Tagungsberichte | 2017

Wrocław, 12. bis 13. Dezember 2017

Analiza dzieła muzycznego. Historia – theoria – praxis / Musical Analysis. Historia – Theoria – Praxis

von Gesine Schröder, Leipzig / Wien

Der fünften Ausgabe der alle zwei Jahre an der Musikakademie „Karol Lipiński“ in Wrocław stattfindenden Konferenzserie zur musikalischen Analyse, organisiert von Anna Granat-Janki, der Inhaberin des dortigen Lehrstuhls für Musiktheorie und schlesische Musikkultur, waren ein Konzert und eine Ausstellung beigegeben. Anlässlich von Karol Szymanowskis 80. Todestag widmeten diese sich dessen Werk und Leben. Studierende und Lehrende der Musikakademie spielten und sangen in beachtlicher Qualität zwischen 1900 und 1929 entstandene Werke für Klavier solo, für Geige und Klavier, Klavierlieder und einen Chorzyklus, die nebenbei auch zu semiotischen Anstrengungen einluden. Damit ist ein zentrales Interesse der neueren polnischen Musiktheorie angedeutet: Intertextuelle und transmediale Studien liegen seit Längerem in ihrem Hauptinteresse. Zahlreiche Forscherinnen und Forscher aus Polen nahmen an der Konferenz teil, hinzu kamen Vortragende aus Belgien, Brasilien, Deutschland, Litauen, Österreich, der Slowakei, Ungarn und den Vereinigten Staaten. Was bewirkt die Übertragung von Musik in ein anderes künstlerisches Medium und umgekehrt? Wie funktionieren intersemiotische Übersetzungen eines visuellen Zeichensystems in ein akustisches? Interdiskurse und die Theorie der Topics wurden bemüht. Um musikalische Bedeutung zu konstruieren, griffen die Vortragenden vorzugsweise zu semiotischen Analysewerkzeugen.

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Bologna, 17. bis 19. November 2017

21. Colloquio del „Saggiatore musicale“/ 21. Tagung des „Saggiatore musicale“

von Giuseppina Crescenzo, Weimar

In der Reihe der „Colloqui di Musicologia“, die der Verein „Il Saggiatore musicale“ alljährlich ausrichtet, fand in Bologna das mittlerweile 21. Kolloquium statt. Das Programm bestand nach einem äußerst anregenden Eröffnungsvortrag von Paolo Fabbri (Ferrara) zur musikalischen Biographik aus zwei Round Tables und dreißig freien Referaten. Das erste Panel mit Claudio Bacciagaluppi, John Butt, Franco Buzzi, Wolfgang Hochstein und Alberto Rizzuti, moderiert von Raffaele Mellace (Genua), fokussierte die Reformation im Kontext der europäischen Musik seit 1517, während sich das zweite mit Musiktheater und Neoklassizismus befasste. Hier referierten unter der Leitung von Virgilio Bernardoni (Bergamo) Adriana Guarnieri, Anna Maria Morazzoni, Raffaele Pozzi, Guido Salvetti, José Sasportes und Gianfranco Vinay.

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Stuttgart, 16. bis 18. November 2017

Die Kantate: Quellen, Repertoire und Überlieferung im deutschen Südwesten 1700-1770

von Jörg Holzmann und Frithjof Vollmer, Stuttgart

Obwohl die Geschichte der lutherischen Kirchenmusik im 18. Jahrhundert maßgeblich von der Kantate geprägt wurde, konzentrierte sich die Erforschung dieser Gattung bislang auf den nord- und mitteldeutschen Raum – so Joachim Kremer (Stuttgart) über die Motivation für diese Tagung. Denn zahlreiche nachweisbare und überlieferte Quellen geben Anlass, auf die Entwicklung der Gattung in Südwestdeutschland zwischen 1700 und 1770 aufmerksam zu machen. Die Kooperation zwischen der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, der Universität Stuttgart (Abteilung Landesgeschichte) und dem Landeskirchlichen Archiv bot die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch, der sich in drei Themenkomplexen entfaltete, beginnend zunächst mit einer Einordnung der Kantate in den kirchen- und frömmigkeitsgeschichtlichen Kontext.

