Tagungsberichte | 2018

Würzburg, 13. bis 14. Dezember 2018

A Counterpoint of Music and Text(s): Redefining musico-textual relationships in late medieval repertoires

von Anna Sanda, Wien

Das Forschungsseminar – das von Mikhail Lopatin, einem Humboldt-Stipendiaten am Institut für Musikforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, veranstaltet wurde – widmete sich der französischen und der italienischen Musik des 13. und 14. Jahrhunderts inklusive des weitverbreiteten Motettenrepertoires mit dem Fokus auf dem Verhältnis von Musik und Text. Diese Verbindung wurde von Lopatin programmatisch als eine „kontrapunktische Relation“ bezeichnet und zwar auf zwei Ebenen. Im engeren Sinne hieß es, das semantische Potenzial von Musik und Text als zueinander in kontrapunktischer Beziehung stehend zu betrachten – analog zur Relation zweier Stimmen, die zueinander in Parallel- oder Gegenbewegung verlaufen, einander kreuzen oder abwechseln. Dieser Ausgangspunkt sollte zu einer erweiterten Behandlung eines „musikalisch-textuellen Kontrapunkts“ über verschiedene Gattungen und zeitlich wie geographisch gebundene Aspekte hinaus führen. Im weiteren Sinne sollte die transdisziplinäre Herangehensweise, die ExpertInnen mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten zusammenbrachte, eine Interaktion in der Art eines „kontrapunktischen Dialogs“ bewirken, um ein neuartiges Verständnis der musikalisch-textuellen Beziehungen in der Musik des Spätmittelalters zu entwickeln. Die sieben Beiträge des zweitägigen Seminars umfassten eine große Bandbreite sowohl der Methoden als auch des untersuchten Repertoires und präsentierten sieben unterschiedliche Herangehensweisen in unmittelbarer Verbindung zum gegebenen Programm.

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Mainz, 6. bis 8. Dezember 2018

Kontakt und Transfer in der Musikkultur des 5.-12. Jahrhunderts n.Chr. zwischen Byzanz und dem lateinischen Westen. Wirkung und Rezeption musikalischer Traditionen

von Yehuda Epafroditus, Rodney Fuchs, Katrin Gessinger, Jonas Isufaj, Anna Lahusen und Johanna Thöne, Mainz

Die Tagung fand in Kooperation der Abteilung Musikwissenschaft der JGU Mainz und des Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz „Byzanz zwischen Orient und Okzident“ (verortet am Römisch-Germanischen Zentralmuseum) statt, der eine Plattform für interdisziplinäre Byzanzforschung bieten möchte. Klaus Pietschmann (Musikwissenschaft Mainz) und Susanne Rühling (Leibniz-WissenschaftsCampus) gaben am Donnerstagabend eine Einführung in das zweitägige Programm. Die Tagung bildete den Abschluss des Projektes Die Musizierpraxis zwischen profanem und sakralem Gebrauch im westlichen Europa und Byzanz statt, das über vier Jahre lief und Feldforschung mit Publikationen und Veranstaltungen vereinte. Ziel war es, kulturelle Transferprozesse und Verbindungen zwischen Byzanz und dem Abendland anhand der Musikkultur zu zeigen, wobei der Fokus auf Musikinstrumenten lag.

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Tübingen, 7. bis 9. Juni 2018

Čajkovskij-Analysen – neue Strategien, Methoden und Perspektiven

von Esther Kreitschik, Hamburg

Im Mittelpunkt der anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Tschaikowsky-Gesellschaft e.V. veranstalteten internationale Tagung stand die musikalische Analyse der Werke des russischen Komponisten. An drei Tagen präsentierten die Teilnehmer neue Perspektiven, Erkenntnisse und Ansätze in der Auseinandersetzung mit Čajkovskijs musikalischem Schaffen. Inhaltlich widmete sich das Symposium dabei vier verschiedenen Schwerpunkten: Čajkovskijs Symphonik, seinen Opern, seiner Ballett- und Programmmusik sowie seinem Schaffen unter biographischen Aspekten.

Den Auftakt zur Tagung bildete die Sektion zur Symphonik. Stefan Keym (Toulouse) widmete sich in seinem Eröffnungsvortrag den Tempodramaturgien in Čajkovskijs symphonischem Schaffen. Daniil Petrov (Moskau) nahm anschließend den Aufbau des symphonischen Zyklus in den Blick. Eine detaillierte, im Anschluss intensiv diskutierte Analyse des motivisch-thematischen Materials in Čajkovskijs 4. Symphonie lieferte Svein Hundsnes (Stavanger). Christoph Flamm (Lübeck) sowie Heinz von Loesch (Berlin) beleuchteten in ihren Beiträgen jeweils verschiedene Aspekte der 5. Symphonie. Diskutiert wurden im Anschluss an die Vorträge auch immer wieder Fragen der Definition und Abgrenzung von Themen und des motivisch-thematischen Materials. Zentral waren auch der Aspekt der Substanzgemeinschaft und die Frage, inwieweit sich damit die kompositorische Arbeit in Čajkovskijs symphonischem Schaffen erfassen und beschreiben lässt. Gerade die kompositorische Entwicklung im Bereich der Symphonik (und auch darüber hinaus) bietet noch viel Raum für musikwissenschaftliche Forschung und analytische Untersuchungen der Werke des Komponisten.

