Tagungsberichte | 2018

Münster, 28. bis 30. Juni 2018

Religiöse Friedensmusik von der Antike bis zur Gegenwart

von Michael Werthmann, Münster

Die Tagung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ reihte sich in eine Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen aus Anlass des 370-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens ein. Bei dem dreitägigen Symposium wurden in chronologischer Reihenfolge verschiedene Aspekte religiös motivierter Musik zum Thema Frieden in den verschiedenen Epochen unter die Lupe genommen. Dabei widmeten sich die Vorträge mehrheitlich der europäischen Musikgeschichte, andere Kulturen und Religionen kamen aber ebenfalls zur Sprache. So betonte Dominik Höink (Essen/Münster), der Organisator der Tagung, in seiner Einführung auch das breite Themenspektrum sowie die vielfältigen Herangehensweisen der einzelnen Vorträge – kurzum ein offenes Verständnis des Begriffs „Friedensmusik“. In einem Grußwort demonstrierte Ulrich Grimpe (Münster) die lokale Bedeutung von Friedensmusik für den Tagungsort Münster und nannte etwa den Dankgottesdienst im St.-Paulus-Dom aus Anlass des Westfälischen Friedens im Jahr 1648 oder die 1966 ebendort uraufgeführte Lukas-Passion Krzysztof Pendereckis.

Mit „Musik zu Sieg und Frieden in der Bildwelt des antiken Vorderen Orients“ beschäftigte sich Rüdiger Schmitt (Münster) im ersten Vortrag. Obwohl es an musikalischen Quellen aus dieser Zeit mangelt, ist vieles durch bildliche Darstellungen sowie durch Instrumentenfunde und historiographische Quellen überliefert, nicht zuletzt eben auch Hinweise auf Musik zu Friedensfeiern. Diese dienten oft der rituellen Herrscherrepräsentation und sollten die Etablierung der göttlichen Weltordnung symbolisieren. Auf die griechische Antike und die Frage, wie der Frieden hier musikalisch repräsentiert wurde, ging sodann Zeynep Helvacı (Münster) ein. Dazu verwies sie zunächst auf Frieden in der Götterwelt, personifiziert durch die Friedensgöttin Eirene. Auch die musizierend dargestellten Götter Apollo und Dionysos kamen zur Sprache. Im Anschluss daran beleuchtete Helvacı die Gattungen Epik, Lyrik und Dramatik und erläuterte unter anderem verschiedene Beispiele im griechischen Theater. Auch Musiker als Friedensstifter und Musik von Gesandtschaften zur Wahrung des Friedens wurden thematisiert. Zwar sind Musikstücke der griechischen Antike fragmentarisch überliefert, jene mit Friedensbezug haben sich jedoch nicht erhalten.

In die Zeit des Mittelalters begab sich daraufhin Stefan Klöckner (Essen). In seinem Vortrag zu Gregorianischen Gesängen und ihrer handschriftlichen Überlieferung setzte er den Fokus auf den inneren Frieden als spirituelle Herausforderung. Klöckner untersuchte unter anderem die Umsetzung von Texten, die sich mit Frieden beschäftigen, und demonstrierte anhand verschiedener analytischer Beispiele (etwa Augustinus oder Hucbald), wie der Begriff phonetisch, grammatikalisch oder inhaltlich hervorgehoben wurde. Mit einem Beitrag zur musikalischen Irenik gegen Ende des Reformationszeitalters schloss Christian Thomas Leitmeir (Oxford) an. Die Ireniker lehnten religiös begründete Gewalt ab und verkörperten im Dreißigjährigen Krieg trotz aller Konflikte und aller Aussichtslosigkeit eine Sehnsucht nach Aussöhnung. Musikalisch schlug sich dies in einer Reihe von Da pacem Domine-Vertonungen nieder. Leitmeir zeigte, dass Komponisten der sogenannten rudolfinischen Tradition – Rudolf II. stand den Irenikern nahe – geschlossen von gewissen konventionellen Mustern abwichen, etwa durch Alterierungen. Den letzten Vortrag des ersten Tages hielt schließlich Inga Mai Groote (Zürich) zum Thema „‚Friedensfreud‘ im Medium des frühneuzeitlichen geistlichen Lieds: zwischen Kontrafaktur und Generalbasslied“. Während für repräsentative Anlässe die großen Gattungen bemüht wurden, waren geistliche Lieder mit einfachem, strophischem Liedtypus eher in informellen und halbprivaten bis privaten Kontexten verbreitet, dafür aber wesentlich weniger an konkrete Anlässe gebunden. Oftmals handelte es sich um Kontrafrakturen auf bekannte Melodien, weshalb auch kein individueller Bezug zwischen Text und Musik bestand. An verschiedenen Beispielen wie etwa von Johann Erasmus Kindermann zeigte Groote die unterschiedliche Beschaffenheit von geistlichen Liedern mit Friedensthematik auf.