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Hamburg, 17. September 2017

Musik und Bewegung. 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie

von Nicola Bunte, Detmold

Für die deutschsprachige Musikpsychologie ist das Institut für Systematische Musikwissenschaft der Universität Hamburg geschichtsträchtig, wurde doch hier eine ganze Schule von Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftlern mit musikpsychologischem Erkenntnisinteresse geprägt. Zu dieser gehören auch Helga de la Motte-Haber, Klaus-Ernst Behne und Günter Kleinen, die gemeinsam im Jahr 1983 die Deutsche Gesellschaft für Musikpsychologie mit dem Ziel gründeten, der deutschsprachigen Musikpsychologie ein Forum zu bieten. So wundert es nicht, dass die 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie (DGM) am Hamburger Institut mit Bezug zu dieser Geschichte eröffnet wurde. Die wie gewohnt dreitägige Konferenz widmete sich dem Thema „Musik und Bewegung“, zu dem der lokale Gastgeber und Organisator Clemens Wöllner seit seiner Berufung an das Institut für Systematische Musikwissenschaft mit großem Erfolg einen Forschungsschwerpunkt aufgebaut hat. Zeugnis hiervon ist das laufende Projekt „Slow Motion: Transformations of Musical Time in Perception and Performance“ (SloMo), in dem seit Anfang 2017 – gefördert durch den Consolidator Grant des European Research Council – die Wirkung gedehnter Zeit erforscht wird.

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Bern, 13. bis 16. September 2017

Rund um Beethoven. Interpretationsforschung heute

von Valeria Lucentini, Bern

Der Begriff der Interpretation ist eine charakteristische Kategorie unserer Zeit, mit der wir Musik aus allen Epochen ästhetisch und hermeneutisch verbinden. Hermann Danuser unterscheidet drei Modi der musikalischen Interpretation, nämlich den historisch-rekonstruktiven, den traditionellen und den aktualisierenden. Alle drei Modi und weitere Aspekte der heutigen Interpretationsforschung rund um das Werk Beethovens standen im Fokus des viertägigen interdisziplinären Symposiums an der Hochschule der Künste Bern (HKB), das auf drei exemplarisch für diese Modi stehenden aktuellen SNF-Projekten basierte: In dem von Thomas Gartmann geleiteten Projekt „Vom Vortrag zur Interpretation“ wurden die Veränderungen und Weiterentwicklungen der interpretatorischen Praktiken , mit denen sich die Interpretation von Beethovens Musik gewandelt hat, aufgrund von Ausgaben durch Moscheles respektive mithilfe von Klavierrollen untersucht, während bei „Annotated Scores“ (Leitung: Chris Walton) eine detaillierte Geschichte der Interpretation im 19. und 20. Jahrhundert anhand annotierter Dirigierpartituren als Primärquellen erforscht wird. Schließlich greift „Verkörperte Traditionen romantischer Musikpraxis“ (Leitung: Kai Köpp) zu „Embodiment“ als einer Methode, Wissen durch das körperliche Verstehen historischer Informationen über die Musik des 19. Jahrhunderts zu generieren.

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Bremen, 15. bis 17. November 2017

Stand und Perspektiven musikwissenschaftlicher Homosexualitätsforschung

von Eva Rieger, Vaduz

Das von Michael Zywietz organisierte Symposion des Instituts für Kunst- und Musikwissenschaft an der Hochschule für Künste Bremen bot angesichts der bisherigen Vernachlässigung des Forschungsfelds in deutschen Landen eine erfreuliche Themenvielfalt. Nach einer Übersicht über den Stand der Forschung (Eva Rieger) wurde die Frage nach Theodor W. Adornos Einstellung gegenüber Homosexuellen geklärt (Bernd Feuchtner): Adorno konnte kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Der Fall Nicolas Gombert, Kapellmeister am Hofe Karls V., der wegen Sodomie bestraft wurde, beschäftigte Michael Zywietz, der die These vertrat, dass die kirchliche Seite Gnade walten ließ – eine Erkenntnis, die quer zu den bisherigen Auffassungen steht, aber durch akribische Forschung nachgewiesen wurde. Juana Zimmermann stellte Brittens Vokalkompositionen für Peter Pears vor. Das Paar konnte sich damals nicht zueinander bekennen, lebte und schuf aber in freiheitlicher Atmosphäre. Cornelia Bartsch spürte homoerotische Narrative in Leben und Werk Ethel Smyths auf, sprach von „querständigen Spuren“ in der Musik und verdeutlichte, wie Smyth an der Dekonstruktion von Weiblichkeitsmythen beteiligt war. Mit dem Beitrag „Zum Leben und Wirken der Pianistin Smaragda Eger-Berg“ zeigte Anna Ricke Bilder, Rollen und Räume einer homosexuellen Künstlerin, deren Nachlass wohl nur vorhanden ist, weil sie die Schwester Alban Bergs war. Rebecca Grotjahn konnte zum Thema „Countertenöre zwischen Querständigkeit und Heteronormativität“ Erhellendes zu den Stimmfächern beitragen, die zwischen den Geschlechtern weitaus weniger unterscheidbar sind, als man vermuten würde. Hans-Joachim Hinrichsen referierte aus klassisch musikologischer Perspektive die lebhaft-erregte Diskussion um 1990 in den USA über eine mögliche Homosexualität Franz Schuberts und billigte dieser Interpretation eine gewisse Berechtigung zu, insofern es zur Normalität gehört, Musik im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu zu interpretieren. In der Diskussion wurde betont, wie wichtig diese Entwicklung für die Anerkennung einer schwulen Rezeption damals war, da sie neue Fragen zum Begriff der Identität berührte, und damit erkenntnistheoretische Türen öffnete. Kevin Clarke gab einen Überblick über die Beschäftigung mit dem Thema Sexualität in der Operette in der neueren Forschungsliteratur. Nach der Entsexualisierung in der NS-Zeit nahm auch die Nachkriegszeit das umfangreiche historische Quellenmaterial zu Sexualität und Operette nicht zur Kenntnis. In den USA werden Fragen zu Gender und (Homo)sexualität längst wissenschaftlich behandelt. Anno Mungen referierte über „Oper und Homosexualität, Bayreuth und der Nationalsozialismus“, wobei er die in Bayreuth relevanten Diskurse 1900-1945 besprach und am Beispiel von Wieland Wagner widersprüchliche Konstruktionen von Männlichkeit aufzeigte. Ein Vortrag von Beatrix Borchard zur Problematik von Kategorisierungen und Markierungen von Geschlecht und sexueller Orientierung in Lexika fiel wegen Krankheit leider aus; Martina Bick konnte aber wenigstens Beispiele von sogenannten „Männerseiten“ der Forschungsplattform Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet zur Diskussion stellen.