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Kranichstein, 30. November bis 2. Dezember 2018

Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667-1739) – Sänger, Tänzer, Komponist. Regentschaft und künstlerische Ambition im 18. Jahrhundert

von Silvia Uhlemann, Mainz

Die Grundlagenforschung der Kulturwissenschaften besteht im Studium historischer Originalquellen in Archiven und Bibliotheken. In diesem Sinne war die Tagung zur aktiven künstlerischen, insbesondere musikalischen Betätigung von Landesfürsten und des Hofadels insgesamt im Zeitalter des Barock eine eindrucksvolle Präsentation lebendiger und ertragreicher Forschung. Dass diese gerade in der Musikwissenschaft, deren zentraler Forschungsgegenstand die ohne Erklingen nie vollständig aussagekräftige Notenschrift ist, noch zwingender als in anderen Disziplinen Bereicherung erfährt, ja erfahren muss durch interdisziplinäre Blicke beispielsweise in die Sozial- oder Kunstgeschichte, konnte man in dem differenziert zusammengesetzten Referentenkreis aus Musikwissenschaftlern, Historikern, Archivaren und ausübenden Künstlern intensiv erleben.

Durchgeführt wurde die internationale Tagung als Kooperation der Abteilung Musikwissenschaft (IKM) der Johannes Gutenberg-Universität und der Musikhochschule Mainz in Verbindung mit der Christoph-Graupner-Gesellschaft Darmstadt und der Stiftung Jagdschloss Kranichstein. In drei thematischen Blöcken näherten sich die Vortragenden Landgraf Ernst Ludwigs aktiver musikalischer und tänzerischer Betätigung, bezeugt durch zwei zentrale handschriftliche Quellen in der historischen Musiksammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, aus verschiedenen kulturhistorischen Blickwinkeln an.

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Graz, 23. und 24. November 2018

Opera as Institution: Networks and Professions (1700-1914)

von Sara Kebe (Graz)

Die internationale Konferenz, die vom Institut für Musikwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg veranstaltet wurde, befasste sich sowohl mit dem Geschehen auf den Opernbühnen Europas als auch hinter den Kulissen im 18. und langen 19. Jahrhundert. Um neueste Ergebnisse aus der Forschung zu präsentieren und diskutieren, trafen sich Vortragende aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden und Tschechien.

Eröffnet wurde die Konferenz durch den Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung der Karl-Franzens-Universität Graz, Peter Scherrer. Danach standen die italienische und französische Oper des 18. und 19. Jahrhunderts auf dem Programm. Den Eröffnungsvortrag hielt Suzanne Aspden (Oxford), die über Kosmopolitismus in London im 18. Jahrhundert referierte. Aspden beschäftigte sich vorwiegend mit der Frage, ob und inwiefern die eher abweisende Einstellung der Briten gegenüber der italienischen Oper die ganze britische Operninstitution prägte. Judit Zsovár (Wien) ging in ihrem Vortrag „Farinella at the Vienesse Kärtnertortheater, 1730-1732“ ausführlich auf die Karriere der Sängerin Maria Camati ein, die den Künstlernamen „Farinella“ trug. Aufgrund der gesungenen Rollen, die äußerst unterschiedlich waren, und ihres virtuosen Koloraturgesangs gehörte Farinella zu den gefragten Sängerinnen ihrer Zeit. Daniel Brandenburg (Salzburg) erläuterte, wie Netzwerke und die Kommunikation zwischen den „Operisti“, den Sängerinnen und Sängern der italienischen Oper, im 18. Jahrhundert aus deren Sicht funktionierten. Anhand der Korrespondenz zwischen Franz und Marianne Pirker, die als Künstlerehepaar europaweit tätig waren, wurden wesentliche Komponenten beleuchtet, die für eine erfolgreiche Opernproduktion wichtig waren.

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Barcelona, 14. bis 17. November 2018

Cererols: Noves perspectives

von Isolde Deleyto Rösner, Salzburg

Anlässlich des 400. Geburtstages des katalanischen Barock-Komponisten Joan Cererols (1618-1680) veranstaltete die Societat Catalana de Musicologia einen dreitägigen Kongress. Nicht nur die Werke des Komponisten selbst waren Thema, sondern auch die Instrumentation und Aufführungspraxis im Katalonien seiner Zeit, der bisherige musikwissenschaftliche Forschungsstand, das soziale und gesellschaftliche Umfeld Cererols und einiges mehr. Nach einleitenden Grußworten durch den Koordinator des Kongresses und Dozenten an der Universitat Autònoma de Barcelona, Jordi Rifé i Santaló, und von Emili Ros-Fàbregas, Mitarbeiter des CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), eröffnete der Beitrag „Joan Cererols (1618–1680) – 2018: Estat de la qüestió“ von Aura Porta den Kongress. Sie gab darüber Auskunft, inwieweit das Œuvre Cererols bisher erforscht wurde und welchen Stellenwert der katalanische Komponist in der Musikgeschichte seiner Heimat und Europas hat. Dabei präsentierte sie eine Vielzahl an erschienenen Publikationen über das Werk von Cererols und beschrieb potentielle Forschungsvorhaben zu dem Kapellmeister aus Montserrat, die in den nächsten Jahren vor allem von katalanischen Musikwissenschaftlern verwirklicht werden sollten.

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Dresden, 14. November 2018

Ein Tag für Erwin Schulhoff – vor 100 Jahren in Dresden. „Überdada, Componist und Expressionist“

von Vitus Froesch, Dresden

Vielgestaltig, abwechslungsreich und tiefgründig widmeten sich insgesamt neun Referentinnen und Referenten dem Komponisten und Pianisten Erwin Schulhoff (1894–1942). Veranstaltungsort war die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden, deren Institut für Musikwissenschaft das Symposion ausrichtete. Anlass war die Tatsache, dass der aus Prag stammende Schulhoff vor einem Jahrhundert, von Januar 1919 bis Herbst 1920, in der Elbestadt lebte. Ernüchtert von den Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges, hatte Schulhoff hier Anschluss an einen Kreis von Künstlern gefunden, die sich – wie er – einer innovativen, umstürzlerischen Ausrichtung verschrieben hatten. Die äußerst produktiven Dresdner Jahre Schulhoffs, in denen er Konzerte veranstaltete, vielfältig komponierte, zudem Kontakt mit Arnold Schönberg in Wien und George Grosz in Berlin aufnahm, bildeten den Beginn seiner Auseinandersetzung mit verschiedenen Zeitströmungen (Expressionismus, Dadaismus, Jazz, Neue Sachlichkeit und Neoklassizismus). So bestand die Möglichkeit, während der Tagung einen Musiker kennenzulernen, der zu den schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte, während des Nationalsozialismus verfemt war, in einem bayerischen Internierungslager starb und in den 1990er Jahren wiederentdeckt wurde.

