Tagungsberichte | 2019

Mainz, 14. September 2019

Friedrich Karl Joseph von Erthal und das Mainzer Musikleben im späten 18. Jahrhundert

von Philipp G. H. Schmidt, Mainz

Anlässlich des 300. Geburtstags des vorletzten Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal veranstalteten die Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte eine Tagung im Erthaler Hof in Mainz. Wie Klaus Pietschmann (Mainz) in seinem Eröffnungsvortrag zeigte, fallen in Erthals Regierungszeit (1774–1802) nicht nur zahlreiche Reformen; mit der Gründung des Nationaltheaters und mit Akteuren wie Vincenzo Righini oder Franz Xaver Sterkel handelte es sich zudem um eine besonders erfolgreiche Periode der Mainzer Musikkultur. Trotz erschwerter Forschungsbedingungen – relevante Quellen sind in Archiven über ganz Europa verstreut – wurden gerade in den letzten Jahren zunehmend Untersuchungen zu diesem Themenfeld unternommen, deren Ziele und Ergebnisse im Rahmen der Tagung präsentiert werden konnten.

Read more ...

Moskau, 7. bis 9. Oktober 2019

Muzykal’naja kompozicija i novye metody gumanitarych issledovanij/Music Composition and New Methods of Humanitarian Researches

von Sergej Nikiforov, Moskau, und Gesine Schröder, Leipzig/Wien

Die Konferenz über neue Methoden der geisteswissenschaftlichen Forschung wurde anlässlich der Feier des 70. Geburtstags von Aleksandr Sokolov ausgerichtet. Sokolov leitet die zur historisch-theoretischen Fakultät des Čajkovskij-Konservatoriums Moskau gehörige Theorie-Abteilung, er ist Rektor des Konservatoriums und Autor einer zuerst 1992 erschienenen, auch ins Spanische übersetzten Monographie über Komponieren im 20. Jahrhundert. Die Organisation der Konferenz lag maßgeblich in den Händen eines Teams aus dem kunstwissenschaftlichen Zentrum für Gegenwartsmusik des Konservatoriums. Der Komponist Vladimir Tarnopolʼskij (*1955), künstlerischer Vorstand des Zentrums, referierte auch selbst (über die Bedeutung soziologisch-kultureller Ausbildung der Musikstudierenden, insbesondere wenn sie sich neuerer Musik widmen), und ein im Zentrum angesiedeltes Ensemble für Neue Musik bestritt eines der beiden Konzerte, die man der Konferenz beigegeben hatte. Zu hören waren unter anderem Tarnopolʼskijs 1991, im Umfeld des spätsowjetischen Putsches jenes Jahres geschriebenes und als Exemplifikation seines Vortrags wirkendes Ensemblestück Kassandra sowie eine drei Jahre alte, in Kooperation mit dem Videokünstler Aleksandr Pettaj entstandene multimediale Komposition für zwei Klaviere, Elektronik und Video von Igorʼ Kefalidi (*1941), der in der bislang eher mager ausgestatteten Elektroakustischen Abteilung des Konservatoriums tätig ist. Dass er mit 78 Jahren noch lehrt, ist symptomatisch für das russische Hochschulwesen: Im Normalfall behält man seine berufliche Position bis ans Lebensende und begibt sich nicht in den Ruhestand. Zu den nicht wenigen weit über siebzigjährigen Vortragenden gehörten Galina Grigor’eva und Irina Koženova. Die eine arbeitete heraus, auf welche Weise Sergej Taneev bei seiner Vertonung symbolistischer Gedichte von Konstantin Balʼmont seine Chormusik um 1910 mit Eigenschaften instrumentaler Formen ausgestattet hatte; die andere sprach davon, dass Balladeskes bei Edvard Grieg immer wieder auf Balladen Chopins zurückgreift, die als Modelle gewirkt haben dürften. Indes wurde bei der Konferenz Musik, die vor mehr als einem halben Jahrhundert entstand, kaum thematisiert, auch der Musik sowjetischer oder russischer Komponisten waren nur wenige der insgesamt 35 Vorträge gewidmet.

Read more ...

Florenz, 26. Juni 2019

Musik vor 1600

von Marie Julius, Roman Lüttin, Lisa Schön und Wiebke Staasmeyer, Mainz und Weimar

