Tagungsberichte | 2014

Weimar, 28. bis 29. November 2014

Jahrestagung des Nationalkomitees Deutschland im ICTM

von Dorit Klebe, Berlin

Das Nationalkomitee Deutschland im International Council for Traditional Music (ICTM) veranstaltete seine Generalversammlung  und Jahrestagung des Jahres 2014 vom 28. bis 29. November in Weimar.  Auf Einladung von Prof. Dr. Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und von Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto, Lehrstuhl für Transcultural Music Studies am Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand die Generalversammlung und die Jahrestagung des deutschen Nationalkomitees des ICTM an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar statt. Tagungsort war das Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Weiterlesen...

Berlin, 12. bis 13. Dezember 2014

Techno Studies – Geschichtsschreibung und Ästhetik elektronischer Tanzmusik

von Miriam Akkermann, Berlin

Seit der ersten Loveparade vor 25 Jahren untrennbar auch mit Berlin verbunden, ist das Interesse an Techno und den zugehörigen Entwicklungen ungebrochen. Insbesondere im deutschsprachigen Raum zeichnet sich dabei ein wachsendes Bedürfnis nach einer meist aus nationaler Perspektive erzählten Geschichtsschreibung von Techno ab. Eine Reflexion der dabei verwendeten Methoden (etwa der nahezu allgegenwärtige Einsatz von Zeitzeugen-Statements) fand bislang jedoch kaum statt, ebensowenig wie eine Auseinandersetzung mit konkreten musikalischen Entwicklungen. Zugleich erschienen vor allem im angloamerikanischen Raum in jüngerer Zeit diverse an musikanalytischen wie ethnologischen Zugängen interessierte Forschungsarbeiten zu elektronischer Tanzmusik.

Weiterlesen...

Bern und Basel, 27. bis 29. November 2014

Performing voice – Vokalität im Fokus angewandter Vokalitätsforschung

von Tom Rojo Poller (Berlin)

Die Stimme fasziniert seit jeher durch eine spannungsvolle Doppelnatur: Als anthropologisch basalem Phänomen scheint ihr eine subjektiv zugängliche, unmittelbar greifbare Qualität innezuwohnen, als Objekt der systematischen Reflexion entzieht sie sich aber gleichzeitig immer wieder eindeutigen theoretischen Festlegungen und Verortungen. Für Mladen Dolar, der mit seiner vielbeachteten Studie His Masterʼs Voice (Frankfurt a. M. 2007) eine von Lacan ausgehende philosophische Theorie der Stimme vorgelegt hat, hängt diese theoretische Uneinholbarkeit des Phänomens Stimme wesentlich mit der differenziellen Logik klassisch-moderner Theoriebildung zusammen, die dem, was sich am Phänomen Stimme nicht auf binäre Oppositionen reduzieren lässt, nicht beizukommen in der Lage sei (Vgl. auch Mladen Dolar: „Das Objekt Stimme“, in: Zwischen Rauschen und Offenbarung. Zur Kulturgeschichte der Stimme, hrsg. von Friedrich Kittler u. a., Berlin 2002, S. 233–256; Dolar exemplifiziert seine These am Beispiel der Saussurschen Phonologie). Ähnliches ließe sich an Derridas Phonzentrismus-These nachvollziehen, welche ironischerweise gerade durch ihre Kritik an der Stimme diese wieder in das Interesse des philosophischen Diskurses gerückt hat. Es überrascht daher nicht, dass seit einigen Jahren in den Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften ein wachsendes Interesse am Phänomen Stimme zu verzeichnen ist, das genau diesem irreduziblen Rest nachzuspüren versucht und dazu eine Vielfalt von Perspektiven und Methoden bemüht, die nicht selten mit Figuren des Dritten, Dazwischen oder Interdisziplinären operieren. Die Musik stellt dabei immer wieder einen prominenten Anschauungs- und Reflexionsgegenstand dar, exemplifiziert sie doch besonders eindrücklich die oben angesprochene Doppelnatur der Stimme: „Musik“, so Dolar, „evoziert die Stimme und verbirgt sie, fetischisiert sie, aber öffnet auch die Kluft, die nicht gefüllt werden kann.“ (Dolar 2002, S. 237)

Weiterlesen...