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Bonn und Köln, 8. bis 10. November 2018

Beethoven und Rossini in ihrer Epoche

von Jürgen May, Bonn

Ludwig van Beethoven und Gioachino Rossini, zwei Komponisten, die das Musikleben ihrer Zeit auf jeweils eigene Weise geprägt haben, waren Gegenstand eines dreitägigen Symposiums, das das Beethoven-Haus Bonn und die Hochschule für Musik und Theater Köln anlässlich des 150. Todesjahres Rossinis in Bonn und Köln veranstalteten. Eine nationalistisch geprägte deutsche Musik-Historiographie – dies wurde in den einführenden Worten der jeweiligen wissenschaftlichen Leiter*innen der beiden Institutionen, Christine Siegert und Arnold Jacobshagen, deutlich –brachte Rossini und Beethoven gegeneinander in Stellung und stilisierte dabei das vermeintlich Charakteristische ihrer persönlichen Stile zu Kristallisationspunkten nationaler Identität. Dies prägte die Wahrnehmung des Verhältnisses zwischen den beiden Zeitgenossen bis in die jüngere Zeit, abzulesen nicht zuletzt an Carl Dahlhaus’ wirkmächtigem Begriff des „Stildualismus“, auf den im Verlauf der Tagung denn auch immer wieder kritisch rekurriert wurde. Es lag demnach auf der Hand, beide Künstlerpersönlichkeiten und ihre Musik im Kontext ihrer Zeit neu zu beleuchten und dabei verbreitete Klischees und Stereotypen zu hinterfragen. Denn anders als später im 19. Jahrhundert propagiert, wurden Beethoven und Rossini von zeitgenössischen Rezipienten nicht durchgängig als Gegenpole wahrgenommen, sondern vielmehr als zwar unterschiedliche, doch sich ergänzende Ausprägungen der Epoche, was sich noch im „Die Epoche Beethovens und Rossinis“ überschriebenen Kapitel in Raphael Georg Kiesewetters 1834 erschienener Geschichte der europäisch-abendländischen oder unserer heutigen Musik niederschlug.

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Bern, 2. und 3. November 2018

Richard Wagner und seine Nachfolger in der zentraleuropäischen Dirigiertradition

von Christoph Moor, Bern

Richard Wagner veröffentlichte die Schrift Über das Dirigieren, die erste bedeutende Abhandlung über das Dirigieren und Interpretieren, 1869 in der Neuen Zeitschrift für Musik in Leipzig. Seine Ansätze, wie das klassische und frühromantische Orchesterrepertoire zu interpretieren sei, avancierten zum Maßstab für die nachfolgenden Generationen von Dirigierenden. Wie aus einer unsystematischen und politisch problematischen Schrift eine Dirigiertradition erwachsen konnte, die bis in unsere Gegenwart einflussreich blieb, war Gegenstand des Symposiums der Hochschule der Künste Bern in Kooperation mit der Royal Academy of Music.

Chris Walton (Bern) beleuchtete die Umstände der Entstehung dieser Schrift, die geprägt ist von einer antisemitisch gefärbten und intellektualisierten Sprache, die indes die Willkür, die Planlosigkeit und die Unsicherheit ihres Verfassers nicht zu kaschieren vermag. Dennoch zählt das Traktat zum Einflussreichsten, was je über das Dirigieren geschrieben wurde, und kein Autor, der sich mit diesem Thema befasst, kommt darum herum, sich auf Wagner zu beziehen. Die Gedanken und Erkenntnisse Wagners gehen nicht zuletzt auf seine praktische Arbeit mit dem Orchester der Allgemeinen Musikgesellschaft in Zürich ab 1850 zurück. In der dortigen Zentralbibliothek finden sich noch heute die Orchesterstimmen, die Wagner für seine Aufführung von Wolfgang Amadé Mozarts Jupiter-Sinfonie (KV 551) annotieren ließ. Christoph Moor (Bern) zeigte auf, welche Rückschlüsse auf interpretatorische und pädagogische Ansätze sich aus den Eintragungen des Stimmenmaterials ziehen lassen und wo die Interpretationsforschung mit Blick auf diese Quelle an ihre Grenzen stößt.

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Mainz, 4. bis 6. Oktober 2018

Music as Reference in Mobility Contexts: Operatic Pasticcios in 18th Century Europe

von Maik Köster, Köln/Mainz

Bei der von Gesa zur Nieden und Berthold Over an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz organisierten Veranstaltung handelte es sich um die erste Tagung des von DFG und NCN geförderten Forschungsprojekts Pasticcio. Ways of Arranging Attractive Operas der Universitäten Mainz und Warschau, das unter verschiedenen Blickwinkeln Arbeitsweisen, Musiktransfers, Ästhetiken und Praktiken in Opernpasticci untersucht und vier Partituren zu zwei Themenkomplexen ediert. In der Begrüßung umrissen Aneta Markuszewska, zur Nieden und Over als Anliegen der Tagung die Auseinandersetzung mit der vernachlässigten Gattung des Opernpasticcios und die Würdigung von dessen Bedeutung für breitere kulturhistorische Themen des 18. Jahrhunderts, die Aspekte wie Autorschaft und Mobilität umfassen und Berührungspunkte zu anderen Kunstformen zulassen.

