Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Hannover, 12. – 14. Juni 2019

Maximilian I. (1459–1519) und Musik. Reale Präsenz vs. virtuelle Kommunikation

von Margret Scharrer Bern/Saarbrücken

Das diesjährige Troja-Kolloquium für Renaissancemusik widmete sich aus aktuellem Anlass seines 500jährigen Todesjahres Kaiser Maximilian I. Im Fokus der interdisziplinären und internationalen Tagung stand insbesondere das Zusammenspiel von Kommunikation und Musik, das von Referenten und Diskutanten aus Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Geschichte, Literatur- und Buchwissenschaft diskutiert wurde. Besonders wurde dabei auf Rudolph Schlögls Kommunikations-Ansatz rekurriert, den der Konstanzer Historiker in seiner Monographie Anwesende und Abwesende. Grundriss für eine Gesellschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit (Konstanz 2014) formuliert.

In ihrer Einführung »Maximilian: Homo musico-politicus« zeigte Tagungsorganisatorin Nicole Schwindt (Trossingen) Formen unterschiedlicher Herrschaftsinstrumentalisierungen und -praktiken Maximilians auf, thematisierte im Zusammenhang mit der großen Reiseaktivität des Kaisers Fragen der direkten und indirekten Kommunikation, deren Erscheinungsformen und Probleme in diversen Medien von Administration, ritualer, künstlerischer und musikalischer Praxis zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Sie stellte Maximilian als innovativen Herrscher dar, der traditionelle Verfahren mit neuen Errungenschaften seiner Zeit verband und sich zunutze machte. Der Musik maß sie eine wichtige »Scharnierfunktion« in der kaiserlichen Identitätskonstruktion bei. Leer más...

Wrocław/Breslau, 20. bis 21. März 2019

Tradycje śląskiej kultury muzycznej – Traditions of Silesian Musical Culture

von Gesine Schröder, Leipzig/Wien

Es geschieht selten, dass man im musikalischen Beiprogramm einer Konferenz einen internationalen Star zu hören bekommt. An der Musikakademie „Karol Lipiński” in Breslau trat Agata Zubel auf, Sängerin, Komponistin und Performerin, Absolventin und jetzt Lehrerin an der Akademie. Zuletzt hatte ich sie im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins orchesterbegleitet eine Uraufführung von Hans-Joachim Hespos singen hören, und nun hier: Sie bestritt die gesamte zweite Hälfte des Konzerts, unter anderem mit einem eigenen Stück für Stimme und präpariertes Klavier, dessen Rattern und Tockern sie dem eigenen Gesang und Glucksen hinzugeschrieben hatte. Das Konzert gehörte zur 15. Edition einer Konferenzserie zu Traditionen schlesischer Musikkultur, 1980 von der früheren Breslauer Ordinaria Maria Zduniak ins Leben gerufen; ausgerichtet wird sie in unregelmäßigem, circa anderthalbjährigem Abstand im Wechsel mit Editionen einer Konferenzserie zur musikalischen Analyse. Die Organisatorin ist seit einigen Jahren Anna Granat-Janki, Inhaberin des Lehrstuhls für Musiktheorie und schlesische Musikkultur an der Breslauer Musikakademie. Im Studienjahr 1948/49 war hier der Lehrbetrieb aufgenommen worden, und so wurde mit der diesjährigen Edition, an welcher 22 Rednerinnen und Redner aus Polen, Österreich, Tschechien, der Slowakei, der Ukraine und Deutschland teilnahmen, auch das 70-jährige Bestehen der Musikakademie gefeiert. Dass das Beiprogramm so luxuriös ausfiel, hängt damit zusammen, dass die ausrichtende Fakultät neben Musiktheorie unter anderem das Fachgebiet Komposition umfasst und dass man allem Anschein nach zu einem glücklichen Miteinander der Gebiete gelangt ist. Aus der Kooperation von Lehrenden und Studierenden der Fächer Komposition und Musiktheorie resultiert, dass sich die Breslauer Musiktheorie intensiv der Auseinandersetzung mit Werken widmet, die aus der eigenen Schule hervorgingen. Damit bildet das Musikgeschehen der jüngsten Jahrzehnte einen Schwerpunkt ihrer Forschung. Beispiele dafür waren die Vorträge von Katarzyna Bartos (Kraków / Krakau und Breslau), die ein gleißend orchestriertes symphonisches Reisebild der Breslauer Komponistin Grażyna Pstrokońska-Nawratil (* 1947), ein Souvenir der Messiaen-Schülerin aus Mexiko, als ökologische Musik interpretierte; von Aleksandra Pijarowska (Breslau) über direkte, auf Uraufführungen reagierende Musikkritiken von Werken des Breslauer Komponisten Jan Anton Wichrowski (1942–2017), dessen Liederzyklus nach Gedichten der innovativen und mondänen Maria Pawlikowska-Jasnorzewska im Konzert zu hören war; sowie von Granat-Janki über die Mimesis Breslaus in Kompositionen neuerer in der Stadt ansässiger Komponisten wie in Cesary Duchnowskis (* 1971) 2016 uraufgeführter Symphonie über hundert Brücken mit dem Titel Echa. Der von Breslau herkommenden neueren Klangkunst wandte sich auch die Berichterstatterin zu. Anhand multimedialer Produkte der aus der Breslauer Schule stammenden Komponistinnen Jagoda Szmytka (*1982) und Katarzyna Głowicka (*1977) untersuchte sie, wann solche Produkte die Rede vom Tod des Autors aushebeln, wo das Leben, Fühlen und die Intentionen der Urheberinnen solcher Produkte zu deren Teil werden und daher mit ästhetischem Interesse befragt werden können. Nochmals der jüngeren (polnischen) Geschichte der schlesischen Musikkultur war ein Beitrag von Jolanta Szulakowska-Kulawik (Katowice / Kattowitz) gewidmet. In Kattowitz hatte der im Westen mit seinen Musiken zu Filmen unter anderem Krzysztof Zanussis, Francis Ford Coppolas und Roman Polańskis bekannt gewordene Wojciech Kilar (1932–2013) seit 1950 gelebt. Seine späten religiösen Werke deutete Szulakowska-Kulawik aus der Sicht von Theorien Mieczysław Tomaszewski, des zu Beginn dieses Jahres fast hundertjährig verstorbenen Doyens der neueren polnischen Musikologie, und Charlotte Bühlers, deren Vorstudien zu einer Gerontopsychologie in diesem Kontext fruchtbar gemacht werden konnten. Leer más...