Krakau, 14. November bis 5. Dezember 2014

Luigi Cherubini – Eine Herausforderung. Autographe Bestände (Ausstellung)

Luigi Cherubini jako wyzwanie. Zbiory autografów

von Michael Pauser, Weimar

Seit einigen Jahren versuchen Musikwissenschaftler, Musiker und Musikenthusiasten anderer Professionen das lange Leben und das daher auch sehr umfangreiche Werk von Luigi Cherubini sowohl der Fachwelt als auch einem breiten Publikum (wieder) nahe zu bringen. „Luigi Cherubini:  Vielzitiert – bewundert – unbekannt“ lautete noch im Jahr 2010 der einerseits provozierende und andererseits auch ein Stückweit resignierende Titel eines Symposions am Gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gerade das umfangreiche Jugendwerk des Komponisten – seine noch in Italien bzw. in den ersten Pariser Jahren entstandene Kirchenmusik, die ersten Opern, Kantaten, Einlegearien und einiges seiner Instrumentalmusik – musste zwangsläufig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwinden. Denn die meist autographen Partituren, die seit 1878 im Besitz der Königlichen Bibliothek in Berlin waren, wurden ab 1941 aus Angst vor Zerstörung durch die Luftangriffe der Alliierten an vielzählige Orte im ganzen Reich ausgelagert; nach dem Krieg galten sie als verschollen. Nur sehr wenige Eingeweihte wussten, dass ihr Auslagerungsort nach dem Zweiten Weltkrieg polnisches Staatsgebiet war und man diese Manuskripte nach Krakau brachte, wo sie bis heute unter besten konservatorischen Bedingungen aufbewahrt werden. In der Cherubini-Forschung galten diese Partituren jedoch, wie vielfach in Publikationen noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts nachzulesen ist, nicht nur als verschollen, sondern teils sogar als verloren; Abschriften oder zeitgenössische Drucke dieser Werke gibt es nur in ganz wenigen Fällen.

Weiterlesen...

Luzern, 6. bis 8. November 2014

Growing UP: Jazz in Europa 1960-1980

von Christian Broecking, Berlin

In diesem ersten gemeinschaftlich von der Hochschule der Künste Bern, der Hochschule Luzern und der Haute Ecole de Musique Lausanne veranstalteten Jazz-Symposium wurde die Frage nach einer europäischen kulturellen Identität in unterschiedlichsten Facetten aufgefächert und differenziert. War zu Beginn noch von einer europäischen Jazz-Emanzipation von seinen US-amerikanischen Leitbildern die Rede, wurde es im Laufe der 1970er Jahre üblich, von national differenzierten Arten der Klangforschung zu sprechen. Ekkehard Jost rückte nun – 27 Jahre nach seinem Standardwerk „Europas Jazz 1960-1980“ – die regionalen und nationalen Jazz-Dialekte ins Zentrum.

Weiterlesen...

Graz, 24. bis 25. Oktober 2014

„Passionately intellectual, intellectually passionate“: Elizabeth Maconchy (1907 - 1994)

von Nadine Scharfetter, Graz

Die Konferenz „Passionately intellectual, intellectually passionate“: Elizabeth Maconchy (1907 - 1994), veranstaltet am 24. und 25. Oktober 2014 an der Kunstuniversität Graz, war dem Leben und Werk der britischen Komponistin Elizabeth Maconchy gewidmet. Maconchy beschäftigte sich, anders als viele ihrer britischen Kolleginnen und Kollegen, auch mit Musik außerhalb Großbritanniens, daher kam sie früh mit der Musik Bartóks in Berührung. Maconchys Werke wurden nicht nur innerhalb Großbritanniens aufgeführt, ihr musikalisches Schaffen wurde auch in anderen europäischen Ländern, den USA und Australien stark rezipiert. Der Zweite Weltkrieg stellte jedoch einen Bruch in der Rezeption Maconchys dar. Ihre Werke kamen (bis heute) nur selten international zur Aufführung.

