Tagungsberichte | 2015

Bonn, 3. bis 6. Dezember 2015

Beethoven und andere Hofmusiker seiner Zeit im deutschsprachigen Raum

von Julia Ackermann, Wien

„Beethoven und anderen Hofmusikern seiner Zeit im deutschsprachigen Raum“ widmete sich das vom 3.–6. Dezember 2015 im Beethoven-Haus Bonn durchgeführte internationale Symposium, das gemeinsam von der Leiterin des Beethoven-Archivs, Christine Siegert, und den MitarbeiterInnen des von Birgit Lodes an der Universität Wien geleiteten FWF-Projekts zur „Opernbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz“, Elisabeth Reisinger und John D. Wilson, veranstaltet wurde.

Weiterlesen...

Braunschweig, 20.-22. November 2015

Aneignungsformen populärer Musik (26. Arbeitstagung der GfPM)

Von Melanie Schiller, Groningen

Vom 20. Bis 22. November 2015 fand unter dem Thema „ Aneignungsformen populärer Musik“ die 26. Arbeitstagung der Gesellschaft für Popularmusikforschung e.V. (ehem. ASPM) in Braunschweig statt. Gefördert u.a. durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, den Braunschweiger Hochschulbund und die Deutsche Forschungsgesellschaft, hatte das Institut für Musik und ihrer Vermittlung der TU Carolo Wilhelmina zu Braunschweig eingeladen, die komplexen gegenseitigen Wechselwirkungen von Musik Machern, Zuhörern, Produzenten, Fans und natürlich der Musik selbst als Formen der Aneignung zu diskutieren. Ob es darum geht ein Instrument zu erlernen, ein Lied nachzuspielen, Musik zu hören, über Musik nachzudenken, zu schreiben oder sie wissenschaftlich analysieren zu wollen: die Bedeutung von Musik ändert sich in jeder Form der Aneignung – nämlich dem Prozess in dem Musik in den persönlichen Kontext der eigenen Welt übersetzt wird. Aber auch aus Sicht der Musikpädagogik stellt sich die Frage von musikalischen Aneignungsformen: Außerunterrichtliche Aneignungspraxen der populären Musik, das sogenannte informelle Lernen, gewinnen zunehmend an Relevanz, sowohl im Musikunterricht als auch außerhalb der traditionellen Lernumgebungen wie durch Tutorien im Internet.

Weiterlesen...

Leipzig, 19. bis 22. November 2015

Dur vs. Moll

von Dominik Kreuzer, Zürich

Einem »musikalischen Elementarkontrast« von seiner Entstehung aus dem Modussystem des ausgehenden Mittelalters bis hin zu seiner – vielleicht nur vermeintlichen – Nivellierung in der zeitgenössischen Musik nachzugehen, war die Aufgabe, die der Kongress sich selbst und den zahlreich angereisten ReferentInnen gestellt hatte. Trotz der umfassenden Bedeutung der Dichotomie von Dur in Moll für die Musikgeschichte wird das Phänomen, wie die Organisatoren Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich) und Stefan Keym (Hamburg/Leipzig) in ihrer Einführung feststellten, in der aktuellen Forschung kaum beachtet. Die Geschichte dieses Kontrasts, seine Semantisierung und Umkodierung im Laufe der Zeit nachzuzeichnen, sollte daher Ziel der Tagung sein.

Weiterlesen...

Bern, 21. bis 25. Oktober 2015

5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik

von Manfred Novak, Graz, und Yookyung Nho-von Blumröder, Köln

Wie soll Musik in der Kirche heute klingen, wie darf sie klingen angesichts der zunehmenden Entfremdung der Mehrheitsgesellschaft nicht nur von der Kirche, sondern auch von zeitgenössischer Musik? Wie positioniert sich Kirchenmusik (und damit Kirche, die sich in ihrer Musik ausdrückt und spiegelt) in dieser Gesellschaft? Soll bzw. will sie Erwartungshaltungen und Hörgewohnheiten bedienen, oder soll und darf sie durch ihre Kunst auch (ver)stören? Muss sie nicht sogar Gegenklänge und Widertöne einbringen, wenn sie nicht ihre Stimme und Relevanz in der Gesellschaft vollkommen verlieren möchte? Und enger, musikalischer gefragt: Wie verhält sich die künstlerische Freiheit und Aussage der Musik zu ritueller Funktionalität?