Bremen, 15. bis 17. Februar 2019

Konservatoriumsausbildung von 1795 bis 1945

von Simon Kannenberg, Hamburg

Das Sophie Drinker Institut „für musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung“ in Bremen wandte sich, wie Institutsleiterin Freia Hoffmann in ihrer Einführung erläuterte, mit dem Tagungsthema einem neuen Forschungsbereich zu, der sich aus der vorangegangenen Arbeit am Instrumentalistinnenlexikon als dringendes Desiderat herausgestellt hatte. Seit 2016 arbeitet das Team an einem auf drei Bände angelegten Handbuch zur Konservatoriumsgeschichte, das 2021 fertiggestellt werden soll.

Die erste Sektion über „Ausbildungskonzeptionen“ wurde von Bernd Clausen (Würzburg) eröffnet, dessen Vortrag „‘Es wird daher Zeit, dass die Konservatorien ihre Lehrpläne revidierenʼ. Wendepunkte institutionalisierter Musiklehrerbildung“ einen Werkstattbericht über seine Forschung an den Wechselwirkungen zwischen Bildungspolitik und den Eigendynamiken von Musikbildungsstätten gab, die er anhand der Statusverschiebung von (Staats‑)Konservatorium zu Musikhochschule im Fall von Würzburg demonstrierte. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Wiedereinführung der Lehramtsausbildung 1973, die wie in der vorangegangenen Geschichte der Institution umstritten war. Leer más...

Würzburg, 13. bis 14. Dezember 2018

A Counterpoint of Music and Text(s): Redefining musico-textual relationships in late medieval repertoires

von Anna Sanda, Wien

Das Forschungsseminar – das von Mikhail Lopatin, einem Humboldt-Stipendiaten am Institut für Musikforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, veranstaltet wurde – widmete sich der französischen und der italienischen Musik des 13. und 14. Jahrhunderts inklusive des weitverbreiteten Motettenrepertoires mit dem Fokus auf dem Verhältnis von Musik und Text. Diese Verbindung wurde von Lopatin programmatisch als eine „kontrapunktische Relation“ bezeichnet und zwar auf zwei Ebenen. Im engeren Sinne hieß es, das semantische Potenzial von Musik und Text als zueinander in kontrapunktischer Beziehung stehend zu betrachten – analog zur Relation zweier Stimmen, die zueinander in Parallel- oder Gegenbewegung verlaufen, einander kreuzen oder abwechseln. Dieser Ausgangspunkt sollte zu einer erweiterten Behandlung eines „musikalisch-textuellen Kontrapunkts“ über verschiedene Gattungen und zeitlich wie geographisch gebundene Aspekte hinaus führen. Im weiteren Sinne sollte die transdisziplinäre Herangehensweise, die ExpertInnen mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten zusammenbrachte, eine Interaktion in der Art eines „kontrapunktischen Dialogs“ bewirken, um ein neuartiges Verständnis der musikalisch-textuellen Beziehungen in der Musik des Spätmittelalters zu entwickeln. Die sieben Beiträge des zweitägigen Seminars umfassten eine große Bandbreite sowohl der Methoden als auch des untersuchten Repertoires und präsentierten sieben unterschiedliche Herangehensweisen in unmittelbarer Verbindung zum gegebenen Programm. Leer más...

Mainz, 10. bis 15. September 2018

Ancient Narratives and Histories in C. W. Gluck’s Operas

von Mikhail Kuchersky, Essen/Wien

Die III. Interdisciplinary Summer School of Musicology and Ancient Studies Mainz wurde von der Abteilung Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz veranstaltet, in Kooperation mit der Christoph Willibald Gluck-Gesamtausgabe, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur und dem Institut für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Unter der Leitung von Stefanie Acquavella-Rauch verfolgte die Summer School einen interdisziplinären Ansatz, um sich der Beschäftigung mit Sujets und Narrativen in Christoph Willibald Glucks Opern aus einem erweiterten Blickwinkel und mit neuen Methoden nähern zu können. Dementsprechend richtete sich die Ausschreibung an Musikwissenschaftler*innen und Altertumswissenschaftler*innen im fortgeschrittenen Stadium ihrer Ausbildung oder in der Promotionsphase, die durch ihre Teilnahme auch ECTS-Punkte erwerben konnten. Ferner wurden die Dozent*innen ebenfalls nach interdisziplinären Gesichtspunkten angesprochen: Neben zwei Musikwissenschaftler*innen (Acquavella-Rauch, Stephan Summers) konnten Annemarie Ambühl (Klassische Philologie), Klaus Junker (Klassische Archäologie), Doris Prechel (Altorientalische Philologie) und Bastian Reitze (Klassische Philologie) als Lehrende gewonnen werden. Leer más...

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