Am zweiten Tag stand zunächst weiterhin die Zeit um den Dreißigjährigen Krieg im Fokus. Peter Schmitz (Münster) widmete sich in seinem Vortrag der Musik bei Dankfesten nach 1648. Dazu warf er zunächst einen Blick auf die Zeit während des Krieges und konstatierte, dass nicht überall das Musikleben zum Erliegen kam, im Gegenteil: In Städten wie Nürnberg und Frankfurt erlebte es gar eine Blütezeit. Schmitz ging daraufhin auf verschiedene Friedensfeiern und ihre Musik ein. Auch hier standen eher privat initiierte Gelegenheitswerke opulenten öffentlichen Friedensfesten gegenüber. Einem der wichtigsten Komponisten dieser Zeit und seinem Verhältnis zur Friedensmusik widmete sich sodann Jürgen Heidrich (Münster): Von Heinrich Schütz sind einige Kompositionen zum Frieden mit politischen Implikationen überliefert, deren musikalische Faktur Heidrich beleuchtete. Wie er außerdem herausstellte, waren diese Kompositionen, die Schütz in seiner Funktion als Kapellmeister am sächsischen Hof verfasst hatte, Ausdruck einer höfischen Repräsentation und kein individuelles Bekenntnis zu Frieden seitens des Komponisten.

Den Komponisten Georg Friedrich Telemann, der ebenfalls Auftragswerke für Dankesfeste aus Anlass von Friedensschlüssen, Friedensjubiläen oder militärischen Siegen komponierte, nahm sodann Brit Reipsch (Magdeburg) in den Blick. Insbesondere ging Reipsch dabei auf das Oratorium Holder Friede, heilger Glaube ein, das Telemann zur Feier des 200-jährigen Bestehens des Augsburger Religionsfriedens von 1555 komponierte. Sie zeigte dabei analytisch, wie beispielsweise die Beziehung von Frieden und Religion kompositorisch zum Ausdruck gebracht wird. Auch Matthew Gardner (Tübingen) untersuchte das Schaffen einer Einzelperson und sprach zu dem Thema „Musik für den Frieden in Händels London“. Aus Georg Friedrich Händels Londoner Zeit gibt es drei Te Deum-Vertonungen zu Friedensschlüssen: Eine zum Frieden von Utrecht (1713), eine zum Sieg der Schlacht bei Dettingen (1743) sowie ein (bereits zuvor komponiertes) Te Deum zum Aachener Frieden (1749). Gardner hob hervor, dass die Friedensfeiern wichtige Ereignisse in London und für das Hofleben waren. Daher war es für Händel, der zu Lebzeiten in England vor allem als Opernkomponist bekannt war, eine wichtige Gelegenheit, seine Fähigkeiten als Komponist anglikanischer Kirchenmusik unter Beweis zu stellen.