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Hamburg, 10. bis 11. November 2017

Hamburger „Gottseligkeit“. Thomas Selle und die geistliche Musik im 17. Jahrhundert

von Friederike Janott, Hamburg

Thomas Selle, der mit seinem Antritt der Kantoratsstelle am Hamburger Johanneum im Jahre 1641 nicht nur eine der attraktivsten Stellen dieser Zeit bekleidete – er übernahm damit zugleich die Verantwortung für die Figuralmusik an allen Hamburger Haupt- und Nebenkirchen –, sondern Zeit seines Lebens mit einer handschriftlichen Gesamtausgabe seiner Werke aktiv an seinem künstlerischen Nachleben arbeitete, ist heute nur noch wenigen bekannt. 282 geistliche Kompositionen umfassen seine Opera omnia, die er 1659 der Städtischen Bücherei Hamburg übergab und die heute noch in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky liegen. Der editorischen Erschließung dieser Werke widmet sich ein von Prof. Dr. Ivana Rentsch geleitetes DFG-Projekt, das voraussichtlich im Oktober 2018 mit der Online-Publikation der 282 kritisch edierten Werke abgeschlossen sein wird. In diesem Rahmen veranstaltete das Institut für Historische Musikwissenschaft der Universität Hamburg eine internationale Tagung. Eröffnet wurde sie von Ivana Rentsch (Hamburg), die in ihrem Vortrag Selles geistliche Kompositionen seiner Hamburger Zeit und deren Durchdringung von weltlichen und geistlichen Prämissen im Hinblick auf Wirkungsästhetik und theologischer Verortung untersuchte. Es folgten Vorträge von Reinmar Emans (Hamburg), der Einblicke in die professionellen Musikernetzwerke in der nord- und mitteldeutschen Musiklandschaft zur Zeit Selles gab, und Michael Maul (Leipzig), der auf der Grundlage einer ausführlichen Darstellung der Organisation und des Aufbaus der Leipziger Thomasschule – die Selle möglicherweise selbst besucht haben könnte – und ihrer Ähnlichkeiten zu dem Hamburger Modell die These ableitete, dass Selle die Hamburger Kirchenmusik sehr wahrscheinlich nach dem Vorbild der Leipziger Thomasschule organisierte. Dem unter dem Aspekt der Organisation von Wissensbeständen bisher wenig erforschten Korpus von Musiklehrschriften widmete sich Inga Mai Groote (Heidelberg) anhand von Selles um 1642 erschienenem Traktat Kurtze doch gründliche anleitung zur Singekunst im Kontext anderer Musiklehrschriften des 17. Jahrhunderts.

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Shanghai, 8. bis 11. November 2017