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Tübingen, 1. bis 3. Oktober 2018

Bach bearbeitet: vor Bach – Bach und seine Zeit – nach Bach

von Elke Steinhauser und David Waldbaur, Tübingen

Anlässlich des 93. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft in Tübingen fand am Musikwissenschaftlichen Institut der Eberhard Karls Universität ein internationales Symposium statt, das sich der Bearbeitungspraxis vor, während und nach Johann Sebastian Bachs Lebenszeit widmete. Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung (Leitung Bachfest) sowie Christina Richter-Ibáñez und Thomas Schipperges (Tübingen) als Tagungskoordinatoren begrüßten dazu Bachforscherinnen und Bachforscher aus dem In- und Ausland. Die Tagung wurde von der DFG gefördert.

Vor Bach: In Uwe Wolfs (Stuttgart) Vortrag „Historische Aufführungspraxis? Bachs Einrichtungen älterer Musik“ stand die Frage im Mittelpunkt, ob Bach in seinen Bearbeitungen älterer Komponisten für die Aufführung in Leipzig bewusst die altertümliche Besetzung mit Zinken und Posaunen wählte oder vielmehr einer allgemeinen Tradition folgte. Vor diesem Hintergrund betrachtete Wolf die örtlich unterschiedliche Palestrina-Rezeption der Zeit sowie die Rolle der Zinken- und Posaunengruppe in Leipzig bei Bachs Vorgängern. Wolf kam zu dem Schluss, dass Bach trotz bereits existierender Praxis anderorts durchaus eine bewusst historisierende Absicht unterstellt werden könne.

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Greifswald, 20. und 21. September 2018

Neue Ansätze zur Skizzenforschung für die Musik des langen 19. Jahrhunderts

von Susanne Cox, Bonn

Mit der Absicht, neue Diskussionen über die Ziele und Methoden der musikalischen Skizzenforschung anzuregen, hatten Stefanie Acquavella-Rauch und Birger Petersen eine Tagung zum 19. Jahrhundert am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald initiiert. Die Betrachtung der Skizzenforschung aus verschiedenen Perspektiven, etwa der Schriftbildlichkeit oder der digitalen Musikedition, sollte neue methodische Zugangsweisen eröffnen.

Den Auftakt machte Acquavella-Rauch mit ihrem Abendvortrag „Von romantischer Ironie zu ernsthafter Realität. Narrative von Inspiration und Schaffensprozessen“, in dem sie die Erzählung Ritter Gluck (1809) von E.T.A. Hoffmann dem 1962 erschienenen Buch Gespräche mit berühmten Komponisten: Über die Entstehung ihrer unsterblichen Meisterwerke, Inspiration und Genius von Arthur M. Abell gegenüberstellte und damit zwei Möglichkeiten des Erzählens über Schaffensprozesse von Komponisten verglich. Nach diesem Vortrag, der allgemein in das Thema von Kompositionsprozessen einführte, war die weitere Tagung in drei thematische Felder unterteilt. Der erste Komplex beschäftigte sich mit dem musikwissenschaftlich noch wenig erforschten Thema der Schriftbildlichkeit, da unterschiedliche Schriftbilder Zeugnisse verschiedener Arbeitsweisen darstellen können. Julia Ronge stellte in ihrem Referat zur Schriftbildlichkeit bei Ludwig van Beethoven dar, wie sich dessen Skizzierungsweise im Laufe seines Lebens verändert hat. Dabei zeigte sie, welchen Einfluss der Kompositionsunterricht bei Haydn auf die Art der Skizzierung hatte und wie Beethoven in späteren Schaffensphasen den verfügbaren Schreibraum systematisch nutzte und graphisch klar unterscheidbare Abschnitte herstellte, um die Seite übersichtlicher zu gestalten.

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Mainz, 10. bis 15. September 2018

Ancient Narratives and Histories in C. W. Gluck’s Operas

von Mikhail Kuchersky, Essen/Wien

Die III. Interdisciplinary Summer School of Musicology and Ancient Studies Mainz wurde von der Abteilung Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz veranstaltet, in Kooperation mit der Christoph Willibald Gluck-Gesamtausgabe, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur und dem Institut für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Unter der Leitung von Stefanie Acquavella-Rauch verfolgte die Summer School einen interdisziplinären Ansatz, um sich der Beschäftigung mit Sujets und Narrativen in Christoph Willibald Glucks Opern aus einem erweiterten Blickwinkel und mit neuen Methoden nähern zu können. Dementsprechend richtete sich die Ausschreibung an Musikwissenschaftler*innen und Altertumswissenschaftler*innen im fortgeschrittenen Stadium ihrer Ausbildung oder in der Promotionsphase, die durch ihre Teilnahme auch ECTS-Punkte erwerben konnten. Ferner wurden die Dozent*innen ebenfalls nach interdisziplinären Gesichtspunkten angesprochen: Neben zwei Musikwissenschaftler*innen (Acquavella-Rauch, Stephan Summers) konnten Annemarie Ambühl (Klassische Philologie), Klaus Junker (Klassische Archäologie), Doris Prechel (Altorientalische Philologie) und Bastian Reitze (Klassische Philologie) als Lehrende gewonnen werden.

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Münster, 28. bis 30. Juni 2018

Religiöse Friedensmusik von der Antike bis zur Gegenwart

von Michael Werthmann, Münster

Die Tagung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ reihte sich in eine Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen aus Anlass des 370-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens ein. Bei dem dreitägigen Symposium wurden in chronologischer Reihenfolge verschiedene Aspekte religiös motivierter Musik zum Thema Frieden in den verschiedenen Epochen unter die Lupe genommen. Dabei widmeten sich die Vorträge mehrheitlich der europäischen Musikgeschichte, andere Kulturen und Religionen kamen aber ebenfalls zur Sprache. So betonte Dominik Höink (Essen/Münster), der Organisator der Tagung, in seiner Einführung auch das breite Themenspektrum sowie die vielfältigen Herangehensweisen der einzelnen Vorträge – kurzum ein offenes Verständnis des Begriffs „Friedensmusik“. In einem Grußwort demonstrierte Ulrich Grimpe (Münster) die lokale Bedeutung von Friedensmusik für den Tagungsort Münster und nannte etwa den Dankgottesdienst im St.-Paulus-Dom aus Anlass des Westfälischen Friedens im Jahr 1648 oder die 1966 ebendort uraufgeführte Lukas-Passion Krzysztof Pendereckis.