Aus dem Barockzeitalter heraus bewegte sich schließlich der chronologische Verlauf der Tagung mit einem Vortrag von Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich) zu Ludwig van Beethovens Missa solemnis, die Hinrichsen in Bezug zu Immanuel Kants Moraltheologie setzte. Anhand eines Verweises auf Kants Kritik der reinen Vernunft in Beethovens Konversationsheften von ca. 1820 zeigte er, dass Beethoven mit Kants Schriften sehr gut vertraut gewesen sein muss. Infolge dessen kam Hinrichsen zu der Hypothese, dass Kants Schrift Zum ewigen Frieden Einfluss auf die Missa solemnis hatte und verdeutlichte dies anhand verschiedener Beispiele. Markus Böggemann (Kassel) referierte im Anschluss daran über Robert Schumanns Messe op. 147, die der Komponist 1853 schuf und die lange Zeit unbeachtet blieb. Neben typischen Elementen und der Rezeption alter Kirchenmusik enthält das Werk aber vor allem in Hinblick auf den Text und seine musikalische Ausdeutung Besonderheiten. Bewusste Texteingriffe seien als subjektive Umformatierung von Glaubensbekenntnis zu verstehen und damit mehr als das reine Bedienen einer Gattung, so Böggemann.

Mit Werken jüdischer Komponisten im 20. Jahrhundert setzte sich zum Abschluss des zweiten Tages Joachim M. Klein (Weimar) auseinander. Dazu stellte Klein zunächst klar, dass der Begriff des „Schalom“ im Judentum nicht deckungsgleich mit dem Begriff „Frieden“ sei. Bei seinem Überblick ging er sodann auf liturgisch gebundene Kompositionen ein, auf solche mit biblischem Bezug sowie chorsinfonische Werke mit jüdischer Referenzialität, etwa Leonard Bernsteins Chichester Psalms oder Arnold Schönbergs A Survivor from Warsaw.

Mit Schönberg befasste sich dann auch Andreas Jacob (Essen) zu Beginn des letzten Tages. Anhand biografischer Stationen zeichnete er Schönbergs Weg vom konvertierten Christen zum rekonvertierten Zionisten nach. Schönberg verfasste etliche Werke mit religiösem und politischem Gehalt, die Jacob in den biographischen Zusammenhang einordnete. Dabei ging er insbesondere auf das Werk Friede auf Erden (1911) ein, das einen Dualismus zwischen Krieg und Frieden impliziert, was Schönberg in einer späteren Phase selbst als „Illusion“ bezeichnete. In seinem Vortrag „Mit Bach gegen Hitler. Kirchenkonzerte in Norwegen während der deutschen Besatzungszeit (1940–1945)“ beschäftigte sich Michael Custodis (Münster) mit der Musik als Mittel des politischen Widerstands in Norwegen zur Zeit des Nationalsozialismus’ insbesondere im kirchlichen Raum. Anders als Vokalmusik musste Instrumentalmusik unter der Besatzung zwar genehmigt werden, unterlag aber keiner Zensur. Da es den zuständigen örtlichen Polizeibehörden oft an Repertoirekenntnissen fehlte, boten sich strategische Spielräume für politische Implikationen des Konzertprogramms in Kirchenkonzerten.

Im Anschluss daran standen zwei musikethnologische Themen auf dem Programm: Gretel Schwörer-Kohl (Halle/Saale) gab einen Überblick zur „Friedensmusik im Hinduismus und Buddhismus“, für den sie Beispiele aus Indien respektive Thailand gab. Für Thailand nannte sie das Ramayana-Epos, das neben vorwiegender Kampfmusik auch Friedensmusik enthält. Für den Hinduismus in Indien ging Schwörer-Kohl unter anderem auch auf die Ragas ein, deren Haupttöne die Emotionen bestimmen, und hob den Friedensraga hervor. Andreas Meyer (Essen) folgte mit einem Blick auf den afrikanischen Kontinent und sprach zur Musik und Kulturpolitik in Ghana. Texte, die Auskunft über den Stellenwert der Musik in Ghana geben, heben unter anderem hervor, dass die Musik dazu dienen soll, Brücken zu schlagen. Die „Unity in diversity“-Politik des Landes verfolgt diesen Ansatz und fördert beispielsweise Ensembles mit interethnischem Instrumentarium, um so durch die Musik die ethnische Vielfalt des Landes zu bewahren.

