer

von Vitus Froesch, Dresden

Selten finden Symposien statt, die sich gleichzeitig und gleichwertig zweier Komponisten annehmen – so geschehen am „Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer“ in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Prof. Dr. Matthias Herrmann, der am dortigen Institut für Musikwissenschaft lehrt, richtete diesen ereignisreichen Tag mit zahlreichen Vorträgen und musikalischen Darbietungen rund um beide Komponisten aus. Lire la suite...

Regensburg, 16. bis 18. Mai 2019

Orgelpredigten in Europa (1600–1800). Musiktheoretische, theologische und historische Perspektiven

von Simon Hensel und Janosch Umbreit, Regensburg

Das DFG-Projekt „Deutsche Orgelpredigtdrucke zwischen 1600 und 1800 – Katalogisierung, Texterfassung, Auswertung”, seit 2016 unter der Leitung von Katelijne Schiltz am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Regensburg beheimatet, hat das Ziel, das bislang weitgehend unbeachtete Corpus an Orgelpredigtdrucken im deutschsprachigen Raum zu sichten, zu edieren und im Rahmen eines Online-Portals öffentlich zugänglich zu machen. Drucke von Predigten, die im Zeitraum zwischen 1600 und 1800 im Rahmen der Einweihung einer Orgel gehalten und im Folgenden veröffentlicht wurden, bieten nicht nur eine überaus nützliche Quelle, anhand derer sich die Geschichte einzelner Orgelwerke nachverfolgen lässt. Sie geben darüber hinaus wichtige Einblicke in den zeitgenössischen Diskurs über den Einsatz von Instrumenten und Figuralmusik im Gottesdienst – eine konfessionell geprägte Debatte, die vor allem zwischen lutherischen und reformierten Theologen geführt wurde. Lire la suite...

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