2017 International Forum on the Construction of Music Theory

von Gesine Schröder, Leipzig / Wien

Anlässlich seines 90-jährigen Bestehens richtete das von dem Riemann-Schüler Xiao Youmei mitbegründete Konservatorium Shanghai im November 2017 ein Forum aus, zu welchem 23 Rednerinnen und Redner – nicht aus der ganzen Welt, aber aus China, Deutschland, England, Frankreich, Österreich und den Vereinigten Staaten – geladen waren. Das Generalthema des Forums lautete „China and the World: The Thinking and Ideology of Music Theory and Graduate Education“. Die drei Unterthemen waren „Trend and development of culture and ideology-based music theory“, „New thinking, new methods, and new technologies of music theory research in the 20th century“ und „Graduate education and graduate programme development for music theory-related disciplines“. Aus allen Landesteilen Chinas waren Musiktheoretikerinnen und Musiktheoretiker angereist, um an dem Forum teilzunehmen. Das für musiktheoretische Veranstaltungen ungewöhnlich große Publikum nutzten ehemalige Absolventinnen und Absolventen der wichtigsten chinesischen Konservatorien offenbar flugs für Klassentreffen. Der Optimismus, den das General- und die Unterthemen verbreiteten, war für die Geladenen ein Signal, sich mit Reflexionen über vergangene Theorien nicht lange aufzuhalten. Profitieren will man am Konservatorium Shanghai von jüngst erfundenen musiktheoretischen Forschungsmethoden, allerneuesten Analysetechniken und von zukunftsträchtigen Studienprogrammen. Betont wird Ideologie – verstanden als geistige Haltung oder Weltanschauung, nicht als falsches Bewusstsein –, ein vorauseilender Tribut an die städtische Erziehungskommission Shanghais, welche Rückbesinnungen marxistischen Anstrichs offensichtlich neuerdings begrüßt und dem Konservatorium bei deren Ausbleiben die großzügige finanzielle Unterstützung womöglich entzogen hätte. So aber fühlten sich die Gäste des Konservatoriums Shanghai als Kaiserinnen und Kaiser von China: Reisekosten wurden übernommen, ein Luxushotel gleich neben dem Konferenzraum war da, man hatte immerwährende studentische Unterstützung und wurde über Kopfhörer durchgehend mit Simultan-Übersetzungen der chinesischen Vorträge und Diskussionsbeiträge versorgt. Was will man mehr?

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Philadelphia, 12. bis 14. Oktober

Georg Philipp Telemann: Enlightenment and Postmodern Perspectives

von Wolfgang Hirschmann, Halle an der Saale

Nach den Tagungen in den Telemannstädten Hamburg und Frankfurt am Main bildete die Konferenz am Boyer College of Music and Dance der Temple University (Philadelphia) einen besonderen Höhepunkt der wissenschaftlichen Veranstaltungen anlässlich des 250. Todestages des Komponisten. Sie war nicht nur die erste diesem Komponisten gewidmete Konferenz in den USA, sondern die erste Telemann-Tagung außerhalb Deutschlands überhaupt. Die Telemannforschung hat in den USA inzwischen einen solch prominenten Status erreicht, dass es nur eine Frage der Zeit war, dass die deutsche und die amerikanische Forschung sich zu einem gemeinsamen Veranstaltungs- und Diskussionsforum zusammenfinden würden.

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Bonn, 4. bis 7. September 2017

Philologisches Arbeiten von der Textgenese zur Rezeption

von Lavinia Hantelmann, Mainz

Das diesjährige Beethoven-Studienkolleg „Philologisches Arbeiten von der Textgenese zur Rezeption“ in Bonn war stark international geprägt. Dank der Förderung durch die Gesellschaft für Musikforschung konnten die Teilnehmer nicht nur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch aus den USA anreisen.

Vier musikphilologisch intensive, lehrreiche und interessante Tage standen den angehenden Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftlern bevor, Tage, die mit der Textkonstitution von Beethovens Sonaten für Cello und Klavier und der Neunten Sinfonie begannen. Verschiedene Drucke, teils mit Korrekturen und Anmerkungen Beethovens, wurden mit den Skizzen und Reinschriften auf ihre Umsetzung hin verglichen. „Was wollte Beethoven wirklich in den Noten stehen haben?“, war die Frage, deren Antwort es zu erarbeiten galt. Drucküberlieferungen können sehr vielfältig sein und sind, wie die Kollegiaten feststellen mussten, selten datiert. Durch äußere und innere Merkmale konnten die Druckausgaben von Beethovens Adelaide op. 46 am Ende jedoch gemeinsam erfolgreich in eine zeitliche Reihenfolge gebracht werden.

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Hamburg, 20. bis 22. Juli 2017