Rebekka Sandmeier (Kapstadt) thematisierte Philip Millers Kantate Rewind für Stimme, Tonband und Zeugenaussage, die Zitate aus den Aufnahmen der südafrikanischen Truth and Reconciliation Commission verarbeitet. Hierzu beleuchtete Sandmeier zunächst die Hintergründe der TRC: Die Grundidee war es, die Verbrechen der Apartheid aufzuarbeiten und zu versöhnen, nicht zu bestrafen. Im Anschluss daran ging sie auf die konkrete Umsetzung in der 2005 entstandenen Komposition Millers ein. Neben den Originalzitaten sind etwa auch Bibeltexte, anglikanische Kirchenlieder und Protestlieder enthalten. Den letzten Vortrag der Tagung hielt schließlich Gordon Kampe (Rom/Hamburg), der sich mit Religion und Frieden in zeitgenössischer Musik beschäftigte. Zunächst konstatierte er, dass diese Aspekte relativ wenig vertreten sind. Das Soziotop neue Musik sei eben nicht religiös. Dennoch nannte Kampe mehrere Beispiele wie etwa Wolfgang Rihms Quid est Deus (2007) oder Weltethos von Jonathan Harvey (2011). Eine Gemeinsamkeit vieler zeitgenössischer Werke sei die Tendenz, durchaus auch Zweifel am Frieden zum Ausdruck zu bringen.

Mit einem Schlusswort von Dominik Höink endete die Tagung. Die Vorträge haben die Vielfalt der religiös motivierten Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden in den verschiedensten Epochen der Musikgeschichte und in unterschiedlichen Kulturkreisen demonstriert. Es ist deutlich geworden, dass vielen Komponisten die Beschäftigung mit Frieden unabhängig von Zeit und Religion immer wieder ein Anliegen war. Dabei geschah die Verarbeitung in ihren Werken auf die unterschiedlichste Art und Weise.

Alle Beiträge sollen in einem Tagungsband veröffentlicht werden.

Salzburg, 28. bis 30. Juni 2018

LASTING IMPRESSIONS: Music and Material Cultures of Print in Early Modern Europe

von Andrea Lindmayr-Brandl, Salzburg

Im Rahmen des Forschungsprojekts Music printing in German-speaking lands: From the 1470s to the mid-16th century fand an der Universität Salzburg eine internationale Fachtagung zum Thema Notendruck statt. Thematisch knüpfte die Veranstaltung, die von der Projektleiterin Andrea Lindmayr-Brandl und den Projektmitarbeitern Grantley McDonald und Moritz Kelber organisiert wurde, an die Konferenz GOOD IMPRESSIONS: The First Century of Music Printing and Publishing an, die im Jahr 2015 an gleicher Stelle stattfand. Neben Vorträgen zu Quellentypen, zur Medialität und Materialität von Musikdrucken, zu transnationalen Netzwerken sowie zu Repertoire- und Rezeptionsfragen stand auch ein Besuch in einer Salzburger Druckwerkstatt und ein Gesprächskonzert mit dem Vokalensemble Stimmwerck auf dem Programm der Tagung.

Eröffnet wurde sie von der Projektleiterin und von Walter Berka, der die Anwesenden im Namen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften begrüßte. In dem sich daran anschließenden Eröffnungsvortrag gab Lindmayr-Brandl einen Überblick über das Druckwesen im deutschsprachigen Raum Anfang des 16. Jahrhunderts: Die Beschäftigung mit dem frühen Musikdruck habe durch den Perspektivenwechsel – weg vom Komponisten, hin zum Objekt – „lasting impressions“ hinterlassen und zu einem allgemeinen Interesse an materiellen Kulturen geführt.

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Erfurt, 1. und 2. Juni 2018

Gaspare Spontini und die Oper in Berlin: Zwischen Integration und Isolation

von Jasmin Seib, Mainz

Die Tagung fand anlässlich der Premiere von Gaspare Spontinis Oper Agnes von Hohenstaufen am Theater Erfurt in Kooperation mit der Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Nach der Begrüßung durch den Intendanten Guy Montavon und Fabian Kolb (Mainz) eröffnete der Beitrag „Betrachtung des Berliner Opernlebens auf der Bühne und im Konzert (1810-1830)“ von Jasmin Seib (Mainz) das Symposion. Hier standen die vielen Faktoren, die die Spielplanstruktur der Berliner Bühnen beeinflussten, und Spontinis Rolle als Generalmusikdirektor im Vordergrund. Gleichzeitig gab Seib einen Überblick über das Berliner Repertoire, die Rolle von Opernstücken im Konzert sowie über Favoritopern und Favoritstücke.

