Kirchenmusik

Die Fachgruppe Kirchenmusik der Gesellschaft für Musikforschung bildet ein Forum für Musikwissenschaftler und Musikwissenschaftlerinnen, die sich mit Theorie und Geschichte der Kirchenmusik auseinandersetzen, letztere verstanden als Musik im engeren, funktional-liturgischen Sinne (d.h. Musik des Gottesdienstes) und als Musik im weiteren, spirituellen Sinne (d.h. geistliche und religiöse Musik). Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen Musikanschauung und musikalische Praxis der christlichen Konfessionen in West (Katholisch, Lutherisch, Reformiert) und Ost (Griechisch- und Russisch-Orthodox), eine Zentrierung, die den Brückenschlag zur Musik anderer Religionen nicht ausschließt.

Sprecher:

Prof. Dr. Klaus Pietschmann
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Abteilung Musikwissenschaft
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz
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Die Fachgruppe Kirchenmusik in der Gesellschaft für Musikforschung

Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung in Greifswald 2014

von Detlef Altenburg (Weimar‐Jena)

 

der Vortrag kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

 

 

Projekte der Mitglieder der Fachgruppe Kirchenmusik

Rainer Bayreuther (Lüneburg)

Titel des Projektes: soundcaching.de

Leitung, Mitarbeiter: Leitung: Prof. Dr. Rainer Bayreuther (Univ. Lüneburg); Mitarbeiter: Dr. Anne Holzmüller (Univ. Freiburg), BA Johannes Bernet (Univ. Freiburg), MA Victoria Badorrek (Schott Music, Mainz), MA Jana Wendler (Uni Freiburg), Elke Schächtele (TU Karlsruhe)

Träger: Deutscher Hochschulpreis des BM für Bildung und Forschung (bis 12/2014), Strecker Stiftung (seit 1/2015), Private Partner: Schott Music (Mainz); mittelfristig: BM für Verkehr und Digitale Infrastruktur (in Antragsphase)

Laufzeit: seit 4/2014

Projektbeschreibung: Das Projekt Soundcaching.de war im Frühjahr 2014 Preisträger des Dt. Hochschulpreises unter dem Motto „Die digitale Gesellschaft“. Soundcaching.de ist eine Social Media-Plattform plus App, die das erfolgreiche GeoCaching für den Bereich der Musik weiterdenkt. Gefundene Sounds lassen sich hochladen und abspielen; sie werden unter Angabe von Aufnahmedatum und -ort, Uploader und einer inhaltlichen Kategorisierung auf einer digitalen Landkarte verortet. Die Sounds, etwa mit der Mikrofonfunktion eines Smartphones aufgenommen, können über die App mit wenigen Klicks hochgeladen werden. Mit einer einfachen Suchfunktion kann man Sounds nach Zeit, Ort und inhaltlichen Kategorien suchen. Wir erwarten neben einer weltweiten Kartographie von Sounds aller Art die Dokumentation von singulären musikalischen Events mit Performance-Charakter wie z.B. Gottesdienste oder Feste, die mit den klassischen musikalischen Aufzeichnungsmedien (Notenschrift etc.) nicht adäquat zu erfassen sind. Soundcaching.de hat das Potenzial, sich zu einer Quellengrundlage für eine Kirchenmusikforschung zu entwickeln, die die klanglichen Vorkommnisse religiöser Ereignisse zunehmend in ihrer Performativität fokussiert.

Mail zum Projekt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 


 

Michael Chizzali (Weimar-Jena)

Titel des Projektes: Italienische Spuren in der wettinischen Musikpflege des 16. Jahrhunderts

Leitung: Dr. Michael Chizzali

Träger: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Programm »Eigene Stelle«)

Laufzeit: 2014–2017

Projektbeschreibung: Betrachtet man signifikante Phasen der Musikpflege, die an den (insbesondere kurfürstlichen) Höfen des Hauses Wettin im 16. Jahrhundert praktiziert wurde, mit geschärftem Blick, so offenbart sich eine kontextuell vielfältige und quellentechnisch vergleichsweise gut belegbare Kontinuität an musikalischen Transferlinien aus Italien: Beispiele hierfür wären »italienische« Überlieferungskonstellationen in den Jenaer Chorbüchern Friedrichs des Weisen, der Einbezug von italienischen Anteilen kurfürstlicher Musikaliensammlungen in das Druckprogramm Georg Rhaws, die Rezeption leichterer italienischer Musik durch italienischstämmige Dresdner Hofkapellmeister (Antonio Scandello, Giovanni Battista Pinello di Ghirardi) sowie die Dreiecksbeziehung Florenz-Dresden-Prag in den Jahrzehnten um 1600. Auf der Basis eines über enge institutionelle Kategorisierungen hinausgehenden Begriffes der Hofmusikpflege soll versucht werden, die Tragweite der Beziehungen wettinischer Höfe zur italienischen Musikkultur zu hinterfragen, zu vertiefen und vor einem breiten kulturhistorischen Hintergrund zu kontextualisieren, neue Quellen und wenig berührte höfische Umfelder (z.B. Weimar) zu erschließen sowie schlussendlich Spuren vernachlässigter bzw. unbekannter ästhetischer Diskurse im Hinblick auf eine frühe musikalische Italianità nachzugehen.