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Salzburg, 28. bis 30. Juni 2018

LASTING IMPRESSIONS: Music and Material Cultures of Print in Early Modern Europe

von Andrea Lindmayr-Brandl, Salzburg

Im Rahmen des Forschungsprojekts Music printing in German-speaking lands: From the 1470s to the mid-16th century fand an der Universität Salzburg eine internationale Fachtagung zum Thema Notendruck statt. Thematisch knüpfte die Veranstaltung, die von der Projektleiterin Andrea Lindmayr-Brandl und den Projektmitarbeitern Grantley McDonald und Moritz Kelber organisiert wurde, an die Konferenz GOOD IMPRESSIONS: The First Century of Music Printing and Publishing an, die im Jahr 2015 an gleicher Stelle stattfand. Neben Vorträgen zu Quellentypen, zur Medialität und Materialität von Musikdrucken, zu transnationalen Netzwerken sowie zu Repertoire- und Rezeptionsfragen stand auch ein Besuch in einer Salzburger Druckwerkstatt und ein Gesprächskonzert mit dem Vokalensemble Stimmwerck auf dem Programm der Tagung.

Eröffnet wurde sie von der Projektleiterin und von Walter Berka, der die Anwesenden im Namen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften begrüßte. In dem sich daran anschließenden Eröffnungsvortrag gab Lindmayr-Brandl einen Überblick über das Druckwesen im deutschsprachigen Raum Anfang des 16. Jahrhunderts: Die Beschäftigung mit dem frühen Musikdruck habe durch den Perspektivenwechsel – weg vom Komponisten, hin zum Objekt – „lasting impressions“ hinterlassen und zu einem allgemeinen Interesse an materiellen Kulturen geführt.

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Freiburg, 20. bis 21. Juni 2018

Musik und Raumwahrnehmung

von Ulrike Brinkmann und Nadja Schmitz-Arenst, Freiburg

Der Workshop ging auf die Initiative des Teilprojekts „Muße und musikalische Immersionserlebnisse“ (Leitung: Dr. Anne Holzmüller) des DFG-Sonderforschungsbereichs 1015 „Muße“ zurück. Er fand am Musikwissenschaftlichen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Verbindung mit der Musikhochschule Freiburg statt, gefördert durch das Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Im Mittelpunkt standen Fragen nach den verschiedenen Wahrnehmungsebenen, auf denen die Kategorie des Raumes beim Hören und Erleben von Musik eine Rolle spielt, sowie das Problem, wie sich die Formen musikalischer Raumwahrnehmung methodisch erschließen lassen. Ein Fokus lag dabei auf der musikalischen Analyse und wie diese im Hinblick auf musikalische Raumwahrnehmung produktiv gemacht werden kann. In ihren Beiträgen stellten die Referentinnen und Referenten verschiedene Ansätze anhand konkreter Beispiele im historischen Querschnitt von Dufay bis Grisey vor.

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Rom, 6. bis 8. Juni 2018

„Man müsste nach Rom gehen“. Bernd Alois Zimmermann und Italien

von David Brößner, Heidelberg

Der Kongress, in den auch zwei Konzerte und verschiedene Gesprächsformate integriert waren, wurde veranstaltet von der Bernd Alois Zimmermann-Gesamtausgabe in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut in Rom sowie der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, dem Studio MIRAGE der Universität Udine und der musikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Roma IIIa. Anlässlich des 100. Geburtstags von Bernd Alois Zimmermann (1918–1970) standen erstmals umfassend und unter verschiedenen Perspektiven die Aufenthalte des Komponisten in Italien und hier vor allem seine Arbeitsaufenthalte in der Villa Massimo im Fokus, deren erster Kompositionsstipendiat Zimmermann in den 1950er Jahren war. So widmeten sich die verschiedenen Vorträge sowohl den institutionellen Rahmenbedingungen von Künstlermobilität im Europa der Nachkriegszeit – und hier insbesondere dem besonderen Arbeitsumfeld, das die Villa Massimo Zimmermann immer wieder zur Verfügung stellen konnte –, als auch den Auswirkungen des kulturellen Austauschs auf Zimmermanns Komponieren. Die Vernetzung mit italienischen Künstlern sowie Zimmermanns Einfluss auf die Entwicklungen des italienischen experimentellen Musiktheaters wurden durch weitere Beiträge thematisiert. In einem eigenen Panel kamen schließlich die Möglichkeiten und Probleme zur Sprache, die mit der Edition elektroakustischer Musik verbunden sind.

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Erfurt, 1. und 2. Juni 2018

Gaspare Spontini und die Oper in Berlin: Zwischen Integration und Isolation

von Jasmin Seib, Mainz

Die Tagung fand anlässlich der Premiere von Gaspare Spontinis Oper Agnes von Hohenstaufen am Theater Erfurt in Kooperation mit der Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Nach der Begrüßung durch den Intendanten Guy Montavon und Fabian Kolb (Mainz) eröffnete der Beitrag „Betrachtung des Berliner Opernlebens auf der Bühne und im Konzert (1810-1830)“ von Jasmin Seib (Mainz) das Symposion. Hier standen die vielen Faktoren, die die Spielplanstruktur der Berliner Bühnen beeinflussten, und Spontinis Rolle als Generalmusikdirektor im Vordergrund. Gleichzeitig gab Seib einen Überblick über das Berliner Repertoire, die Rolle von Opernstücken im Konzert sowie über Favoritopern und Favoritstücke.