Das gemeinsame Forschungskolloquium der musikwissenschaftlichen Institute der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ermöglicht es Nachwuchswissenschaftler*innen einmal pro Semester, großformatige Vorträge in einem internationalen Setting zu halten. Die mittlerweile zehnte Ausgabe dieses Kolloquiums fand am 26. Juni 2019 im Instituto Nazionale di Studi sul Rinascimento im Florentiner Palazzo Strozzi statt. Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Klaus Pietschmann (Mainz) und Christiane Wiesenfeldt (Weimar-Jena) sowie der Vorstellung des Respondenten Vincenzo Borghetti (Verona) eröffnete Daniel Tiemeyer (Weimar-Jena) die Tagung mit einem Vortrag zur Musik am Hof von Margarete von Österreich, dem Thema seiner geplanten Habilitationsschrift. Unter dem Titel „Self-representation and music at the court of Margarete of Austria. Aspects of political, sociological and compositional interconnectivity“ diskutierte Tiemeyer Inszenierungspraktiken in verschiedenen Alamire-Handschriften. Nach einem Gang durch die politische Landschaft Europas um 1500 und die Jugend Margaretes konzentrierte sich der Vortrag auf ihre ikonographische Darstellung als Witwe und ihre inszenierte Marienverehrung am habsburgisch-burgundischen Hof. Ziel war es, Verbindungslinien zwischen politischer (Selbst-)Repräsentation und ausgewählten Kompositionen aufzuzeigen. Tiemeyer zeigte dafür zunächst Ausschnitte aus dem Chansonnier der Margarete (B-Br Ms. 228). La Rues Motette Ave Maria Sanctissima wird dort beispielsweise durch die kniende Margarete von Österreich (identifizierbar durch ihr Wappen) und die auf der gegenüberliegenden Seite abgebildete, etwas höher positionierte Maria in einen politisch interpretierbaren Kontext gesetzt. Die Verbindung zwischen Margarete, ihrer Marienverehrung und la Rue zeige sich offenkundig in la Rues kompositorischem Schaffen. Erwähnenswert sind etwa die dreizehn seiner 32 Messen mit marianischen Topoi, der erste Magnificat-Zyklus in allen acht Toni überhaupt und die sechs Regina caeli-Motetten, die immerhin ein Drittel seines gesamten Motettenschaffens ausmachen. Als weiteres Beispiel wählte Tiemeyer das Mechelen Choirbook (B-MEa Ms. SS). Einer detaillierten (Bild-)Analyse der Eröffnungsseite und ihrer politischen Kontexte schloss sich ein Zwischenfazit an: „The figures here represent their function rather then their individuality“. In der abschließenden Diskussionsrunde wurde überlegt, inwiefern die Untersuchung von einem stärkeren Fokus auf Genderfragen, etwa dem Selbstverständnis der Frau als Herrscherin um 1500, gerade im Vergleich mit Johanna der I. von Kastilien, profitieren könnte.

Read more ...

Dresden, 14. Juni 2019

Ein Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer

von Vitus Froesch, Dresden

Selten finden Symposien statt, die sich gleichzeitig und gleichwertig zweier Komponisten annehmen – so geschehen am „Tag für Udo Zimmermann und Lothar Voigtländer“ in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Prof. Dr. Matthias Herrmann, der am dortigen Institut für Musikwissenschaft lehrt, richtete diesen ereignisreichen Tag mit zahlreichen Vorträgen und musikalischen Darbietungen rund um beide Komponisten aus.

Read more ...

Hannover, 12. – 14. Juni 2019

Maximilian I. (1459–1519) und Musik. Reale Präsenz vs. virtuelle Kommunikation

von Margret Scharrer Bern/Saarbrücken

Das diesjährige Troja-Kolloquium für Renaissancemusik widmete sich aus aktuellem Anlass seines 500jährigen Todesjahres Kaiser Maximilian I. Im Fokus der interdisziplinären und internationalen Tagung stand insbesondere das Zusammenspiel von Kommunikation und Musik, das von Referenten und Diskutanten aus Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Geschichte, Literatur- und Buchwissenschaft diskutiert wurde. Besonders wurde dabei auf Rudolph Schlögls Kommunikations-Ansatz rekurriert, den der Konstanzer Historiker in seiner Monographie Anwesende und Abwesende. Grundriss für eine Gesellschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit (Konstanz 2014) formuliert.

In ihrer Einführung »Maximilian: Homo musico-politicus« zeigte Tagungsorganisatorin Nicole Schwindt (Trossingen) Formen unterschiedlicher Herrschaftsinstrumentalisierungen und -praktiken Maximilians auf, thematisierte im Zusammenhang mit der großen Reiseaktivität des Kaisers Fragen der direkten und indirekten Kommunikation, deren Erscheinungsformen und Probleme in diversen Medien von Administration, ritualer, künstlerischer und musikalischer Praxis zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Sie stellte Maximilian als innovativen Herrscher dar, der traditionelle Verfahren mit neuen Errungenschaften seiner Zeit verband und sich zunutze machte. Der Musik maß sie eine wichtige »Scharnierfunktion« in der kaiserlichen Identitätskonstruktion bei.

Read more ...

Regensburg, 16. bis 18. Mai 2019

Orgelpredigten in Europa (1600–1800). Musiktheoretische, theologische und historische Perspektiven

von Simon Hensel und Janosch Umbreit, Regensburg

Das DFG-Projekt „Deutsche Orgelpredigtdrucke zwischen 1600 und 1800 – Katalogisierung, Texterfassung, Auswertung”, seit 2016 unter der Leitung von Katelijne Schiltz am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Regensburg beheimatet, hat das Ziel, das bislang weitgehend unbeachtete Corpus an Orgelpredigtdrucken im deutschsprachigen Raum zu sichten, zu edieren und im Rahmen eines Online-Portals öffentlich zugänglich zu machen. Drucke von Predigten, die im Zeitraum zwischen 1600 und 1800 im Rahmen der Einweihung einer Orgel gehalten und im Folgenden veröffentlicht wurden, bieten nicht nur eine überaus nützliche Quelle, anhand derer sich die Geschichte einzelner Orgelwerke nachverfolgen lässt. Sie geben darüber hinaus wichtige Einblicke in den zeitgenössischen Diskurs über den Einsatz von Instrumenten und Figuralmusik im Gottesdienst – eine konfessionell geprägte Debatte, die vor allem zwischen lutherischen und reformierten Theologen geführt wurde.