Link: http://www.hfm-weimar.de/1180/

 


 

Forschungsprojekt: Die frühe Messvertonung zwischen Liturgie und Kunstanspruch

 

Leitung, Mitarbeiter: Leitung: Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Mainz), Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt (Weimar-Jena); Mitarbeiter: Franziska Meier M.A. (Mainz), Kirstin Pönnighaus M.A. (Weimar-Jena)

 

Träger: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 1. Mai 2015–30. April 2018

Projektbeschreibung:

Das Projekt befasst sich mit der frühen Messvertonung als zentraler musikalischer Gattung des 15. und 16. Jahrhunderts. Ihre wissenschaftliche Erschließung war bislang unter einer vorwiegend philologisch sowie werk- und stilgeschichtlich geprägten Forschungsperspektive erfolgt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Mainz und Weimar wollen nun eine systematische Neubewertung der frühen polyphonen Messen vornehmen. Dabei sollen die Zusammenhänge zwischen musikalischer Faktur und liturgischer Zweckbestimmung berücksichtigt und methodische Zugänge entwickelt werden, die ritual- und frömmigkeitsgeschichtliche mit kompositionsgeschichtlichen Perspektiven verknüpfen. Die beiden Projektleiter werden eine Monographie zur Thematik erarbeiten. Hinzukommen die beiden Qualifikationsschriften der Doktorandinnen Franziska Meier und Kirstin Pönnighaus zu Vertonungen des Requiems sowie zur Tradition der frühen L’homme-armé-Messen. Ein Kernstück der Projektarbeit bildet die Weiterentwicklung der Datenbank MassDataBase, die bereits im Vorfeld der Antragstellung aus Mitteln der Forschungsförderung der Johannes Gutenberg-Universität sowie des Forschungsschwerpunkts Historische Kulturwissenschaften aufgesetzt wurde. Vorgesehen ist ferner, mehrere ergänzende, interdisziplinäre Workshops zu veranstalten.

Link und Mail zum Projekt: www.mdb.uni-mainz.de; This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 


 

Jochen Kaiser (Erlangen)

Titel des Projektes: Singen in christlichen Kontexten. Eine ethnografisch-phänomenologische Studie

Leitung: Dr. Jochen Kaiser

Träger: FAU Erlangen-Nürnberg, EKM

Laufzeit: 2013–2015

Projektbeschreibung: Die Kirche und der Gottesdienst sind heute Orte, wo noch gesungen wird. Das Singen ist die ursprünglichste Form des Muszierens und das Erleben während des Singens zu untersuchen ist Ziel dieser Studie. In Anlehnung an die psychologische Ästhetik werden rezeptions- und produktionsästhetische Aspekte, subjektive und kulturelle Komponenten in die Methodik einbezogen. Diese ist ethnografisch und trianguliert: teilnehmende Beobachtung – der Forscher spürt subjektiv die Emotionen; Interviews und Fragebögen – die subjektive Sicht wird durch das Erleben anderer erweitert sowie Videobeobachtung, die in Bild und Ton analysiert werden kann. In Aufnahme des Konzeptes der kleinen sozialen Lebenswelt wird der Fokus auf das charakteristische Erleben gerichtet. Einundvierzig Lieder aus acht kirchlichen Singveranstaltungen wurden ausgewertet.

Ergebnisse: Für jedes Lied gibt es eine Erzählung charakteristischer Teilnehmer (im Sinne deskriptiver Psychologie) und eine ethnomusikologische Funktionsanalyse. Die Fragebögen, die das Semantische Differenzial operationalisierten, zeigen die Lieder in einem emotionalen Raum des Singens. Sie ordnen sich zu sechs Clustern, vom Erfahrungsraum des beruhigend-meditativen bis Erfahrungsraum des tanzend-ausgelassen Singens, in einer linear-positiven Korrelation zwischen Aktivierung und Potenz. Die Singenden bewerten ihr Erleben bei fast allen Liedern als positiv.

Mail zum Projekt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Links: http://www.musik-und-gottesdienst.de/aktuelles/empirische-hymnologie/

http://www.musik-und-gottesdienst.de/aktuelles/forschungsanliegen/erlebnisorientierte-liedanalyse/

 


 

Franziska Meier M.A. (Weimar-Jena)

Dissertationsprojekt Das Requiem und seine Anfänge – Tradition und Wandel in der "Missa pro defunctis" bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts

Betreuung: Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena

Projektbeschreibung:

Bei der Totenmesse oder "Missa pro defunctis" handelt es sich um einen der ältesten Bestandteile der katholischen Liturgie, doch fand er in der Renaissancemusikforschung bisher nur wenig Beachtung. Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht ein umfangreiches Repertoire (ca. 30 Vertonungen; darunter prominente Vertreter wie Johannes Ockeghem, Josquin Desprez oder Cristóbal de Morales), das auf unterschiedliche Parameter untersucht werden soll. Der Zeitraum bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, also vor den liturgischen Reformen (Konzil von Trient), ist bewusst gewählt, da das Tridentinum Änderungen in Bezug auf Theologie und Musikanschauung mit sich brachte. Neben der zeitlichen Einordnung sollen die Requiemvertonungen hinsichtlich ihres liturgischen Ortes analysiert werden und somit sowohl einen Überblick als auch Aufschluss über die unterschiedlichen Riten (wie beispielsweise den mozarabischen Ritus) geben.

