Musik und Gender. Grundlagen – Methoden – Perspektiven

Herausgegeben von Rebecca Grotjahn und Sabine Vogt unter Mitarbeit von Sarah Schauberger
Kompendien Musik, Bd. 5, Laaber-Verlag 2010

Genderforschung ist ein noch junges Gebiet der Musikwissenschaft. Der Band versucht erstmals, ihre Grundlagen, Methoden und Perspektiven kompakt darzustellen. Musik und Gender versteht sich als Lese-, Lehr- und Lernbuch. Es soll Appetit machen und zum Weiterdenken einladen. Sein Ziel ist es, zu zeigen, wie sinnvoll und ergiebig es ist, musikbezogene Themen unter der Perspektive Gender zu untersuchen.
Genderforschung ist weder ein in sich geschlossenes Themengebiet noch eine spezielle Methode, sondern eine Perspektive, die für alle Felder der Kultur fruchtbar ist. Die Themen des Bandes repräsentieren die inhaltliche Vielfalt des Gebiets und reichen von der italienischen Hofmusik der Renaissance bis zum Tango Ríoplatense, von der Quellenforschung bis zu Männlichkeitskonstruktionen in der Oper, von der Biografik bis zur Theorie der musikalischen Analyse. Zugleich steht jedes Kapitel für einen methodischen Ansatz, der anhand von Beispielen verständlich dargestellt wird. Voraus geht eine ausführliche Einführung in die Geschichte und die Theorien der musikwissenschaftlichen Genderforschung.

Dem Band liegt eine Trias von Fragen zugrunde:
  • Welche Auswirkungen hat das Gender-Konzept auf das Selbstverständnis und die methodischen Ausgangspunkte des Faches?
  • Wie verändert der Blickwinkel auf Gender das Bild von Musikgeschichte als Geschichte der Musikkultur?
  • Wie ergiebig ist die Genderperspektive für die Analyse von Musik?

Die Kapitel arbeiten exemplarisch, wobei jedes einzelne Kapitel nicht so sehr einen Themenbereich repräsentiert als vor allem einen theoretischen Ansatz bzw. eine methodische Orientierung. Konkrete Phänomene bedürfen spezifischer Methoden – ausgehend von dieser Überzeugung wurden die Autorinnen und Autoren gebeten, keine abstrakten theoretischen Darlegungen ohne Anwendungsbezug zu verfassen, sondern Theorie am konkreten Beispiel zu entfalten.

Unter der Überschrift Reflexion – Selbstreflexion: Gender und Musikwissenschaft werden in den ersten fünf Kapiteln das Selbstverständnis, die Methoden und die Geschichte des Faches Musikwissenschaft untere Genderperspektive thematisiert.

Vier Beiträge stehen unter der Überschrift Gender und Musik-Kultur-Geschichte. Der Begriff »Kulturgeschichte« steht hier als Klammer für Beiträge, die übergeordnete Fragestellungen thematisieren und damit auch zeigen, wie sehr Musikforschung zu historischer Erkenntnis beitragen kann. Anhand von Musikstücken und dem Umgang der Menschen mit Musik können historische Lebenswelten und gesellschaftliche Strukturen beschrieben und erklärt werden, die sich über andere Quellen weniger gut oder gar nicht erschließen lassen.

Die vier Kapitel, die die Schlussgruppe des Bandes bilden, wurden unter der Überschrift Die Konstruktion von Geschlecht durch Musik zusammengefasst. Zwar sind auch sie kulturgeschichtlichen Denkansätzen verpflichtet, indessen steht hier methodisch die Frage im Mittelpunkt, wie die Musik selbst unter Genderperspektive zum Gegenstand von Analyse werden kann.
Das Glossar am Ende des Bandes dient dazu, das Durcharbeiten der Beiträge zu erleichtern und versammelt alle Termini, deren Kenntnis nicht vorausgesetzt werden kann.

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