Read more ...

Halle an der Saale, 3. bis 5. Juni 2019

Zwischen Alcina und Theodora. Frauengestalten in den Werken Händels und seiner Zeitgenossen / Between Alcina and Theodora: Female figures in the works of Handel and his contemporaries

von Jörg Holzmann, Leipzig

In 19 Referaten widmeten sich Forscherinnen und Forscher aus den USA, Großbritannien, Kroatien, Österreich und Deutschland Händels Frauengestalten in ihrer historischen Symptomatik und aktuellen Brisanz. Am Samstag vor den eigentlichen drei Konferenztagen erhielt Silke Leopold (Heidelberg) den Händel-Preis der Stadt Halle. Dem Motto der Tagung wurde sie in ihrem „Von A(thalia) bis Z(enobia): Händels Galerie der starken Frauen“ überschriebenen Festvortrag im Stadthaus am Markt mehr als gerecht und betonte, dass immerhin zehn von 42 Opern Händels im Titel Frauennamen trügen. Obschon Händel kein Gelehrter im engeren Sinne gewesen sei, dürfe doch davon ausgegangen werden, dass Schriften von Amaranthes oder Hoffmeister ihn zu seiner Phalanx der starken Frauen angeregt haben. Zur festlichen Rahmung dieses Vortrags trugen maßgeblich die von Katharina Bäuml gehaltene Laudatio und das sich an den Vortrag anschließende Kurzkonzert mit dem Ensemble Il Giratempo und der zu Recht mit tosendem Beifall und stehenden Ovationen gefeierten Sopranistin Margriet Buchberger bei.

Eine weitere Preisverleihung eröffnete die Runde der Referate im Rahmen der Wissenschaftlichen Konferenz. Natassa Varka (Cambridge) erhielt den von der Stiftung der Saalesparkasse geförderten Internationalen Händel-Forschungspreis 2019 für ihre Dissertation Charles Jennens‘s collection of Handel’s sacred oratorios from „Saul“ to „Jephtha“: sources, contents, and revisions, über die sie anschließend anschaulich referierte. Auch ihr zweiter, im Fortlauf der Tagung präsentierter Beitrag bezog sich auf dieses Quellenkorpus. Indem sie die Figur der Nitocris und ihre Rolle in Belshazzar einer genaueren Betrachtung unterzog und dabei vor allem auf ihre Behandlung in Jennens’ Libretto einging, zeigte sie, auch im Hinblick auf politische und religiöse Debatten der Zeit, wie sehr sich diese von vergleichbaren zeitgenössischen Rezeptionen unterscheidet.

Mit generellen Überlegungen zu Frauengestalten, Genderaspekten, literarischen Vorlagen und der Rezeption in Händels Werk, hauptsächlich innerhalb der Libretti, befasste sich anschließend die erste Sektion der Vorträge. Das theologische Profil, das Libretti und Musik den Frauengestalten verleihen, und dessen Funktion bei der Entstehung der Oratorien Händels war Thema des Beitrags von Elisabeth Birnbaum (Wien). Sie zeigte auf, dass die an prominenter Stelle auftretenden biblischen Frauen,  seien sie die titelgebenden Heldinnen selbst oder zumindest Ehefrauen und Töchter der Titelhelden, sich immer wieder von der biblischen Vorlage emanzipieren, Namen bekommen und persönliche Empfindungen, Gedanken und im ursprünglichen Zusammenhang nicht vorhandene eigenständige Züge entwickeln. Inwieweit bei kulturell determinierten Rollenbildern von Handlungsspielräumen die Rede sein kann, fragte Sabine Volk-Birke (Halle). In den Libretti zu Händels Bühnenwerken scheinen sie zunächst durch Gattungskonventionen und die meist biblischen oder mythologischen und damit weithin bekannten Vorlagen recht begrenzt. Welche Auswirkungen ein sich wandelndes Rechtsempfinden im England des 18. Jahrhunderts, eine Neubewertung verschiedener, vor allem Frauen zugeschriebener Tugenden und eine differenziertere Figurengestaltung in den Libretti auf diese Spielräume hatten und heute zur Faszination von Händels Heldinnen beitragen, verdeutlichte sie exemplarisch an Theodora und Deborah.

Dass die Rezeption kanonischer Texte immer auch eine Transformation bedeutet, liegt laut Irmtraud Fischer (Graz) in der Natur dieser Textform, da deren Aussagen ja über Generationen hinweg greifbar sein sollen. Gerade biblische Frauenfiguren eignen sich zudem hervorragend dazu, Geschlechterkonzeptionen verschiedener Zeiten nachzuvollziehen, da sie wandelbarer sind als die männlichen Charaktere, denen patriarchale Gesellschaften mehrheitlich konstante Rollen zugewiesen haben.

