Tagungsberichte

In dieser Rubrik finden Sie Berichte über vergangene Tagungen & Kongresse folgender Jahrgänge:

 

 

Die fünf neuesten Berichte:

 

 

Kiel, 7. bis 10. November 2019

Ka-Ching! Der Klang des Geldes – Ökonomische, soziale und ästhetische Aspekte von Geld und Musik

von Paul McCall-Labelle und Celina Rausch, Hamburg und Kiel

Das diesjährige, mittlerweile 32. Symposium des Dachverbandes der Studierenden der Musikwissenschaft (DVSM) tagte zum ersten Mal in Kiel. Das interdisziplinäre, breit angelegte Thema wurde von Studierenden mehrerer Länder und aus unterschiedlichen Disziplinen und Studienphasen lebhaft diskutiert und ermöglichte eine große Vielfalt an Beiträgen – von Corelli bis Kanye West; von Auroville bis Kolumbien; vom Catch bis zum Vaporwave.

Das erste Panel, „Ökonomische Strukturen in Musik und Kultur“, begann mit dem Gastvortrag von Boris Voigt (Berlin). Er beschrieb die Überschneidung ökonomischer und musikalischer Denkweisen und argumentierte, dass die Beziehung zwischen Musik und Ökonomie nicht einfach als Einfluss der Ökonomie auf der Musik verstanden werden kann. Vielmehr fänden „musikästhetische Denkweisen auch in das ökonomische Denken Eingang“. Isabel Gebhardt und Sindram Volkmer (Leipzig) boten einen Einblick in die Anfänge einer systematischen Untersuchung der Beziehungen zwischen Musikpräferenzen und sozioökonomischen Faktoren. Eine Innovation in diesem bekannten Forschungsfeld bedeutete es, die Neigung zum Geld als Thematik in der Musik zu untersuchen und diese Tendenz wieder auf Persönlichkeit und Gesellschaftsschicht zurückzuführen. Annika Götz und Franziska Weigert (Mannheim/München) skizzierten das Konzept der „open culture“ und die primären und sekundären Finanzierungsmöglichkeiten für entsprechende Projekte. Anhand von Beispielen wie dem „Kultur-Hackathon“ Coding da Vinci stellten sie die Anreize für die Realisierung von „open culture“ Projekten dar. Read more ...

Graz, 28. bis 29. Oktober 2019

Musikerinnen in der Region – Handlungsräume und ihre Akteurinnen in der Steiermark

von Christa Brüstle und Matthias Mikula, Graz

Die international besetzte Konferenz wurde vom Zentrum für Genderforschung der Kunstuniversität Graz organisiert und vom Land Steiermark und von der Mariann Steegmann Stiftung gefördert. Sie widmete sich Fragestellungen der regionalen Identität und der kulturellen Handlungsspielräume von Musikerinnen und Musiklehrenden in Graz und in der Steiermark, aber auch in der Schweiz, in Kroatien und East Anglia. Ziel war es, Diskurse der regionalen Identität, die Geschichte von privaten und öffentlichen Handlungsspielräumen für Frauen im Musikbereich sowie die Bedeutung und das Wirken einzelner Musikerinnen und Musiklehrenden darzustellen und zu diskutieren.

Der Wirtschafts-, Stadt- und Sozialgeograph Hans H. Blotevogel (Wien) eröffnete das Symposium mit einem Grundsatzbeitrag aus der Regionalforschung. Er diskutierte die Renaissance der Region in der Ära der Globalisierung. Dabei stellte er die Thematik der Entgrenzung von Märkten, der globalen Migration und der zahlreichen interkulturellen Verflechtungen der Wiederentdeckung von regionalen Handlungsspielräumen gegenüber. Er konnte in bester Weise die Vieldeutigkeit der Begriffe Region, kulturelle und regionale Identität präzisieren und semantische Zusammenhänge einführend darstellen. Read more ...

Schwetzingen, 28. September 2019

Objektive Berichte? – Leopold Mozarts Aufzeichnungen über südwestdeutsche Hofkapellen

von Yevgine Dilanyan, Schwetzingen

Anlässlich des 300. Geburtstags von Leopold Mozart veranstaltete die Forschungsstelle „Geschichte der südwestdeutschen Hofmusik im 18. Jahrhundert“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Silke Leopold eine Tagung, bei der Leopold Mozarts Aufzeichnungen (Briefpassagen und Reisenotizen) über die südwestdeutschen Hofkapellen kritisch hinterfragt wurden.