Musik im Science-Fiction-Film

von Hans J. Wulff, Kiel

Neue Welten, veränderte Realitäten, ungehörte Töne: Science-Fiction lädt den Zuschauer ein, sich auf das Andere einzulassen, das der menschlichen Zivilisation begegnen könnte. Das Andere, das in der Geschichte der Erde auf seine Erweckung wartet (wie Riesenaffen oder Echsen), das entsteht, wenn tiefe Kontrakte zwischen den Lebewesen der menschlichen Welt aufgekündigt werden (wenn sich etwa die Tiere gegen die Herrschaft der Menschen erheben) oder wenn – aus heiterem Himmel, aufgrund chemischer Experimente, vielleicht auch von Versuchen mit Radioaktivität – Krankheiten über die Menschheit kommen, gegen die es kein Gegenmittel gibt. Science-Fiction lädt aber auch ein, sich auf die Entwürfe zukünftiger Lebenswelten einzulassen, die sich aus den Entwicklungen und Dynamiken von Gesellschaft, Politik und Technik ergeben. Da sind Entwürfe der Weltzerstörung und des Existenzkampfes letzter Überlebender ebenso zu finden wie Gesellschaften, die in radikaler Weise zu Autokratien und Terrorherrschaften gewandelt sind; da müssen Menschen in Städten leben, die zu Megacities herangewachsen sind, in denen sich neue Feudalismen und Herrschaftssysteme ausbreiten und denen Not herrscht, oder in denen der Überfluss durch grundlegende Eingriffe in individuelle Freiheiten (bis zur Entscheidung über das Leben selbst) erkauft werden muss. Vor allem aber ist da von Gesellschaften die Rede, die durch eine gewaltige Expansion der Technosphäre sich gewandelt haben – die den zivilisatorischen Handlungsraum in den Weltraum erweitert, die das Ensemble der Lebenden um neue Mitbewohner der Welt vermehrt (wie Roboter und Klonwesen) oder die vielleicht sogar die einzigartige Alltagswelt um virtuelle Welten vergrößert haben. Begegnungen mit Anderen aus anderen Welten gehören dazu, die nicht nur die Einzigartigkeit des Menschen, seiner Kultur und Intelligenz in Frage stellen, sondern die ihn auch in Konfrontationen hineinführen, für die die Geschichte keine Vorbilder kennt. Die Grenzen der Science-Fiction (SF) zur Fantasy und zum Horrorfilm sind fließend (und manche Theorie bringt die dramatischen Konflikte der SF in Verbindung mit Tiefenängsten wie aber auch mit Erlösungsphantasmagorien der Zuschauer).

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Salzburg, 29. Juni bis 1. Juli 2017

Gaspar van Weerbeke: Works and Contexts

von Mirijam Beier, Alina Kirchner und Jan-Felix Wall, Salzburg

Der franko-flämische Komponist Gaspar van Weerbeke (ca. 1470 – ca. 1517) stand im Zentrum einer internationalen Tagung, die im Rahmen des FWF Forschungsprojekts „The Gaspar van Weerbeke Edition“ unter der Leitung von Andrea Lindmayr-Brandl und den Mitarbeitern Paul Kolb sowie Agnese Pavanello (Schola Cantorum Basiliensis) veranstaltet wurde. Der Anlass dazu war ein doppelter: Zum einen feierte man ein 500-jähriges Jubiläum – das letzte bekannte Dokument zu Gaspar van Weerbeke stammt aus dem Jahr 1517 –, zum anderen den Abschluss der Edition, deren Beginn auf einen Vertrag mit Corpus Mensurabilis Musicae bereits aus dem Jahr 1951 zurückgeht. Zur Eröffnung der Tagung waren nicht nur der Gründungsvater der Ausgabe anwesend, Prof. Dr. Gerhard Croll, der kürzlich seinen neunzigsten Geburtstag feiern konnte, sondern auch alle anderen Mitglieder des Herausgebergremiums.

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Schwetzingen, 17. bis 18. Juni 2017

Die Familie Stamitz und die europäische Musikermigration im 18. Jahrhundert

von Hanna Knötzele, Heidelberg

Anlässlich des 300. Geburtstags von Johann Stamitz veranstalteten die Forschungsstelle „Geschichte der südwestdeutschen Hofmusik“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim und das Kurpfälzische Kammerorchester e.V. am 17. und 18. Juni 2017 ein Symposium mit anschließendem Festvortrag und Festkonzert. Die in Schwetzingen stattfindende Tagung unter der Leitung von Silke Leopold (Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Schwetzingen) und Panja Mücke (Fachgruppe Musikwissenschaft/ Musikpädagogik, Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim) verstand sich als Impulsgeber und Forum für einen insbesondere an Nachwuchswissenschaftler gerichteten Diskurs über die Bedeutung von internationaler Mobilität im 18. Jahrhundert im Umfeld der „Mannheimer Schule“.

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Augsburg, 14. bis 16. Juni 2017

Das musikalische Erbe der Reformation

von Ute Evers, Augsburg

Die Tagung im Augsburger Zeughaus wurde organisiert von Franz Körndle (Universität Augsburg), Moritz Kelber (Universität Salzburg), Grantley McDonald (Universität Wien) und Alanna Ropchock (Shenandoah University), unterstützt von der Universität Augsburg, der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg und dem Verein „Klostermusik in Schwaben“.