Weiterlesen...

Maynooth (Irland), 2. bis 4. Oktober 2015

Der europäische Salon: Salonmusik im 19. Jahrhundert

von Petra Wilhelmy-Dollinger, München

Vom 2. bis 4. Oktober 2015 fand am Institut für Musikwissenschaft der Universität Maynooth (National University of Ireland) eine internationale zweisprachige Konferenz zum Thema „The European Salon: Nineteenth-Century Salonmusik“ statt, an der nicht nur Fachgelehrte aus ganz Europa teilnahmen, sondern auch aus Amerika und Australien. „Der Zweck dieser Tagung ist es, die Bedeutung von Musik, die für den Salon komponiert und dort aufgeführt wurde, sowie die nichtmusikalischen Aspekte des Salons im Kontext des sozio-kulturellen wissenschaftlichen Diskurses über das 19. Jahrhundert neu zu evaluieren“, schrieb Dr. Lorraine Byrne Bodley, Senior Lecturer und Präsidentin der Gesellschaft für Musikwissenschaft in Irland, in ihrer Einleitung zum Konferenzprogramm. Das Konzept dieser interessanten interdisziplinären Tagung hatte Anja Bunzel, Forschungsstipendiatin des Irish Research Council und Doktorandin an der Universität Maynooth, erarbeitet; sie war auch die Vorsitzende des Organisationskomitees und sorgte für den reibungslosen Ablauf der Konferenz. Das Programm beinhaltete Sitzungen im Plenum, Konzert- und Liedvorträge sowie bis zu drei gleichzeitig tagende Sektionen zu speziellen Themen, gruppiert nach systematischen, chronologischen und regionalen Gesichtspunkten.

Weiterlesen...

Halle (Saale), 23. bis 25. September 2015

Studienkurs am Händel-Haus zum Thema „Händels italienische Kantaten“

von Thomas Wozonig, Graz

„Händels italienische Kantaten“ – unter diesem Titel lud die Stiftung Händel-Haus auch 2015 wieder zum Studienkurs in die Stadt an der Saale, um sich mit dem Leben, dem Werk und der Rezeption Georg Friedrich Händels zu beschäftigen. Den MusikwissenschaftlerInnen und ausübenden MusikerInnen, die in diesem Jahr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammten, wurde ein gewohnt umfangreiches und hochwertiges Programm präsentiert, das – freilich im Gegenzug für Lern- und Mitarbeitsbereitschaft – tiefe und in dieser Form sonst nirgends erfahrbare Einblicke in die Person und das Schaffen Händels, die Arbeit der Händel-Gesellschaft, die Institution des Händel-Hauses sowie die Stadt Halle als Ganzes boten.

Weiterlesen...

Leipzig, 21. bis 23. September 2015

Die Klavierfantasien von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann: Analyse – historischer Kontext – Interpretation

von Severin Kolb, Zürich

Unter dem Motto „Die Klavierfantasien von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann: Analyse – historischer Kontext – Interpretation“ stand die erste Sommerschule der Fachgruppe Musiktheorie der Gesellschaft für Musikforschung, die vom Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig organisiert wurde. Mit einem vielseitigen Programm bot sie einen hervorragenden Einblick in das Musikwesen einer Stadt, die die deutsche Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus prägte wie kaum eine andere. In drei dicht gefüllten Tagen sollten – wie der Titel „Analyse – historischer Kontext – Interpretation“ der Tagung ankündigte – ausgehend von diesen beiden Fantasien (op. 28 bzw. op. 17) unterschiedliche Aspekte des Leipziger Musiklebens zum Tragen kommen.

Weiterlesen...

Frankfurt am Main, 4. Juli 2015

„For Cathy Berberian“. Stimmperformance um 1960

von Caroline Lüderssen, Frankfurt a.M.