Vorwiegend weiblich konnotierte Tugenden bildeten den Ausgangpunkt der folgenden Referate. So verwies etwa Ellen T. Harris (Massachusetts) auf das wiederkehrende Motiv der weiblichen Unschuld im Angesicht des Todes. Anhand der Oper Ariodante und der dramatischen Oratorien Susanna und Jephtha beschrieb sie, wie Händel sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten zwischen den drei Frauen, die sich in vergleichbaren Situationen wiederfinden, musikalisch herausarbeitet. Anschließend zog sie Parallelen zu weiteren Werken, in denen ein zu Unrecht gefälltes Todesurteil eine zentrale Rolle spielt, und erörterte die mögliche Zuordnung der unterschiedlichen, doch wiederkehrenden Ausgänge zu bestimmten musikalischen Umsetzungen. Dass Händels erste drei Oratorien Esther, Deborah und Athalia von Frauenfiguren als Titelheldinnen handeln, nahm Matthew Gardner (Tübingen) zum Anlass, der Darstellung weiblicher Tugend im englischen Oratorium nachzugehen. Schon zuvor war virtue, vor allem in Abgrenzung zu pleasure, ein beliebter Stoff in literarischen Werken, Theaterstücken und Opern, wurde ab den frühen 1730er Jahren aber auch für Oratorien gewählt. In die Betrachtungen einbezogen wurde die Rolle weiblicher Tugend sowohl in der englischen Gesellschaft als auch bei Mitgliedern des Adels und Hochadels.

Einem besonders komplexen, weil sozial tief, moralisch aber sehr hoch stehenden Charakter in Händels Werk widmete Ruth Smith (Cambridge) ihren Vortrag: Dorinda aus der Oper Orlando und ihrer Sängerin in der Uraufführung, Celeste Gismonti, deren sowohl musikalische als auch schauspielerische Fähigkeiten von der zeitgenössischen Kritik positiv aufgenommen worden seien. Ausgehend von Dorindas Interaktionen mit den anderen handelnden Personen wurden weiterführend die Topoi Hierarchie, Leidenschaft, Heldentum, Ritterlichkeit und das Pastorale diskutiert. Einen zentralen Aspekt bildete das Pastorale auch in den Ausführungen Ivan Ćurkovićs (Zagreb). Um den Konflikt zwischen der königlichen und der pastoralen Identität Atalantas in der gleichnamigen Oper Händels zu verdeutlichen, zog er zunächst Parallelen zur Rezeption dieser mythologischen Heldin, wie sie in literarischen Kontexten und in der bildenden Kunst jener Zeit vorgestellt wird. Anhand ausgewählter Duette, auch im Vergleich mit szenisch ähnlich gelagerten aus Il pastor fido ging Ćurković dann der Frage nach, ob Händel spezifische kompositorische Mittel anwendete, um Identitätskonflikte und das doppelbödige Spiel mit dem Erkennen oder Nicht-Erkennen sich eigentlich liebender Figuren darzustellen. Anhand der Frauenrollen sowohl in Guarinis als auch in Händels Il pastor fido verfolgte Florian Mehltretter (München) die Transformationen pastoraler Poetik vom späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert, wobei er insbesondere auf die Bedeutung von Handlungslogik und (weiblicher) Figurenkonzeption für die Oper einging.

Selbstverständlich wurde auch das Erbe der venezianischen Oper im Schaffen Händels in einigen Beiträgen betrachtet. Reinhard Strohm (Oxford) warf ausgehend von einem Forschungsprojekt zur venezianischen Oper 1700–1750 die Frage auf, ob nicht auch in Händels Bühnenschaffen Tendenzen zu erkennen seien, bestimmte Textarten oder Kompositionsweisen geschlechterspezifisch zu gestalten und zuzuordnen. Vorerst keine systematische Typologie anstrebend präsentierte er verschiedene Arientypen, die vorwiegend weiblich konnotiert scheinen, wie etwa die besonders vielschichtige Arie mit zwei Partnern, eingesetzt in triangulären Konfliktsituationen, etwa, wenn eine weibliche Figur augenscheinlich offen einem Bewerber ihre Liebe gesteht, während sie leiser und gleichsam kommentierend dem anderen Gesangspartner gegenüber das vorher Gesungene relativiert oder dem Publikum zugewandt ihr Verhalten erläutert. Wendy Heller (Princeton) fragte in ihrem Beitrag nach Händels Interesse an Opernstoffen wie Flavio, Serse und ähnlichen, deren Wurzeln im 17. Jahrhundert zu suchen sind. Sie schlug vor, dass es zu einem Großteil dem dramatischen Potenzial geschuldet gewesen sein könnte, das die Frauengestalten der venezianischen Oper mit ihrer Fülle an Humor, Gewalt und Erotik auszeichnete, die im eher konventionellen 18. Jahrhundert wohl nicht mehr gestattet gewesen seien. Mit seinen zahlreichen Verwicklungen und einem starken Hang zum Komödiantischen nimmt das Libretto zu Semiramide riconosciuta, bei der Londoner Aufführung mit Margherita Durastanti besetzt, eine Sonderstellung im Schaffen Metastasios ein und gemahnt dabei ebenfalls stark an Traditionen des 17. Jahrhunderts. In seinem Vortrag verglich John H. Roberts (Berkeley) Händels Rezitative mit denen aus Vincis Vertonung desselben Stoffes, die Händel wahrscheinlich nur durch eine Ariensammlung kennengelernt hatte.

Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildeten exemplarische Lebensläufe ausgewählter Sängerinnen. Berta Joncus (London) ging der Frage nach, wie Giulia Frasi ihre Auftritte in den  Ranelagh Gardens nutzte, um sich einerseits als wahrhaft „englische“ Sopranistin zu präsentieren und sich andererseits für weitere Besetzungen in größeren Werken Händels zu empfehlen. Sie trat hierfür in den Jahren 1748, 1749 und 1753 an der Seite des damals führenden Tenors John Beard bei von diesem selbst organisierten „breakfast concerts“ auf und war mit ihren Bestrebungen durchaus erfolgreich, wurde sie doch noch nach 1800 mit Konzerten im Freien assoziiert. Ausgehend von Anmerkungen im Notentext, die bis 1751 oder 1752 von Händel selbst und bis in die 1760er Jahre aus der Hand von John Christopher Smith (Vater und Sohn) stammen, vermittelte Donald Burrows (Milton Keynes) einen Einblick in die Besetzung von Gesangssolisten in den späten Oratorien Händels. Die Akteure ließen sich dabei in Stammpersonal, wiederkehrende und nur punktuell eingesetzte Sängerinnen und Sänger einteilen; ein Plan für ganze Spielzeiten sei aber durchaus anzunehmen.

In ihrem Vortrag zeigte Ina Knoth (Hamburg), inwiefern die Figur der Clelia aus Muzio Scevola in besonderem Maße zur Befestigung einer für das Londoner Publikum wiedererkennbaren Bühnenpersönlichkeit der Sängerin Margherita Durastanti konzipiert wurde. Die unterschiedliche Gestaltung der kämpferischen Auftritte in den drei Akten wurde sowohl vor dem Hintergrund der literarischen Adaption des historischen Stoffes durch den Librettisten Rolli als auch vor dem der unterschiedlichen musikalischen Umsetzungen durch die drei Komponisten Händel, Amadei und Bononcini beleuchtet. Weiter ging Knoth auf eine eventuell gezielte Inszenierung Durastantis als Amazone ein und bezog dabei einerseits die in England verbreiteten Vorstellungen von Frauen als Kriegerinnen und andererseits Durastantis Partien aus ihrer frühen Zeit in London mit ein, während derer sie mehrfach in Männerrollen in Erscheinung getreten war. Den Auswirkungen, die eine Neu- oder Umbesetzung einer Partie haben kann, ging Graydon Beeks (Claremont) nach. Während der Entstehung von Ariodante bekamen John Beard und kurz nach der Fertigstellung Cecilia Young die Rollen von Lurcanio und Dalinda anstelle anderer Sänger zugeteilt, was dazu führte, dass Händel bereits komponiertes Material verändern und neues hinzufügen musste. Dies hatte aber nicht nur auf die Gestaltung der Musik Einfluss, sondern schärfte auch in besonderem Maße die Charaktere.

Anke Charton (Wien) zeigte aus einer umfassenderen kulturgeschichtlichen Perspektive, wie die Darstellung weiblicher Handlungsspielräume in Händels Opern nicht nur sozioästhetisch bedingt war, sondern auch für das Verständnis heutiger Geschlechtervorstellungen aussagekräftig sein kann. Den Abschluss der Tagung bildete der Vortrag von Suzanne Aspden (Oxford), der sich passend zur starken Präsenz englischsprachiger Referentinnen mit der emblematischen, allegorischen und durchaus auch didaktischen Repräsentanz „Britannias“ in Händels Werk und mehr noch seiner Zeitgenossen beschäftigte – äußerst anschaulich belegt durch ikonografische Zeugnisse jener Zeit.

Umrahmt wurde die Konferenz von einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Hallischen Händel-Ausgabe und einer Führung durch die Sonderausstellung „Ladies first“ im Händelhaus.

Freiburg, 10. und 11. Mai 2019

Kunst und Forschung – Clara Wieck Schumann zum 200. Geburtstag

von Nadja Schmitz-Arenst, Freiburg

Clara Wieck Schumann wirkte in vielen Feldern der Musik: Sie war Pianistin, Komponistin und gehörte zu den kulturellen Größen ihrer Zeit. Das zu ihrem 200. Geburtstag stattfindende Symposium stellte sich mit teilnehmenden Wissenschaftlern aus den Bereichen Musiktheorie, Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Philosophie sowie Musikern Fragen rund um das „Grosse Concert“, das Clara Wieck am 9. November 1835 im Leipziger Gewandhaus gab und reflektierte zudem ihr Wirken im Bereich Networking und als Frau in einer Zeit, in der fast nur Männer das Kulturleben prägten.