Nachdem die Tagung mit einem abendlichen Vortrag von Wolfgang Augustyn (Zentralinstitut für Kunstgeschichte München) zum Thema „Glanz und Zweifel – Augsburg im Zeitalter des Umbruchs“ eröffnet worden war, begann der nächste Tag mit einem Beitrag von Alanna Ropchock (Shenandoah University) über polyphone Messvertonungen im frühen Luthertum aus Sachsen und Thüringen. Anschließend sprach Scott Edwards (Universität Wien) über lateinische Kompositionen Ludwig Senfls in gedruckten Sammlungen aus Eger (Cheb) und Joachimsthal (Jáchymov). Megan Eagan (East Carolina University) analysierte die Textquellen für Psalmmotetten aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Vorträge von David Burn (KU Leuven) und Grantley McDonald (Universität Wien) beschäftigten sich mit Philipp Melanchthon: Burn sprach über Kompositionen, die Melanchthon gewidmet wurden, und McDonald über dessen Schriften zur Musik. Die Vormittagssitzung endete mit einem Beitrag von Henry Hope (Universität Bern) über die Geistlichen Ringeltentze Valentin Voigts (1550).

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Pesaro, 9. bis 11. Juni 2017

Rossini 2017

von Richard Erkens, Rom

Kein schneller Auftakt, sondern vielmehr ein großes „Vorspiel auf der Wissenschaftsbühne“ war der dreitägige internationale Kongress „Rossini 2017“ in Pesaro, der das kommende Gedenkjahr 2018 zum 150jährigen Todestag Gioachino Rossinis einläutete. Siebzehn Vorträge ausgewiesener Rossini-Spezialisten bzw. Opernforscher dieser Epoche und die durchgängig anregenden Diskussionsbeiträge der Anwesenden machten nicht nur die aktuelle Vielfalt der perspektivischen Annäherung an den kompositorischen Großmeister aus Pesaro deutlich, sondern zugleich auch die beeindruckende Erschließungstiefe wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit ihm, die über die letzten Jahrzehnte geleistet wurde, federführend mit und durch die Arbeit der Fondazione G. Rossini. Das Themenspektrum reichte von Beiträgen zur Editionsarbeit, spezifischen Aspekten der Werkanalyse und Fragen historischer Aufführungspraxis über politische Lesarten von Werk und Wirkung unter transnationaler Perspektive bis hin zu Beispielen der Rezeption Rossinis vorzugsweise aus dem 19. Jahrhundert. Fragen zur Musikdramaturgie Rossinis (etwa Gattungsästhetik, formale Anlagen oder Satzmodelle) sowie zum operngeschichtlichen Kontext, aus dem Rossini erwuchs und in den hinein der 21jährige spätestens mit Tancredi (Venedig 1813) europaweit zurückwirkte, wurden indes nicht explizit aufgeworfen. Ganz abwesend waren die Zeitgenossen dennoch nicht dank eines Konzertes im großartigen Auditorium Pedrotti im Conservatorio Rossini, in dem die Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, begleitet vom Orchestra Sinfonica G. Rossini unter der Leitung von Benjamin Bayl, zwei „Gran scene“ von Giovanni Simone Mayr (aus Ginevra di Scozia) und Rossini (aus Ciro in Babilonia) sang, angereichert u.a. durch eine Sinfonia von Pietro Generali. Tancredis Auftritts-Cavatina gab es als Zugabe dieses denkwürdigen Konzertes.

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Bern, 19. bis 20. Mai 2017

Authenticity versus Improvisation in the Philosophy of Music?

von Livio Marcaletti, Wien

Die Tagung bot Gelegenheit für einen lebendigen Gedankenaustauch zwischen Philosophen und Musikwissenschaftlern über die Begriffe Authentizität und Improvisation. Die Musikphilosophie verwendet sie üblicherweise, um Aufführungen zu beschreiben und zu kategorisieren. Improvisation als Spontaneität und Freiheit der Aufführenden in verschiedenen Bereichen – vom Generalbass und Ornamenten der Barockmusik über Standard Jazz bis zur freien Improvisation – stellt ein philosophisches Problem dar, wenn man die Authentizität eines solchen Ereignisses bewerten will, da übliche Kategorien (Authentizität als Konformität mit der Intention des Komponisten, wie sie etwa Peter Kivy beschreibt) kaum verwendbar sind.

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Rom, 17. Mai 2017

Musica e pace. Nuove ricerche sull’Età moderna

von Giuseppina Crescenzo, Weimar

Politische Ereignisse, so auch Friedensschlüsse, finden ihr ganz besonderes kulturelles Echo, das wiederum auch in der Politik nicht ohne Einfluss bleibt. Diese Wechselwirkungen gilt es bewusst zu machen und zu analysieren. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Musik und die anderen Künste? Im Rahmen des interdisziplinären und internationalen Dreijahresprojekts der Leibniz-Gemeinschaft unter dem Titel „Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Repräsentationen des Friedens in der Frühen Neuzeit“ gibt es seit 2015 eine wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz, dem Deutschen Historischen Institut in Rom (Musikgeschichtliche Abteilung), der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und dem Historischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Das Verbundprojekt nimmt die vielfältigen kulturellen Repräsentationen des Friedens im vormodernen Europa in den verschiedenen Disziplinen in den Blick. Es umfasst neben dem an der Musikgeschichtlichen Abteilung verorteten musikwissenschaftlichen Projekt „Topoi der Friedensrepräsentation in der italienischen Kantate (17.–18. Jahrhundert)“ eine Reihe weiterer Teilprojekte, die sich nun unter der Moderation von Markus Engelhardt, dem Leiter der Musikgeschichtlichen Abteilunng, im Rahmen eines Studientages am Deutschen Historischen Institut in Rom vorstellten.