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Zürich, 25. und 26. Mai 2018

Zürich, 25. und 26. Mai 2018

Die ungeliebte Kunst? Musik und Reformation in Zürich

von Esma Cerkovnik, Zürich

Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Zürcher Reformation, die zwischen Ende 2017 und Anfang 2019 mit verschiedenen Veranstaltungen begangen werden, waren zwei Tage auch der Rolle der Musik gewidmet. Sie boten ein Symposium, ein Wandelkonzert sowie einen um vokale und instrumentale Interludien angereicherten Orgelspaziergang. Gastgeber waren das Musikwissenschaftliche Institut der Universität und das Forum Alte Musik Zürich.

Nach einer Begrüßung durch den Institutsdirektor Laurenz Lütteken gab Tagungsorganisator Michael Meyer einen konzisen Überblick der Zusammenhänge zwischen Musik und Reformation in Zürich und eine kurze Skizze der Konzeption der Tagung. Ausgehend von der Reformationszeit war sie als chronologischer Streifzug durch die Geschichte der Musikauffassung und -praxis im reformierten Zürich bis ins ausgehende 19. Jahrhundert angelegt. Auf diese Weise wurde ein Bogen gespannt, der sich vom Verbot liturgischer Musik bis zu deren Wiedereinführung erstreckte. In ihrem eröffnenden Beitrag mit dem Titel Kein „geschrey vor den Menschen“? – Reformatorische und humanistische Musikauffassungen in Zürich und Basel bot Inga Mai Groote (Zürich) einen Einblick in die Gedankenwelt Zwinglis, seiner Zeitgenossen und Nachfolger in Zürich und Basel und plädierte entgegen dem Klischee von der ‚ungeliebten Kunst‘ für eine differenzierte Sicht, und zwar auch anhand bisher kaum oder wenig beachteter Quellen für die gelehrt-humanistische Auseinandersetzung mit Musik. Ein Versuch einer Neuinterpretation der Bedeutung der Musik bei Zwingli wurde sodann im Beitrag Der Gesang des Herzens – die mystischen Wurzeln des evangelisch-reformierten Gottesdienstverständnisses von Therese Bruggisser-Lanker (Zürich) unternommen, und zwar mit Verweis auf den spezifischen Kontext der mystischen Tradition etwa Heinrich Seuses.

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Wien, 25. und 26. Mai 2018

Französische Oper in Wien um 1800

von Konstantin Hirschmann, Wien

Ein Dreigespann – der Forschungsschwerpunkt Interpretation der Hochschule der Künste Bern (Martin Skamletz) in Zusammenarbeit mit den musikwissenschaftlichen Instituten der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Klaus Pietschman) und der Universität Wien (Michele Calella) – widmete eine in der Österreichischen Gesellschaft für Musik veranstaltete Tagung der „Französischen Oper in Wien um 1800“. Diese gelangte in zwei Wellen von der Seine an die Donau – zunächst in den 1790er Jahren und dann nochmals am Anfang des 19. Jahrhunderts, in einer durch den Frieden von Lunéville (1801) und die erste französische Besatzung Wiens (1805/6) geprägten Periode, in welcher die Hoftheater und das neueröffnete Theater an der Wien mit Importen aus Frankreich um die Gunst des Publikums buhlten.