Einleitend schilderte Projektmitarbeiter Rüdiger Thomsen-Fürst die diesjährigen, Leopold Mozart gewidmeten Aktivitäten der Forschungsstelle und erläuterte den Fokus und die Ziele der Tagung. Im ersten Halbjahr wurde in Kooperation mit dem Museum und dem Stadtarchiv der Stadt Schwetzingen sowie mit dem Historischen Institut der Universität Mannheim eine Ausstellung „Es ist nur ein Dorf – Schwetzingen mit den Augen Leopold Mozarts“ im Karl-Wörn-Haus veranstaltet. Sie zeigte die überlieferten Dokumente Leopold Mozarts – ein Brief und Reisenotizen zum Aufenthalt der Familie Mozart im Sommer 1763 während der sogenannten „Wunderkindreise“ – im Kontext der Zeit und der Verhältnisse am Ort. Ähnliche Ziele verfolgte nun auch die Tagung, die Leopold Mozart in erster Linie nicht als Vater, Komponisten oder Pädagogen, sondern als informierten Zeitzeugen und Berichterstatter in den Fokus rückte. Seine schriftlichen Zeugnisse aus den Jahren 1763 bis 1766, in denen er über die südwestdeutschen Hofkapellen berichtete, wurden anderweitig vorhandenen Quellen gegenübergestellt. Read more ...

Köln, 28. bis 29. Juni 2019

Competitions in 19th-Century Music Culture / Wettbewerbe in der Musikkultur des 19. Jahrhunderts

von Christina Lena Monschau, Köln

Musikbezogene Wettbewerbe sind nicht nur ein Phänomen unserer Zeit, sondern fanden bereits im 19. Jahrhundert weite Verbreitung. Diese in der Forschung bisher unterbelichtete Tatsache war der Ausgangspunkt einer internationalen und interdisziplinären Tagung an der Universität zu Köln. Organisiert von Carola Bebermeier, Clemens Kreutzfeldt, Christoph Müller-Oberhäuser und Jonas Traudes, bildete sie den Abschluss des DFG-Forschungsprojektes „Musikalische Preisausschreiben 1766-1870“, das seit 2016 unter der Leitung von Frank Hentschel und Andreas Domann am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität angesiedelt war. Ziel des Projekts war die Erstellung einer umfassenden Datenbank für das musikbezogene Wettbewerbswesen der Zeit zwischen 1820 und 1870. Außerdem markierte die Konferenz den Abschluss des themenverwandten Dissertationsprojektes von Müller-Oberhäuser zur Erforschung der Geschichte der Chorwettbewerbe vor dem Ersten Weltkrieg. Read more ...

Moskau, 7. bis 9. Oktober 2019

Muzykal’naja kompozicija i novye metody gumanitarych issledovanij/Music Composition and New Methods of Humanitarian Researches

von Sergej Nikiforov, Moskau, und Gesine Schröder, Leipzig/Wien

Die Konferenz über neue Methoden der geisteswissenschaftlichen Forschung wurde anlässlich der Feier des 70. Geburtstags von Aleksandr Sokolov ausgerichtet. Sokolov leitet die zur historisch-theoretischen Fakultät des Čajkovskij-Konservatoriums Moskau gehörige Theorie-Abteilung, er ist Rektor des Konservatoriums und Autor einer zuerst 1992 erschienenen, auch ins Spanische übersetzten Monographie über Komponieren im 20. Jahrhundert. Die Organisation der Konferenz lag maßgeblich in den Händen eines Teams aus dem kunstwissenschaftlichen Zentrum für Gegenwartsmusik des Konservatoriums. Der Komponist Vladimir Tarnopolʼskij (*1955), künstlerischer Vorstand des Zentrums, referierte auch selbst (über die Bedeutung soziologisch-kultureller Ausbildung der Musikstudierenden, insbesondere wenn sie sich neuerer Musik widmen), und ein im Zentrum angesiedeltes Ensemble für Neue Musik bestritt eines der beiden Konzerte, die man der Konferenz beigegeben hatte. Zu hören waren unter anderem Tarnopolʼskijs 1991, im Umfeld des spätsowjetischen Putsches jenes Jahres geschriebenes und als Exemplifikation seines Vortrags wirkendes Ensemblestück Kassandra sowie eine drei Jahre alte, in Kooperation mit dem Videokünstler Aleksandr Pettaj entstandene multimediale Komposition für zwei Klaviere, Elektronik und Video von Igorʼ Kefalidi (*1941), der in der bislang eher mager ausgestatteten Elektroakustischen Abteilung des Konservatoriums tätig ist. Dass er mit 78 Jahren noch lehrt, ist symptomatisch für das russische Hochschulwesen: Im Normalfall behält man seine berufliche Position bis ans Lebensende und begibt sich nicht in den Ruhestand. Zu den nicht wenigen weit über siebzigjährigen Vortragenden gehörten Galina Grigor’eva und Irina Koženova. Die eine arbeitete heraus, auf welche Weise Sergej Taneev bei seiner Vertonung symbolistischer Gedichte von Konstantin Balʼmont seine Chormusik um 1910 mit Eigenschaften instrumentaler Formen ausgestattet hatte; die andere sprach davon, dass Balladeskes bei Edvard Grieg immer wieder auf Balladen Chopins zurückgreift, die als Modelle gewirkt haben dürften. Indes wurde bei der Konferenz Musik, die vor mehr als einem halben Jahrhundert entstand, kaum thematisiert, auch der Musik sowjetischer oder russischer Komponisten waren nur wenige der insgesamt 35 Vorträge gewidmet.

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