Kontakt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 


 

Panja Mücke (Bonn)

Titel des Projektes: Musik im Dienst der politischen und sakralen Repräsentation. Antonio Caldaras Opern und Oratorien unter Kaiser Karl VI.

Leitung, Mitarbeiter: Leiterin: Prof. Dr. Panja Mücke, Mitarbeiter: Sebastian Biesold M.A.

Träger: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 2012–2016

Projektbeschreibung: Ziel des Projekts ist es, die Spezifika der Wiener Opern und Oratorien Antonio Caldaras im Rahmen der Kunstpolitik Kaiser Karls VI. herauszuarbeiten. Von der Überlegung ausgehend, dass höfische Kultur ein Konglomerat aus intern und extern wirkenden Kommunikationsmedien bildet, soll untersucht werden, inwiefern Karl VI. die darstellenden Künste analog zur bildenden Kunst und Geschichtsschreibung für eine Legitimierung der Kaiserwürde und Betonung der überragenden Stellung des Hauses Habsburg einsetzt. Zudem stehen Fragen der Rezeption und des Kulturtransfers im Zentrum, und es werden Caldaras Kompositionen im Spannungsfeld der höfischen Konkurrenzen betrachtet. Es ist im Detail zu klären, ob der Kaiserhof als einer der Leithöfe fungierte, der Normen für die mittleren und kleineren Höfe in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausprägte. Ferner wird ein genuin interdisziplinärer Zugang gesucht, indem die Kompositionen mit der bildenden Kunst hinsichtlich ihrer Funktion zur genealogischen Selbstdarstellung, ihres zugrunde liegenden Sujets und der Tugenddarstellung verglichen werden. Aus dem Forschungsprojekt wird eine Monographie hervorgehen.

Mail zum Projekt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Link: http://www.musikwissenschaft.uni-bonn.de/forschung/caldara-projekt

 


 

Kirstin Pönnighaus M.A. (Weimar-Jena)

Dissertationsprojekt: Zur Frühgeschichte der L'homme armé-Messe bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts

Betreuung: Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena

Projektbeschreibung: Keine andere Melodie wurde so oft als Vorlage einer Messkomposition herangezogen wie die "L'homme armé"-Melodie. Einen Schwerpunkt des Dissertationsprojektes bildet die Kontextualisierung dieser Messen. Wichtige Hinweise hierfür liefern die Quellen selbst durch ihre Beschaffenheit sowie nichtmusikalische, intertextuelle Bezüge. Zentral ist die Rezeption des Rittertums, das symbolisch und ideologisch auch im 15. Jahrhundert noch eine große Rolle spielte. Kaiser Maximilian wird "der letzte Ritter" genannt, und die Katholischen Könige, Ferdinand II. und Isabella I. sahen in Kolumbus' Versuch, einen Seeweg nach Indien zu finden, nicht zuletzt auch neue Chancen für einen Kreuzzug. Dieser Gedanke wird spätestens nach 1453, als die Türken unter Mehmet II. Konstantinopel eingenommen hatten, zentral. Allgemein wird in Bezug auf die L'homme armé-Melodie von „der Vorlage“ gesprochen, ohne zu berücksichtigen, dass es so eine eindeutige Vorlage nicht gibt. Von dieser Voraussetzung ausgehend, muss ein neuer analytischer Ansatz gefunden werden, dies bildet einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit.

Kontakt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 


 

Karina Zybina (Salzburg)

Dissertationsprojekt: Die Litaneien von Wolfgang Amadeus Mozart und ihr Salzburger Umfeld

Betreuung: Prof. Dr. Thomas Hochradner, Universität Mozarteum Salzburg

Abschluss: Studienjahr 2015/16

Projektbeschreibung: Die vier Litaneien von Wolfgang Amadeus Mozart – nämlich die Lauretanischen Litaneien KV 109 (74e) und KV 195 (86d) sowie die Sakramentslitaneien KV 125 und KV 243 – gehören zu seinen weniger bekannten kirchenmusikalischen Werken. In und für Salzburg komponiert, folgen sie einerseits lokalen Tendenzen in der Vertonung von geistlichen Texten, bieten aber andererseits höchst individuelle und kreative Lösungen. Diese Differenz aufgreifend, wird die Studie Mozarts Litaneien als Teil der reichen Salzburger Tradition darstellen und mit entsprechenden Werken seiner Zeitgenossen wie Johann Michael Haydn oder Anton Cajetan Adlgasser vergleichen, um festzustellen, welche Ideen und Lösungen der junge Komponist als Impulse nutzte, um eine eigene Deutung des Materials zu schaffen.