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Hamburg, 24. bis 27. Mai 2018

Aufklärung! Musik und Geschlecht im 18. Jahrhundert

von Jonas Spieker, Detmold/Paderborn

Unter dem Titel „Aufklärung! Musik und Geschlecht im 18. Jahrhundert“ veranstaltete die Fachgruppe Frauen- und Genderstudien der Gesellschaft für Musikforschung ein internationales Symposium am Institut für Historische Musikwissenschaft der Universität Hamburg. Die Tagung widmete sich einem Themenfeld, das in der deutschsprachigen Genderforschung bisher weniger prominent vertreten ist. Aus diesem Grund bot das Programm ganz bewusst eine große inhaltliche Bandbreite – „Aufklärung!“ wollte sich somit auch als Aufforderung zur Vernetzung verstanden wissen, wie die Initiatorinnen der Tagung, Katharina Hottmann (Hamburg) und Cornelia Bartsch (Oldenburg), in ihrer Begrüßung betonten.

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Mainz, 26. bis 30. April 2018

(Re-)Constructing Renaissance Music – Perspectives from the Digital Humanities and Music Theory (troja 2018)

von Simone Studinger, Mainz

Mit der Frage, welche neuen Möglichkeiten und Erkenntnisse sich mit Hilfe computergestützter Forschung erzielen lassen, befasste sich in Bezug auf die Renaissance-Musik die diesjährige troja-Tagung (http://www.troja-online.eu), die ausnahmsweise zweiteilig vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität und der Mainzer Hochschule für Musik in Kooperation mit dem Max-Plank-Institut für empirische Ästhetik durchgeführt wurde.

Nach der Begrüßung und Einführung durch die Tagungsorganisatoren Klaus Pietschmann und Laurent Pugin hielt Richard Freedman (Haverford) am Donnerstagabend den Eröffnungsvortrag, der verdeutlichte, dass die Verwendung digitaler Methoden einen enormen Erkenntnisgewinn bedeuten kann, allerdings auch, dass die Maschine nicht ohne den Menschen dazu im Stande ist. Unter den drei Schwerpunkten Notation, Lesarten und Zitation umriss Freedman gängige Techniken, ihren Nutzen und etliche konkrete Projekte. Einige von diesen wurden am folgenden Tag genauer vorgestellt.

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Boulder (Colorado), 19. bis 22. April 2018

26th Annual Conference of the Society for Seventeenth-Century Music

von Nastasia Sophie Tietze, Weimar/Jena

Für den 26. Kongress der Society lud Robert Shay vom College of Music der University of Colorado nach Boulder ein. Einen Schwerpunkt bildeten je zwei Panels zu den Themen „English Anxieties“, „Spectacles of the Other“ und „Cosmopolitan Courts“, wobei sich das Programm durch einen hohen Anteil an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auszeichnete.

Linda Austern (Northwestern University) eröffnete den Kongress im Panel „English Anxieties“ und hinterfragte in einem quellenreichen Vortrag die Funktion und Position des Hörens in der Körper-Geist Dialektik, wie sie im theologischen, physikalischen, moralphilosophischen und gesellschaftspolitischen Diskurs im frühneuzeitlichen England artikuliert wurde. Sie stellte dabei heraus, inwiefern die Auffassung des Ohrs als Sinnesorgan der Verletzlichkeit und Verführbarkeit mit der Konnotation von Musik als gefährlicher, verdorbener Kunst verknüpft ist. Daran schloss sich der Vortrag „,My sweet child and wife‘: Buckingham, James I., and Homoeroticism in the English Anthem and Madrigal“ von Jeremy L. Smith und Jordan Hugh Sam an (University of Colorado, Boulder). Die Referenten deuteten Thomas Vautors First set of Ayres (1619) aus der Warte seiner homoerotischen Anspielungen und bezogen diese auf die mutmaßliche Affäre zwischen König Jakob I. und dem Herzog von Buckingham. K. Dawn Grapes (Colorado State University) widmete sich in einem Close-Reading den Funeral Teares, einem 1606 erschienenen außergewöhnlichen Zeugnis von Memorialkultur. Die materielle, inhaltliche und künstlerische Konzeption der Sammlung von Klagegedichten und Lamentationes ließ erkennen, wie der Komponist und Dichter John Coprario einem gesellschaftlich geächteten Aristokraten Tribut zollte. Im letzten Beitrag dieses Panels untersuchte Nicholas Smolenski (Duke University) Thomas Tomkins‘ Music Deo sacra – einerseits in der ursprünglichen Form, wie sie der Komponist in den 1630er Jahren zusammenstellte, andererseits in der postumen Publikation von 1668 – als ein Fallbeispiel für musikalische Propaganda während der Restaurationszeit.