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Halle (Saale), 28. und 29. Mai 2018

Musikalische Migrationsbewegungen. Musik und Musiker aus der Fremde 1650–1750

von Jörg Holzmann, Leipzig

Das Motto der Händel-Festspiele 2018 „Fremde Welten“ wurde in der Wissenschaftlichen Konferenz in zwei Richtungen entfaltet: In 14 Referaten widmeten sich Forscherinnen und Forscher aus den USA, Großbritannien, Kroatien, Griechenland und Deutschland zum einen der Frage, wie sich Musiker als innereuropäische Migranten in der Fremde orientierten, zum anderen der Manifestation außereuropäischer Fremderfahrungen in der heimatlichen Kunstproduktion. John Mainwarings Heldenerzählung von einem Musiker, dem an allen seinen Wirkungsstätten sofort und umstandslos die Menschen zu Füßen lagen, verdeckt bis heute die Tatsache, dass Händel sich über seine gesamte Karriere hinweg als Fremder mit Phänomenen der sprachlichen, religiösen, politischen, kulturellen und ästhetischen Alterität auseinandersetzen, sich in fremden Umfeldern bewähren und um eine Vermittlung zwischen dem Eigenen, das er mitbrachte, und dem Fremden, mit dem er konfrontiert wurde, bemühen musste. Diese Herausforderung teilte er mit vielen seiner europäischen Zeitgenossen. Dass die Wahrnehmung des Fremden und seine assimilierende Verwandlung ins Eigene nicht nur eine innereuropäische Problematik darstellten, sondern auch das Verhältnis Europas zu den außereuropäischen, „exotischen“ Kulturen betrafen, lässt sich auch am Werk Händels ablesen.

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Zürich, 25. und 26. Mai 2018

Zürich, 25. und 26. Mai 2018

Die ungeliebte Kunst? Musik und Reformation in Zürich

von Esma Cerkovnik, Zürich

Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Zürcher Reformation, die zwischen Ende 2017 und Anfang 2019 mit verschiedenen Veranstaltungen begangen werden, waren zwei Tage auch der Rolle der Musik gewidmet. Sie boten ein Symposium, ein Wandelkonzert sowie einen um vokale und instrumentale Interludien angereicherten Orgelspaziergang. Gastgeber waren das Musikwissenschaftliche Institut der Universität und das Forum Alte Musik Zürich.

Nach einer Begrüßung durch den Institutsdirektor Laurenz Lütteken gab Tagungsorganisator Michael Meyer einen konzisen Überblick der Zusammenhänge zwischen Musik und Reformation in Zürich und eine kurze Skizze der Konzeption der Tagung. Ausgehend von der Reformationszeit war sie als chronologischer Streifzug durch die Geschichte der Musikauffassung und -praxis im reformierten Zürich bis ins ausgehende 19. Jahrhundert angelegt. Auf diese Weise wurde ein Bogen gespannt, der sich vom Verbot liturgischer Musik bis zu deren Wiedereinführung erstreckte. In ihrem eröffnenden Beitrag mit dem Titel Kein „geschrey vor den Menschen“? – Reformatorische und humanistische Musikauffassungen in Zürich und Basel bot Inga Mai Groote (Zürich) einen Einblick in die Gedankenwelt Zwinglis, seiner Zeitgenossen und Nachfolger in Zürich und Basel und plädierte entgegen dem Klischee von der ‚ungeliebten Kunst‘ für eine differenzierte Sicht, und zwar auch anhand bisher kaum oder wenig beachteter Quellen für die gelehrt-humanistische Auseinandersetzung mit Musik. Ein Versuch einer Neuinterpretation der Bedeutung der Musik bei Zwingli wurde sodann im Beitrag Der Gesang des Herzens – die mystischen Wurzeln des evangelisch-reformierten Gottesdienstverständnisses von Therese Bruggisser-Lanker (Zürich) unternommen, und zwar mit Verweis auf den spezifischen Kontext der mystischen Tradition etwa Heinrich Seuses.

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Wien, 25. und 26. Mai 2018

Französische Oper in Wien um 1800

von Konstantin Hirschmann, Wien

Ein Dreigespann – der Forschungsschwerpunkt Interpretation der Hochschule der Künste Bern (Martin Skamletz) in Zusammenarbeit mit den musikwissenschaftlichen Instituten der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Klaus Pietschman) und der Universität Wien (Michele Calella) – widmete eine in der Österreichischen Gesellschaft für Musik veranstaltete Tagung der „Französischen Oper in Wien um 1800“. Diese gelangte in zwei Wellen von der Seine an die Donau – zunächst in den 1790er Jahren und dann nochmals am Anfang des 19. Jahrhunderts, in einer durch den Frieden von Lunéville (1801) und die erste französische Besatzung Wiens (1805/6) geprägten Periode, in welcher die Hoftheater und das neueröffnete Theater an der Wien mit Importen aus Frankreich um die Gunst des Publikums buhlten.

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Hamburg, 24. bis 27. Mai 2018

Aufklärung! Musik und Geschlecht im 18. Jahrhundert

von Jonas Spieker, Detmold/Paderborn

Unter dem Titel „Aufklärung! Musik und Geschlecht im 18. Jahrhundert“ veranstaltete die Fachgruppe Frauen- und Genderstudien der Gesellschaft für Musikforschung ein internationales Symposium am Institut für Historische Musikwissenschaft der Universität Hamburg. Die Tagung widmete sich einem Themenfeld, das in der deutschsprachigen Genderforschung bisher weniger prominent vertreten ist. Aus diesem Grund bot das Programm ganz bewusst eine große inhaltliche Bandbreite – „Aufklärung!“ wollte sich somit auch als Aufforderung zur Vernetzung verstanden wissen, wie die Initiatorinnen der Tagung, Katharina Hottmann (Hamburg) und Cornelia Bartsch (Oldenburg), in ihrer Begrüßung betonten.