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Wien, 11. bis 12. Mai 2017

Leopold Spinner (1906-1980). Komponist in Wien und London

von Jürg Stenzl, Salzburg

„Leopold Spinners Musik hat bisher nur wenig Beachtung gefunden. In Veranstaltungen, die der Wiener Schule oder ihrer direkten Nachfolge gewidmet waren, konnte man gelegentlich ein Stück von ihm zu hören oder auch, in Ausstellungen, zu sehen bekommen. Die Reaktion der ohnehin begrenzten Öffentlichkeit war meist wohlwollend und respektvoll, selten verständnislos, aber keines dieser Ereignisse hat eine mehr als lokale Wirkung gehabt und ein nennenswertes Interesse für Spinner hervorgerufen, weder bei Musikern noch bei Musikwissenschaftlern, nicht einmal bei denjenigen, deren spezielle Bemühungen der Wiener Schule und der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts gelten.“ Mit diesen Worten begann vor dreißig Jahren die bis heute einzige Buchveröffentlichung mit einem umfassenden Werkverzeichnis und Texten des Komponisten Leopold Spinner (1906-1980) von Regina Busch.[1] Im Jahr 2006 stand dem Autor Reinhard Kapp für den Spinner-Artikel der neuen MGG gerade eine gute Spalte zur Verfügung.

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Nürnberg, 9. bis 11. Mai 2017

Private Passion – Public Challenge. Musikinstrumente sammeln in Geschichte und Gegenwart

von Sascha Wegner, Bern

Musikinstrumenten kommt eine historische Sonderstellung zu, stellen sie doch neben Tonträgern und Noten die einzigen materiellen Objekte der an sich immateriellen Kunstform Musik dar. Der kulturgeschichtlichen Dimension des Sammelns von Musikinstrumenten widmete sich eine internationale Tagung, die von den Mitarbeitenden des DFG-Projekts „Musikinstrumente sammeln – das Beispiel Rück“ initiiert und durchgeführt wurde. Im Fokus standen einerseits das Instrument als Gegenstand des kulturellen Gedächtnisses, andererseits der internationale Vergleich von Privatsammlungen und ihren Museen. Ein dritter Komplex diskutierte privates Sammeln und die Musealisierung, während den Besonderheiten historischer Musikinstrumente im Kontext der Provenienzforschung eine abschließende Sektion gewidmet wurde.

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Berlin, 5. bis 7. April 2017

Trayectorias / Cultural Exchanges Music between Latin America and Europe 1945–1970

von Franziska Streblow, Berlin

Der betrachtete Zeitraum zwischen 1945 und 1970 fällt nicht nur mit der Ära des Kalten Krieges, sondern auch mit der Franco-Ära in Spanien und vielen Militärdiktaturen Lateinamerikas zusammen. Die dadurch ausgelösten Migrationsprozesse, die bereits im Spanischen Bürgerkrieg beginnen, führen einerseits nach Lateinamerika, aber auch von Lateinamerika zurück nach Europa. Musikalische Beziehungen infolge institutioneller Einflüsse, Musikfestivals, Konzertreisen, migrierte deutsche und spanische Musikwissenschaftler, Stereotypen von Musik aus und Avantgarde in Lateinamerika bildeten die Kernthemen. Rund dreißig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Ländern und drei Kontinenten diskutierten angeregt im Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin, das diese Konferenz gemeinsam mit der Universität der Künste Berlin und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft veranstaltete. Die Beiträge werden in der IAI-Reihe Ibero-Online veröffentlicht.

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Kiel, 30. März bis 1. April 2017

Music and Humour in Film & TV

von Hans J. Wulff, Kiel

In Howard Hawks‘ Komödie Hatari (USA 1962) spielen drei kleine Elefanten eine gewichtige Rolle, die von einer jungen Frau zur Wasserstelle geführt werden, um dort zu baden. Für sie hat Henry Mancini eine eigene Musik geschrieben, die auf den trippelnden Gang der Tierkinder genau zu passen scheint – eine Stück, die zwischen Übermut, Bewegungslust und Spiel zu schweben scheint. Die Musik nimmt ein, erfasst den Hörer, auch wenn die Bilder fehlen. Nicht erst das mickey-mousing der Bild-Ton-Koordination verleiht ihr jene emotionale Qualität. Ist es eine „lustige Musik“, der das Humorvolle innewohnt? Und wenn ja: Warum ist das so? Unwillkürlich denkt man an den Elephantenmarsch aus The Djungle Book (USA 1967, Wolfgang Reiterman), der in Tempo und Klangfarben so anders ist, den Militärmarsch parodiert und dennoch von ähnlicher Prägnanz ist wie Mancinis Kinderelephanten-Stück. Auch hier die Frage: Ist auch dieses „lustige Musik“? Und im Kontrast der beiden Stücke stellt sich die Frage nach den Qualitäten der Musik umso schärfer.