Initiiert und durchgeführt wurden Symposium und Konzert von der Hochschule für Musik Freiburg, konzipiert und geleitet von Janina Klassen (Freiburg) und Martin Günther (Frankfurt). Unterstützt wurden die Veranstaltungen von der Gesellschaft zur Förderung der Hochschule für Musik Freiburg e. V. und der Mariann Steegmann Foundation. In zwei thematischen Blöcken näherten sich die Teilnehmenden dem Konzert und Clara Wieck Schumanns künstlerischem Handeln aus verschiedenen Blickwinkeln an. Im Zentrum vieler Überlegungen stand dabei das Konzert von 1835, das am 10. Mai von der Pianistin Ragna Schirmer sowie Solisten und dem Orchester der Musikhochschule rekonstruiert und aufgeführt wurde.

Read more ...

Zwickau/Dresden/Leipzig, 9. bis 12. Mai 2019

„Die Herrlichste von Allen“. Clara Schumann zum 200. Geburtstag

von Isabell Tentler, Zwickau

In früheren Jahren war die Quellenerschließung zu Clara Schumann trotz reicher Überlieferung sehr lückenhaft, was zur Folge hatte, dass oft nur spekulativ und interpretierend rekonstruiert werden konnte. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren grundlegend gebessert: Schumanns Briefwechsel mit Freunden, Künstlerkollegen und Familienangehörigen sind erschienen, die Jugendtagebücher und weitere private Aufzeichnungen sowie Zeitzeugnisse ihrer Schülerinnen ediert. Die Auswertung dieser Quellen ermöglicht nicht nur besser gesicherte Aussagen, sondern erfordert auch einen neuen und sachlicheren Blick auf Schumann.

Read more ...

Mainz, 9. bis 11. Mai 2019

Works, Work Titles, Work Authorities: Perspectives on Introducing a Work Level in RISM

von Chantal Köppl, Mainz

Ein erstes „Ideen-Mapping“ wollte die internationale Tagung sein, zu der die Zentralredaktion des Répertoire International des Sources Musicales (RISM) gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur sowie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) eingeladen hatte. Die derzeit im Pilotprojekt erprobte Implementierung einer Werkebene in RISM gab den Anlass dazu, die Anforderungen an deren Einführung in der Community zur Diskussion zu stellen. MusikwissenschaftlerInnen, BibliothekarInnen sowie WissenschaftlerInnen aus Informationseinrichtungen, Forschungs- und Editionsprojekten aus Europa und Amerika folgten dem Aufruf der RISM Zentralredaktion und stellten an drei Tagen ihre Bedarfe bezüglich eines zu entwickelnden Werknormdatensatzes aus der entsprechenden Arbeitspraxis heraus vor.

Die große Herausforderung der Tagung bestand folglich zunächst darin, eine gemeinsame fach- und institutionsübergreifende Diskussionsgrundlage zu schaffen und gewissermaßen den „Status quo“ der Überlegungen um work authorities in den jeweiligen Disziplinen festzumachen. Dabei brachten die in Themenblöcken gebündelten musik-, bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Beiträge eine beachtliche Bandbreite verschiedener fachspezifischer und institutionell bedingter Interessen, Perspektiven und Herangehensweisen zutage, deren Inhalte mittlerweile auch auf der RISM-Website zum Nachhören bereitstehen.

Read more ...

Goslar, 4. bis 6. April 2019

Erschließen, Forschen, Vermitteln. Musikkulturelles Handeln von Frauen zwischen 1800 und 2000

von Jörg Holzmann, Leipzig

Die internationale Tagung fand unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann und Dr. Nicole K. Strohmann (beide Hannover) in Wöltingerode statt, einem ehemaligen Benediktiner- und dann Zisterzienserinnenkloster. Nach der Begrüßung durch Rode-Breymann bot Nicole K. Strohmann einen Überblick über das von ihr geleitete interdisziplinäre Projekt zum Thema der Tagung und veranschaulichte, wie bei dieser die Projektziele mit drei korrelierenden Themenfeldern verknüpft werden sollten: mit der XML-TEI basierten Tiefenerschließung von historischem Quellenmaterial, der daran anschließenden wissenschaftlichen Auswertung und den Möglichkeiten, die sich bei Einbeziehung der Digital Humanities ergeben, wie etwa der Erstellung digitaler Editionen.