Murmelnd kommt die Sängerin auf die Bühne, während das Publikum noch seine Plätze einnimmt und im Programmheft blättert. Nur allmählich wird klar: Das Konzert hat bereits begonnen. Zur Aufführung gelangt Luciano Berios Sequenza III per voce femminile von 1965. Der Text stammt von Markus Kutter und lautet: „Give me/a few words/for a woman/to sing/a truth/allowing us/to build a house/without worrying/before night comes“. Vertont mit einer hochgradig virtuosen Abfolge von Melodiefetzen und gesungenen Tönen, im Wechsel mit Kichern, Stöhnen, Pfeifen, Flüstern, Schreien und was es der menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten noch so gibt. Nach dem fulminanten Auftritt der Sopranistin Carola Schlüter mit Sequenza III hat man das Gefühl, dass eigentlich schon alles gesagt ist. Die Revolution der Stimme im Kunstgesang in den 1960er-Jahren – hier hatte man gerade live erlebt, was damit gemeint war. Die Stimmperformerin und Sängerin Cathy Berberian hatte in Carola Schlüter eine ideale Verkörperung und Nachfolgerin gefunden.

Weiterlesen...

Oldenburg, 3. bis 5. Juli 2015

„La cosa è scabrosa“. Musikkulturelles Handeln auf den Opernbühnen in Wien um 1780 

von Levke Höpner, Oldenburg

Basierend auf zahlreichen gelungenen Kooperationen in der Vergangenheit veranstaltete das Institut für Musik der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg auch in diesem Jahr ein musikwissenschaftliches Symposium in Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater, bei dem mit Mozarts „Le nozze di Figaro“ eine Oper im Zentrum stand, die am Staatstheater in der aktuellen Spielzeit 2014/15 nur eine Woche zuvor Premiere gefeiert hatte. Unter dem in der Wissenschaft wohl häufig passenden Titel „La cosa è scabrosa“ („die Sache ist heikel“), der gleichzeitig ein Zitat aus dem „Figaro“ darstellt, wollte man sich anhand der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte dem musikkulturellen Handeln auf den Opernbühnen in Wien um 1780 aus verschiedenen Perspektiven  widmen. Mit der Probebühne des Oldenburgischen Staatstheaters hatten die Organisatorinnen Melanie Unseld, Steffi Turre und Carola Bebermeier ein nicht nur zum Gegenstand passendes, sondern auch stimmungsvolles, angenehmes Ambiente gefunden. So wünschte sich denn auch Christian Firmbach, der Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters, in seinen Begrüßungsworten, dass dieses Symposium die Musikwissenschaft mittels der Verbindung von Theorie und Praxis erfahrbar machen würde. Die Vorträge und Diskussionen gliederten sich dabei in die vier Sektionen (1) Neue Perspektiven auf die Musikkultur um 1800; (2) Opera buffa. Konturen eines Genres; (3) Akteurinnen und Akteure der Opera buffa sowie (4) Figaro hören, spielen, inszenieren.

Weiterlesen...

Mainz, 25. bis 26. Juni 2015

Troja-Kolloquium für Renaissancemusik: Vokalpolyphonie zwischen Alter und Neuer Welt

von Laura Sonnabend (Mainz/Wiesbaden)

Als eine der im deutschsprachigen Raum ersten Tagungen zur Renaissancemusik in Lateinamerika fand am 25. und 26. Juni 2015 das diesjährige Symposium troja an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz statt. Organisiert und geleitet von Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Mainz) in Verbindung mit Prof. Dr. Cristina Urchueguía (Bern) widmeten sich die Referenten und Teilnehmer dem Thema „Vokalpolyphonie zwischen Alter und Neuer Welt. Musikalische Austauschprozesse zwischen Europa und Lateinamerika im 16. und 17. Jahrhundert“.

Weiterlesen...

Köln, 19. bis 20. Juni 2015

Auf dem Weg zu einem neuen Haydn-Werkverzeichnis

Ulrich Wilker, Köln

Die Gesamtausgabe Joseph Haydn Werke, erarbeitet vom Joseph Haydn-Institut in Köln, steht kurz vor ihrer Vollendung. Schlussstein der Ausgabe soll ein neues Werkverzeichnis sein, das das zwar berühmte, aber längst veraltete und teilweise auch problematische Hoboken-Verzeichnis ersetzen soll. In Vorbereitung dieses Projekts veranstaltete das Haydn-Institut vom 19.–20. Juni 2015 den Kongress „Auf dem Weg zu einem neuen Werkverzeichnis“ in den Räumlichkeiten der Fritz Thyssen Stiftung in Köln. Die Referentinnen und Referenten vertraten sowohl die Haydn- bzw. Klassik-Forschung als auch aktuelle Komponisten-Werkverzeichnisse.

Weiterlesen...