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Mainz, 26. bis 30. April 2018

(Re-)Constructing Renaissance Music – Perspectives from the Digital Humanities and Music Theory (troja 2018)

von Simone Studinger, Mainz

Mit der Frage, welche neuen Möglichkeiten und Erkenntnisse sich mit Hilfe computergestützter Forschung erzielen lassen, befasste sich in Bezug auf die Renaissance-Musik die diesjährige troja-Tagung (http://www.troja-online.eu), die ausnahmsweise zweiteilig vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität und der Mainzer Hochschule für Musik in Kooperation mit dem Max-Plank-Institut für empirische Ästhetik durchgeführt wurde.

Nach der Begrüßung und Einführung durch die Tagungsorganisatoren Klaus Pietschmann und Laurent Pugin hielt Richard Freedman (Haverford) am Donnerstagabend den Eröffnungsvortrag, der verdeutlichte, dass die Verwendung digitaler Methoden einen enormen Erkenntnisgewinn bedeuten kann, allerdings auch, dass die Maschine nicht ohne den Menschen dazu im Stande ist. Unter den drei Schwerpunkten Notation, Lesarten und Zitation umriss Freedman gängige Techniken, ihren Nutzen und etliche konkrete Projekte. Einige von diesen wurden am folgenden Tag genauer vorgestellt.

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Boulder (Colorado), 19. bis 22. April 2018

26th Annual Conference of the Society for Seventeenth-Century Music

von Nastasia Sophie Tietze, Weimar/Jena

Für den 26. Kongress der Society lud Robert Shay vom College of Music der University of Colorado nach Boulder ein. Einen Schwerpunkt bildeten je zwei Panels zu den Themen „English Anxieties“, „Spectacles of the Other“ und „Cosmopolitan Courts“, wobei sich das Programm durch einen hohen Anteil an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auszeichnete.

Linda Austern (Northwestern University) eröffnete den Kongress im Panel „English Anxieties“ und hinterfragte in einem quellenreichen Vortrag die Funktion und Position des Hörens in der Körper-Geist Dialektik, wie sie im theologischen, physikalischen, moralphilosophischen und gesellschaftspolitischen Diskurs im frühneuzeitlichen England artikuliert wurde. Sie stellte dabei heraus, inwiefern die Auffassung des Ohrs als Sinnesorgan der Verletzlichkeit und Verführbarkeit mit der Konnotation von Musik als gefährlicher, verdorbener Kunst verknüpft ist. Daran schloss sich der Vortrag „,My sweet child and wife‘: Buckingham, James I., and Homoeroticism in the English Anthem and Madrigal“ von Jeremy L. Smith und Jordan Hugh Sam an (University of Colorado, Boulder). Die Referenten deuteten Thomas Vautors First set of Ayres (1619) aus der Warte seiner homoerotischen Anspielungen und bezogen diese auf die mutmaßliche Affäre zwischen König Jakob I. und dem Herzog von Buckingham. K. Dawn Grapes (Colorado State University) widmete sich in einem Close-Reading den Funeral Teares, einem 1606 erschienenen außergewöhnlichen Zeugnis von Memorialkultur. Die materielle, inhaltliche und künstlerische Konzeption der Sammlung von Klagegedichten und Lamentationes ließ erkennen, wie der Komponist und Dichter John Coprario einem gesellschaftlich geächteten Aristokraten Tribut zollte. Im letzten Beitrag dieses Panels untersuchte Nicholas Smolenski (Duke University) Thomas Tomkins‘ Music Deo sacra – einerseits in der ursprünglichen Form, wie sie der Komponist in den 1630er Jahren zusammenstellte, andererseits in der postumen Publikation von 1668 – als ein Fallbeispiel für musikalische Propaganda während der Restaurationszeit.

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Köln, 5. bis 7. April 2018

Bernd Alois Zimmermann 100 Jahre – Komponieren im Schnittpunkt der Medien

von Andreas Dorfner, Detmold

Anlässlich des einhundertsten Geburtstags des Komponisten Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) veranstaltete die Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln ein Symposium. Die Konzeption lag in den Händen von Rainer Nonnemann (HfMT Köln) und Ralph Paland (BAZG).

Im Eröffnungsvortrag beleuchtete Dörte Schmidt, Projektleiterin der 2016 gegründeten Bernd Alois Zimmermann- Gesamtausgabe, die vielschichtigen Gründe einer medialen Überschreitung in Zimmermanns Œuvre, um sich anschließend der Umsetzung der medialen Werkbestandteile, etwa der Zuspielbänder in der Oper Die Soldaten, durch die gegenwärtige Aufführungspraxis zuzuwenden.

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Bonn, 1. bis 3. März 2018

„Beethovens Vermächtnis“. Mit Beethoven im Exil

von Christina Richter-Ibáñez, Tübingen

Das Bonner Beethoven-Haus arbeitet seit einiger Zeit seine eigene Geschichte auf. Große Beachtung fand 2017 eine Ausstellung mit Begleitband zu den Geschehnissen im Nationalsozialismus. Nun war das Haus Gastgeber einer internationalen Tagung, die das Beethoven-Bild derjenigen in den Blick nahm, die aus dem Musikleben und der Musikwissenschaft ausgeschlossen, vertrieben und verfolgt wurden. Titelgebend für die Tagung wurde eine Studie von Paul Bekker, die dieser 1934 im Pariser Exil verfasste und die von Anna Langenbruch in den Exilantenakten der französischen Polizei zwischen Unterlagen der Exilzeitschrift Die Zukunft aufgefunden wurde. Bekkers annotiertes Typoskript Beethovens Vermächtnis sollte offenbar, wie Langenbruch darstellte, bei Editions Phenix erscheinen, blieb jedoch unpubliziert. Die Bonner Tagung verfolgte nun das Ziel, diese Schrift zu kontextualisieren und grundsätzlich danach zu fragen, wie Exilantinnen und Exilanten mit der Musik und dem Image Beethovens umgingen, auf welche Situation sie in den Exilländern trafen und welche Beiträge sie im Exil zur Interpretation und Rezeption Beethovenscher Werke lieferten. Dazu vereinten die Organisatorinnen der Tagung, Anna Langenbruch (Universität Oldenburg) und Christine Siegert (Beethoven-Archiv Bonn), Referentinnen und Referenten, die einen globalen Blick auf Beethoven im Exil freigaben.