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Wien, 1. bis 3. Februar 2017

Musiktheatralische Textualität: Opernbezogene Musikdrucke im deutschen Sprachraum des 18. Jahrhunderts.

von Meike Wilfing-Albrecht, Wien

Worin besteht die Funktion eines Musikdruckes, welche Bedeutung kann er für die Reputation des Komponisten haben und welche Erkenntnisse liefern uns die Quellen? Diesen und weiteren Fragen zu den im deutschen Sprachraum gedruckten Opern, zu deren Rezeption und Verbreitung sowie zur Geschichte des deutschen Musikalienhandels widmete sich die von Andrea Horz organisierte Tagung am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien.

Zu Beginn wurde näher auf den Klavierauszug eingegangen, der sehr schnell eine enorme Popularität erlangte, da erfolgreich aufgeführte Werke für das häusliche Muszieren am Klavier hergestellt wurden. Axel Beer (Mainz) skizzierte die Entwicklung und Verbreitung: In Wien begann der Musikalienhandel ab den 1770er Jahren an Dynamik zuzunehmen, da sich neben zahlreichen Kopisten, die weiterhin Handschriften anboten, nun Verlage, wie z.B. Artaria mit Musikdrucken und Klavierauszügen einen Namen machten. Im deutschen Raum konkurrierten außerdem Schott in Mainz, Simrock in Bonn oder Breitkopf in Leipzig. Christine Siegert (Bonn) befasste sich mit Simrock und warf dabei die Frage auf, ob und wie viel Einfluss der Komponist bei der Herstellung eines Druckes hatte. Da den Komponisten durchaus bewusst war, dass ein gedrucktes Werk eine höhere Reputation und stärkere Verbreitung begünstigen konnte, nahmen sie meist auch unautorisierte oder qualitativ weniger ansprechende Stiche in Kauf. Klaus Pietschmann (Mainz) betrachtete die Drucke von Carl Friedrich Cramer, der in den Vorworten ungewöhnlich ausführlich über Opernästhetik und besonders die Funktion des Klavierauszuges reflektierte. Für Cramer spielte Praktikabilität eine große Rolle, sodass er sich für einen Mittelweg zwischen originalgetreuer Wiedergabe und Umsetzbarkeit aussprach. Gerrit Waidelich (Wien) stellte den Klavierauszug der wenig bekannten Oper Melida von Johann Heinrich Rolle vor. Beeindruckende Abrundung erfuhr das Referat durch die Darbietung der großen Soloszene der Melida, die die Sopranistin Karoline Pilcz begleitet von Diána Fuchs folgen ließ.

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Mainz, 21. Januar 2017

Ein Nachmittag mit Gluck: Sein Opernschaffen – Bezüge, Reaktionen, Perspektiven

von Lavinia Hantelmann, Mainz

In Zusammenarbeit zwischen dem Staatstheater Mainz und der Abteilung Musikwissenschaft des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fand am 21. Januar 2017 im sogenannten „Glashaus“ des Staatstheaters ein Symposium zur Mainzer Neuproduktion von Christoph Willibald Glucks Armide statt. Der Nachmittag widmete sich Glucks Opern und deren Rezeption – neben musikwissenschaftlichen Vorträgen auch in Form eines Gespräches zur Inszenierung. Die Moderation des Nachmittags übernahm Gabriele Buschmeier (Gluck-Gesamtausgabe, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz).

Das eröffnende Produktionsgespräch wurde zwischen Ursula Kramer (Universität Mainz) und Ina Karr (Chefdramaturgin Oper, Staatstheater Mainz) mit Unterstützung von Trailern und Ausschnitten aus der aktuellen Mainzer Inszenierung geführt. Hier thematisierten sie insbesondere die Inszenierung und das ästhetische Konzept, das Bühnenbild und Kostümen zugrundelag. Im Vordergrund stand dabei der Kontrast zwischen der in überdimensionierter Künstlichkeit überzeichneten Dekadenz einer barocken Gesellschaft und den Schrecken und Strapazen des Krieges der Welt der Kreuzritter. Die bei der Mainzer Fassung vorgenommenen Umstellungen und Kürzungen der Gluck’schen Oper betrafen vor allem Sprünge in den sogenannten „Lustszenen“ und zielten auf eine dramaturgische Straffung des Stückes.

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