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Köln, 5. bis 7. April 2018

Bernd Alois Zimmermann 100 Jahre – Komponieren im Schnittpunkt der Medien

von Andreas Dorfner, Detmold

Anlässlich des einhundertsten Geburtstags des Komponisten Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) veranstaltete die Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln ein Symposium. Die Konzeption lag in den Händen von Rainer Nonnemann (HfMT Köln) und Ralph Paland (BAZG).

Im Eröffnungsvortrag beleuchtete Dörte Schmidt, Projektleiterin der 2016 gegründeten Bernd Alois Zimmermann- Gesamtausgabe, die vielschichtigen Gründe einer medialen Überschreitung in Zimmermanns Œuvre, um sich anschließend der Umsetzung der medialen Werkbestandteile, etwa der Zuspielbänder in der Oper Die Soldaten, durch die gegenwärtige Aufführungspraxis zuzuwenden.

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Bonn, 1. bis 3. März 2018

„Beethovens Vermächtnis“. Mit Beethoven im Exil

von Christina Richter-Ibáñez, Tübingen

Das Bonner Beethoven-Haus arbeitet seit einiger Zeit seine eigene Geschichte auf. Große Beachtung fand 2017 eine Ausstellung mit Begleitband zu den Geschehnissen im Nationalsozialismus. Nun war das Haus Gastgeber einer internationalen Tagung, die das Beethoven-Bild derjenigen in den Blick nahm, die aus dem Musikleben und der Musikwissenschaft ausgeschlossen, vertrieben und verfolgt wurden. Titelgebend für die Tagung wurde eine Studie von Paul Bekker, die dieser 1934 im Pariser Exil verfasste und die von Anna Langenbruch in den Exilantenakten der französischen Polizei zwischen Unterlagen der Exilzeitschrift Die Zukunft aufgefunden wurde. Bekkers annotiertes Typoskript Beethovens Vermächtnis sollte offenbar, wie Langenbruch darstellte, bei Editions Phenix erscheinen, blieb jedoch unpubliziert. Die Bonner Tagung verfolgte nun das Ziel, diese Schrift zu kontextualisieren und grundsätzlich danach zu fragen, wie Exilantinnen und Exilanten mit der Musik und dem Image Beethovens umgingen, auf welche Situation sie in den Exilländern trafen und welche Beiträge sie im Exil zur Interpretation und Rezeption Beethovenscher Werke lieferten. Dazu vereinten die Organisatorinnen der Tagung, Anna Langenbruch (Universität Oldenburg) und Christine Siegert (Beethoven-Archiv Bonn), Referentinnen und Referenten, die einen globalen Blick auf Beethoven im Exil freigaben.

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Frankfurt am Main, 14. bis 17. Februar 2018

Aufführung und Edition

von Lena Nieper, Frankfurt am Main

Wie verändert sich die editorische Praxis, wenn man den Gegenstand aus der Perspektive ihrer Aufführung betrachtet? Die 17. Internationale Tagung der Arbeitsgemeinschaft Germanistische Edition brachte Vertreterinnen und Vertreter der Literatur, Musik- und Theaterwissenschaften sowie der Informatik zusammen, um dieser Frage nachzugehen. Zum ersten Mal von musikwissenschaftlicher Seite konzipiert, wurde die Tagung vom Frankfurter Institut für Musikwissenschaft in Kooperation mit der Fachgruppe freie Forschungsinstitute der Gesellschaft für Musikforschung und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz organisiert. Im Mittelpunkt stand die Kategorie der Aufführung als Gegenstand der Edition im Spannungsfeld von digitalen Darstellungsmöglichkeiten und editionstechnischen Herausforderungen. Die vier Plena und zwölf Sektionen der Tagung mit über fünfzig Rednern boten dabei reichlich Gelegenheit zur Diskussion; abgerundet wurde das Programm durch zwei Konzerte.