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Frankfurt am Main, 14. bis 17. Februar 2018

Aufführung und Edition

von Lena Nieper, Frankfurt am Main

Wie verändert sich die editorische Praxis, wenn man den Gegenstand aus der Perspektive ihrer Aufführung betrachtet? Die 17. Internationale Tagung der Arbeitsgemeinschaft Germanistische Edition brachte Vertreterinnen und Vertreter der Literatur, Musik- und Theaterwissenschaften sowie der Informatik zusammen, um dieser Frage nachzugehen. Zum ersten Mal von musikwissenschaftlicher Seite konzipiert, wurde die Tagung vom Frankfurter Institut für Musikwissenschaft in Kooperation mit der Fachgruppe freie Forschungsinstitute der Gesellschaft für Musikforschung und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz organisiert. Im Mittelpunkt stand die Kategorie der Aufführung als Gegenstand der Edition im Spannungsfeld von digitalen Darstellungsmöglichkeiten und editionstechnischen Herausforderungen. Die vier Plena und zwölf Sektionen der Tagung mit über fünfzig Rednern boten dabei reichlich Gelegenheit zur Diskussion; abgerundet wurde das Programm durch zwei Konzerte.

Ulrich Konrad (Würzburg) eröffnete das erste Plenum mit einem Vortrag über das Spannungsverhältnis zwischen Notentext bzw. Edition und Aufführung von Werken unter anderem am Beispiel von Mozart und Andrew Lloyd Webber. Joachim Veit (Detmold / Paderborn) thematisierte in seinem Beitrag die Zukunft der digitalen Musikedition, die er an einem Scheideweg sieht. Der Grund hierfür liegt in der wachsenden Komplexität verlinkter Informationen, was dazu führt, das der Nutzer sich in den partiell veränderbaren Datenverbindungen nicht mehr zurechtfinden kann. Andererseits reflektierte Veit die scheinbare Objektivität, die digitale Musikeditionen durch die Bereitstellung von Digitalisaten oder performativen Elementen suggerierten, und mahnte zur kritischen Reflexion. Am Ende des Eröffnungstages fand die konzertante Aufführung von Georg Anton Bendas Melodram Medea (1784) in einer Streichquartett-Fassung statt. Moderiert wurde das Konzert von Jörg Krämer (Erlangen-Nürnberg), der das Werk im Rahmen des Projektes OPERA ediert.

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Sofia, 9. bis 11. Februar 2018

Die bulgarische Musikwissenschaft – Retrospektiven und Perspektiven (70 Jahre Musikwissenschaft in der BAN)

von Patrick Becker, Berlin

Anlässlich der Feier ihres 70-jährigen Bestehens richteten die MusikwissenschaftlerInnen der Sektion „Musik“ des Instituts für Kunstwissenschaften (Institut za izsledvane na izkustvata) an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAN) in Sofia eine wissenschaftliche Konferenz aus, an der mehr als 40 Vortragende aus Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Serbien, Ungarn und den Vereinigten Staaten teilnahmen. Die Institutionalisierung der bulgarischen Musikwissenschaft geht auf die Initiative des Komponisten und Akademiemitglieds Petko Stajnov zurück, der 1948 ein Institut für Musik an der BAN gründete und bis zu seinem Tod im Jahr 1977 leitete. 1988 wurde das Institut auf Beschluss des bulgarischen Ministerrats mit dem Institut für Kunstwissenschaft fusioniert und ging in der Sektion „Musik“ auf, die gemeinsam mit den Sektionen „Bildende Künste“, „Theater“, „Film und Fernsehen“ sowie „Architektur“ das heutige Institut bildet. Das Musikarchiv dieser Institution umfasst gut 10.000 Transkriptionen bulgarischer Volkslieder auf 250.000 Bögen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückdatieren, 5.000 Magnettonbänder, 800 Wachsrollen und über 1.000 Vinylaufnahmen der landeseigenen Volksmusik sowie 800 Schwarzweiß- und Farbfilme von verschiedenen Forschungsreisen in Bulgarien.

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Berlin, 26. bis 28. Januar 2018

450 Jahre Staatskapelle Berlin. III. Symposium: Auf dem Weg zum großen Opern- und Sinfonieorchester. Die Königlich Preußische Hofkapelle von 1811 bis 1918

von Friederike Janott, Hamburg

Anlässlich des im Jahr 2020 anstehenden 450-jährigen Jubiläums eines der ältesten Orchester der Welt veranstaltete die Staatsoper Berlin, die mit dieser Spielzeit auch wieder im altehrwürdigen Opernhaus Unter den Linden ansässig ist, das bereits dritte Symposium in einer Reihe, die sich der Entwicklung der Staatskapelle Berlin von ihren Anfängen bis in die Gegenwart widmet. Während das erste Symposium im Jahr 2015 den Zeitraum von der Ersterwähnung der kurbrandenburgischen Kapelle (1570) bis zum Hoforchester des ersten Königs von Preußen abdeckte und das zweite 2016 den Werdegang der Hofkapelle während der wechselhaften innenpolitischen Lage Preußens im 18. Jahrhundert verfolgte, nahm das diesjährige Symposium die Entwicklung der Königlich Preußischen Hofkapelle zum Opern- und Symphonieorchester im langen 19. Jahrhundert in den Blick.

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