Die erste Sektion befasste sich mit der Thematik der Mobilität. Im eröffnenden Vortrag wies Jochen Oltmer (Osnabrück) gleich eingangs darauf hin, dass Mobilität und Migration bei weitem nicht identisch seien, wenngleich in Deutschland eher eine Art der Integrations- anstelle einer Migrationsforschung betrieben werde, die sich streng genommen nicht mit der Bewegung von Menschen durch verschiedene geographische Räume befasse. Anschließend wurden Arten der Motivation zur räumlichen Veränderung beleuchtet, wobei das Überschreiten staatlicher Grenzen kein Selbstzweck sei, sondern der Erschließung von Handlungsmacht und dem Vermeiden von Gewalt diene, wobei Armut und extreme Gewalt entgegen der landläufigen Meinung Migration eher verhinderten als auslösten. Wichtige Faktoren seien auch überregional verwendbare Ressourcen wie beispielsweise international anerkannte Schulabschlüsse oder funktionale Netzwerke, wie etwa familiäre Anlaufstellen in der Zielregion. Anschließend zeigte Nicole K. Strohmann auf, welche Relevanz die genauere Betrachtung von Mobilität für die musikwissenschaftliche Forschung haben kann. Anhand verschiedener Fallbeispiele, wie etwa dem Briefwechsel zwischen Cosima Wagner und Karl Krauss, beleuchtete sie das Forschungs- und Erkenntnispotenzial der Analysekategorie Mobilität im Sinne einer geografischen und sozialen Konnotation des Begriffs. Von besonderem Interesse sei weiter der Einfluss, den die Bewegung durch verschiedene Räume auf künstlerische Entwicklung und Konstruktion der eigenen Identität habe. Allerdings dürfe sich die Erforschung von Mobilität nicht nur auf die KünstlerInnen erstrecken, sondern müsse auch Musikalien wie Partituren oder Instrumente mit einschließen, da auch zu Proben vorausgeschicktes Notenmaterial oft erhebliche und aufschlussreiche Wege zurücklege.

Read more ...

Wrocław/Breslau, 20. bis 21. März 2019

Tradycje śląskiej kultury muzycznej – Traditions of Silesian Musical Culture

von Gesine Schröder, Leipzig/Wien

Es geschieht selten, dass man im musikalischen Beiprogramm einer Konferenz einen internationalen Star zu hören bekommt. An der Musikakademie „Karol Lipiński” in Breslau trat Agata Zubel auf, Sängerin, Komponistin und Performerin, Absolventin und jetzt Lehrerin an der Akademie. Zuletzt hatte ich sie im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins orchesterbegleitet eine Uraufführung von Hans-Joachim Hespos singen hören, und nun hier: Sie bestritt die gesamte zweite Hälfte des Konzerts, unter anderem mit einem eigenen Stück für Stimme und präpariertes Klavier, dessen Rattern und Tockern sie dem eigenen Gesang und Glucksen hinzugeschrieben hatte. Das Konzert gehörte zur 15. Edition einer Konferenzserie zu Traditionen schlesischer Musikkultur, 1980 von der früheren Breslauer Ordinaria Maria Zduniak ins Leben gerufen; ausgerichtet wird sie in unregelmäßigem, circa anderthalbjährigem Abstand im Wechsel mit Editionen einer Konferenzserie zur musikalischen Analyse. Die Organisatorin ist seit einigen Jahren Anna Granat-Janki, Inhaberin des Lehrstuhls für Musiktheorie und schlesische Musikkultur an der Breslauer Musikakademie. Im Studienjahr 1948/49 war hier der Lehrbetrieb aufgenommen worden, und so wurde mit der diesjährigen Edition, an welcher 22 Rednerinnen und Redner aus Polen, Österreich, Tschechien, der Slowakei, der Ukraine und Deutschland teilnahmen, auch das 70-jährige Bestehen der Musikakademie gefeiert. Dass das Beiprogramm so luxuriös ausfiel, hängt damit zusammen, dass die ausrichtende Fakultät neben Musiktheorie unter anderem das Fachgebiet Komposition umfasst und dass man allem Anschein nach zu einem glücklichen Miteinander der Gebiete gelangt ist. Aus der Kooperation von Lehrenden und Studierenden der Fächer Komposition und Musiktheorie resultiert, dass sich die Breslauer Musiktheorie intensiv der Auseinandersetzung mit Werken widmet, die aus der eigenen Schule hervorgingen. Damit bildet das Musikgeschehen der jüngsten Jahrzehnte einen Schwerpunkt ihrer Forschung. Beispiele dafür waren die Vorträge von Katarzyna Bartos (Kraków / Krakau und Breslau), die ein gleißend orchestriertes symphonisches Reisebild der Breslauer Komponistin Grażyna Pstrokońska-Nawratil (* 1947), ein Souvenir der Messiaen-Schülerin aus Mexiko, als ökologische Musik interpretierte; von Aleksandra Pijarowska (Breslau) über direkte, auf Uraufführungen reagierende Musikkritiken von Werken des Breslauer Komponisten Jan Anton Wichrowski (1942–2017), dessen Liederzyklus nach Gedichten der innovativen und mondänen Maria Pawlikowska-Jasnorzewska im Konzert zu hören war; sowie von Granat-Janki über die Mimesis Breslaus in Kompositionen neuerer in der Stadt ansässiger Komponisten wie in Cesary Duchnowskis (* 1971) 2016 uraufgeführter Symphonie über hundert Brücken mit dem Titel Echa. Der von Breslau herkommenden neueren Klangkunst wandte sich auch die Berichterstatterin zu. Anhand multimedialer Produkte der aus der Breslauer Schule stammenden Komponistinnen Jagoda Szmytka (*1982) und Katarzyna Głowicka (*1977) untersuchte sie, wann solche Produkte die Rede vom Tod des Autors aushebeln, wo das Leben, Fühlen und die Intentionen der Urheberinnen solcher Produkte zu deren Teil werden und daher mit ästhetischem Interesse befragt werden können. Nochmals der jüngeren (polnischen) Geschichte der schlesischen Musikkultur war ein Beitrag von Jolanta Szulakowska-Kulawik (Katowice / Kattowitz) gewidmet. In Kattowitz hatte der im Westen mit seinen Musiken zu Filmen unter anderem Krzysztof Zanussis, Francis Ford Coppolas und Roman Polańskis bekannt gewordene Wojciech Kilar (1932–2013) seit 1950 gelebt. Seine späten religiösen Werke deutete Szulakowska-Kulawik aus der Sicht von Theorien Mieczysław Tomaszewski, des zu Beginn dieses Jahres fast hundertjährig verstorbenen Doyens der neueren polnischen Musikologie, und Charlotte Bühlers, deren Vorstudien zu einer Gerontopsychologie in diesem Kontext fruchtbar gemacht werden konnten.