Ulrich Konrad (Würzburg) eröffnete das erste Plenum mit einem Vortrag über das Spannungsverhältnis zwischen Notentext bzw. Edition und Aufführung von Werken unter anderem am Beispiel von Mozart und Andrew Lloyd Webber. Joachim Veit (Detmold / Paderborn) thematisierte in seinem Beitrag die Zukunft der digitalen Musikedition, die er an einem Scheideweg sieht. Der Grund hierfür liegt in der wachsenden Komplexität verlinkter Informationen, was dazu führt, das der Nutzer sich in den partiell veränderbaren Datenverbindungen nicht mehr zurechtfinden kann. Andererseits reflektierte Veit die scheinbare Objektivität, die digitale Musikeditionen durch die Bereitstellung von Digitalisaten oder performativen Elementen suggerierten, und mahnte zur kritischen Reflexion. Am Ende des Eröffnungstages fand die konzertante Aufführung von Georg Anton Bendas Melodram Medea (1784) in einer Streichquartett-Fassung statt. Moderiert wurde das Konzert von Jörg Krämer (Erlangen-Nürnberg), der das Werk im Rahmen des Projektes OPERA ediert.

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Sofia, 9. bis 11. Februar 2018

Die bulgarische Musikwissenschaft – Retrospektiven und Perspektiven (70 Jahre Musikwissenschaft in der BAN)

von Patrick Becker, Berlin

Anlässlich der Feier ihres 70-jährigen Bestehens richteten die MusikwissenschaftlerInnen der Sektion „Musik“ des Instituts für Kunstwissenschaften (Institut za izsledvane na izkustvata) an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAN) in Sofia eine wissenschaftliche Konferenz aus, an der mehr als 40 Vortragende aus Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Serbien, Ungarn und den Vereinigten Staaten teilnahmen. Die Institutionalisierung der bulgarischen Musikwissenschaft geht auf die Initiative des Komponisten und Akademiemitglieds Petko Stajnov zurück, der 1948 ein Institut für Musik an der BAN gründete und bis zu seinem Tod im Jahr 1977 leitete. 1988 wurde das Institut auf Beschluss des bulgarischen Ministerrats mit dem Institut für Kunstwissenschaft fusioniert und ging in der Sektion „Musik“ auf, die gemeinsam mit den Sektionen „Bildende Künste“, „Theater“, „Film und Fernsehen“ sowie „Architektur“ das heutige Institut bildet. Das Musikarchiv dieser Institution umfasst gut 10.000 Transkriptionen bulgarischer Volkslieder auf 250.000 Bögen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückdatieren, 5.000 Magnettonbänder, 800 Wachsrollen und über 1.000 Vinylaufnahmen der landeseigenen Volksmusik sowie 800 Schwarzweiß- und Farbfilme von verschiedenen Forschungsreisen in Bulgarien.

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Berlin, 26. bis 28. Januar 2018

450 Jahre Staatskapelle Berlin. III. Symposium: Auf dem Weg zum großen Opern- und Sinfonieorchester. Die Königlich Preußische Hofkapelle von 1811 bis 1918

von Friederike Janott, Hamburg

Anlässlich des im Jahr 2020 anstehenden 450-jährigen Jubiläums eines der ältesten Orchester der Welt veranstaltete die Staatsoper Berlin, die mit dieser Spielzeit auch wieder im altehrwürdigen Opernhaus Unter den Linden ansässig ist, das bereits dritte Symposium in einer Reihe, die sich der Entwicklung der Staatskapelle Berlin von ihren Anfängen bis in die Gegenwart widmet. Während das erste Symposium im Jahr 2015 den Zeitraum von der Ersterwähnung der kurbrandenburgischen Kapelle (1570) bis zum Hoforchester des ersten Königs von Preußen abdeckte und das zweite 2016 den Werdegang der Hofkapelle während der wechselhaften innenpolitischen Lage Preußens im 18. Jahrhundert verfolgte, nahm das diesjährige Symposium die Entwicklung der Königlich Preußischen Hofkapelle zum Opern- und Symphonieorchester im langen 19. Jahrhundert in den Blick.

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