Halle, 8. bis 10. Juni 2015

Händel und seine Interpreten / Handel and His Interpreters

von Anna Schaefer, Halle/Saale

Schon seit längerer Zeit bildet Georg Friedrich Händels kompositorisches Schaffen im Hinblick auf seine Interpretenorientiertheit einen Hauptbereich der internationalen Händelforschung. In Anbetracht dieses besonderen Forschungsgegenstandes veranstalteten die Internationale Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft, die Stiftung Händel-Haus und die Abteilung Musikwissenschaft am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 8. bis 10. Juni 2015 die diesjährige Internationale Wissenschaftliche Konferenz zu den Händel-Festspielen in Halle (Saale). Eine besondere Betonung lag in diesem Jahr auf der Internationalität, waren doch über die Hälfte der Referentinnen und Referenten zu diesem wissenschaftlichen Austausch aus dem Ausland angereist. Die Konferenz gestalteten 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA, Südafrika, den Niederlanden, Österreich und natürlich auch aus Deutschland.

Weiterlesen...

Florenz, 23. bis 28. Februar 2015

4. Italienkurs Musikwissenschaft:  Musik in Florenz unter den Medici

von Friedrich Mück, Stuttgart/Trossingen

„Florenz aus drei verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmen“ – mit diesen Worten rundete Kursleiter Univ.-Prof. Dr. Klaus Pietschmann seine Begrüßungsrede an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des unter dem Dach der Gesellschaft für Musikforschung (GfM) stattfindenden Italienkurses ab und bezog sich hierbei im Wesentlichen auf die kunst- und kulturhistorische, vor allem aber auf musikgeschichtliche Seite der Stadt Florenz. Die Bedeutung der Musikrezeption in Florenz als Bestandteil des Kursinhalts zeigte sich einerseits in der Auseinandersetzung mit florentinischem Musikrepertoire des Zeitraums Quattrocento bis Settecento anhand von Handschriften und Drucken, andererseits im Erleben des aktuellen Musikprogramms im Teatro della Pergola. An jedweder Stelle des Kurses wurde der Bezug zu den Medici als die über mehrere Jahrhunderte einflussreiche kunst- und kulturfördernde Herrscherfamilie, ohne deren Kulturpatronage eine in diesem Maße hoch elaborierte Musikkultur nicht möglich gewesen wäre, hergestellt. Zentral war die Frage nach der Instrumentalisierung von Musik im Streben der Medici nach politischer Macht und internationalem Renommee.

Weiterlesen...

Venedig 5. bis 6. Februar 2015

Musik und Vergnügen am Hohen Ufer. Fest- und Kulturtransfer zwischen Hannover und Venedig in der Frühen Neuzeit

von Panja Mücke, Bonn

Während die Musikpflege der von der „Monarchisierungswelle“ um 1700 erfassten kurfürstlichen Höfe Dresden und Berlin inzwischen recht gut erforscht ist, gilt dies noch längst nicht für Hannover. Zu den Welfen, die 1692 die neunte Kurwürde des Heiligen Römischen Reichs erhielten und von 1714 an auch die englische Krone trugen, ist die bislang vorliegende Literatur immer noch begrenzt – ungeachtet der Tatsache, dass die Rolle der Musik im Kontext des raschen Aufstiegs dieser Dynastie zum Kurfürsten- und Königtum besonders spannende Fragen aufwirft.

Weiterlesen...

Oldenburg, 16. und 17. Januar 2015

Musikwissenschaft: Generationen, Netzwerke, Denkstrukturen

von Marleen Hoffmann, Detmold/ Paderborn

Bei der interdisziplinären Tagung „Musikwissenschaft: Generationen, Netzwerke, Denkstrukturen“ handelt es sich um eine Fortführung und Vertiefung eines Symposiums der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven der Gesellschaft für Musikforschung, welches auf der Jahrestagung 2013 in Dresden stattfand. Die OrganisatorInnen Anna Langenbruch (Oldenburg), Ina Knoth (Hamburg), Moritz Kelber (Augsburg) und Sebastian Bolz (München) hatten sich zum Ziel gesetzt, eine soziologisch und historisch fundierte Wissenschaftsforschung anzustoßen, nach den theoretisch-methodischen Prinzipien musikwissenschaftlicher Wissenschaftsforschung zu fragen und die Interaktion von Forschung und Gesellschaft näher zu beleuchten.

Weiterlesen...