Read more ...

Bremen, 15. bis 17. Februar 2019

Konservatoriumsausbildung von 1795 bis 1945

von Simon Kannenberg, Hamburg

Das Sophie Drinker Institut „für musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung“ in Bremen wandte sich, wie Institutsleiterin Freia Hoffmann in ihrer Einführung erläuterte, mit dem Tagungsthema einem neuen Forschungsbereich zu, der sich aus der vorangegangenen Arbeit am Instrumentalistinnenlexikon als dringendes Desiderat herausgestellt hatte. Seit 2016 arbeitet das Team an einem auf drei Bände angelegten Handbuch zur Konservatoriumsgeschichte, das 2021 fertiggestellt werden soll.

Die erste Sektion über „Ausbildungskonzeptionen“ wurde von Bernd Clausen (Würzburg) eröffnet, dessen Vortrag „‘Es wird daher Zeit, dass die Konservatorien ihre Lehrpläne revidierenʼ. Wendepunkte institutionalisierter Musiklehrerbildung“ einen Werkstattbericht über seine Forschung an den Wechselwirkungen zwischen Bildungspolitik und den Eigendynamiken von Musikbildungsstätten gab, die er anhand der Statusverschiebung von (Staats‑)Konservatorium zu Musikhochschule im Fall von Würzburg demonstrierte. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Wiedereinführung der Lehramtsausbildung 1973, die wie in der vorangegangenen Geschichte der Institution umstritten war.

Read more ...

Münster, 1. und 2. Februar 2019

International Council for Traditional Music: 26th Symposium and the Assembly of the Germany National Committee

von Dorit Klebe, Berlin       

The Symposium and the Assembly were held by invitation of Ralf Martin Jäger, Director of the DFG-Project „Corpus Musicae Ottomanicae“ (CMO) at the Universität Münster. The topic „Global – digital – medial: Musik in transkulturellen/traditionellen Räumen und Kontexten“ was build up widely and attracted a great circle of scholars and students. The symposium opened with welcoming remarks by the host Ralf Martin Jäger and the Chair Dorit Klebe. The keynote speaker Tiago de Oliveira Pinto dedicated his speech to „Musikalische Transkulturation: ein musikwissenschaftliches Konzept“. In his presentation Ralf Martin Jäger, Director of the CMO, demonstrated the project in regard to concept, content, objectives, distribution of research areas in its current phase.

In seven sessions there were given 23 papers, as well a performance in a hybrid form of concert and critical discussion. The papers outlined different issues of the topic both in a great variety and going into differentiations and detailed various orientations and partly new perspectives.

Read more ...

Rom, 25. und 26. Januar 2019

Italia e Germania. Musicologie allo specchio dalle origini al tempo di internet

von Giuseppina Crescenzo, Frankfurt am Main

Der Kongress fand auf Initiative des Istituto Italiano di Studi Germanici (IISG) in Zusammenarbeit mit der Universität Roma Tre im Rahmen eines von Luca Aversano geleiteten Forschungsprojekts in der Villa Sciarra-Wurts auf dem Gianicolo statt. Aus interdisziplinärer Sicht standen die wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland zur Debatte, aus denen seit den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts die nationalen Musikwissenschaften erwachsen sind. Lehrende und Studierende italienischer und deutscher Universitäten, Musikhochschulen und weiterer Institute zeichneten zum einen geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklungen nach, die zur epistemologischen Verfasstheit der deutschen und italienischen Musikwissenschaft beigetragen haben. Zum anderen bewerteten sie die longue durèe einer entsprechenden, seit dem 18. Jahrhundert bis in unser digitales Zeitalter nachwirkenden Matrix im Kontext des akademischen Fächerkanons.

Nach Begrüßung durch Roberta Ascarelli (Presidentin des IISG) und Luca Aversano als Projektverantwortlichem eröffnete letzterer mit einem Vortrag zum Thema „Le radici germaniche della musicologia italiana: miti e stereotipi“ die von Markus Engelhardt (DHI Rom), geleitete erste Sektion. Aversano illustrierte die Anfänge und die Spezifika des deutschen Einflusses auf die Entwicklung der italienischen Musikforschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei er die Beziehung beider Musikwissenschaften im Lichte eines weitestgehend dialektischen Verhältnisses nationaler Prägungen charakterisierte.

Read more ...

Cookies make it easier for us to provide you with our services. With the usage of our services you permit us to use cookies.