Weiterlesen...

Wien, 23. bis 25. Oktober 2014

Christoph Willibald Gluck. Bilder – Mythen – Diskurse

von Elisabeth Schönfeld, Frankfurt am Main

Das internationale Symposium „Christoph Willibald Gluck. Bilder – Mythen – Diskurse“ wurde anlässlich des 300. Geburtstages des Komponisten von der Universität Wien, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz sowie der Österreichischen Gesellschaft für Musik in Wien veranstaltet. Es fand vom 23.–25. Oktober 2014 in den neuen Räumlichkeiten der ÖGM statt.

Weiterlesen...

Leipzig, 22. bis 26. Oktober 2014

Beethovenrezeption in Mittel- und Osteuropa

Stephan Wünsche, Leipzig

Das Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig lud vom 22. bis 26. Oktober 2014 zu einer internationalen musikwissenschaftlichen Konferenz unter dem Titel Beethovenrezeption in Mittel- und Osteuropa. Die Referentinnen und Referenten waren angereist aus Deutschland, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und Weißrussland. Die Arbeitsgemeinschaft für die Musikgeschichte in Mittel- und Osteuropa, der die meisten Vortragenden angehören, setzte mit dieser Konferenz eine Tradition rezeptionsgeschichtlicher Studien fort: Schon 1996 hatte es eine Tagung zur Mozartrezeption in Mittel- und Osteuropa gegeben; jüngere Leipziger Tagungen zu Robert Schumann und Richard Wagner enthielten ebenfalls Panels zu deren Rezeption gerade im östlichen Europa. Nun also Beethoven: Der Einfluss seiner Werke auf spätere Komponistengenerationen, seine Mythologisierung als Genie und Held sowie seine Vereinnahmung als Humanist und Personifikation des Fortschritts sind zwar schon Gegenstand vieler Tagungen und Studien gewesen. Mittel- und Osteuropa spielten aber bislang nur selten eine Rolle. Diese Lücke vollständig zu schließen, konnte selbstverständlich nicht Ziel der dreitägigen Leipziger Konferenz sein. Wohl aber erbrachte sie zahlreiche Fortschritte in Einzelaspekten und machte nachdrücklich auf Desiderate zukünftiger Arbeiten aufmerksam.

Weiterlesen...

Wien, 16. bis 18. Oktober 2014

„Alles dort morsch, treulos. Und so roh.“ Richard und Cosima Wagners Blick auf Wien

von Eva Rieger, Vaduz

Vom 16. bis 18. Oktober 2014 fand in Wien eine Konferenz statt „zur Genese und Struktur des frühen Wagnerismus“ unter dem Titel „Alles dort morsch, treulos. Und so roh. Richard und Cosima Wagners Blick auf Wien“. Veranstaltet wurde sie vom Institut für Zeitgeschichte der Universität und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, dem Jüdischen Museum sowie der Staatsoper Wien innerhalb ihres Forschungsprojekts „Eine politische Geschichte der Oper in Wien 1869-1955“. Ein brisantes Thema, zumal es innerhalb der deutschen Musikwissenschaft immer noch Streit darüber gibt, ob man den glühenden Antisemiten Wagner als Wegbereiter der NS-Ideologie sehen könne.Hannes Heer, der die Ausstellungen „Verstummte Stimmen“ in mehreren Städten und Staatsopern, zuletzt in Bayreuth, kuratiert und die Konferenz konzipiert hatte, erläuterte in seinem Eingangsvortrag, wie Wagner seine z. T. schlechten Erfahrungen in Wien (Obstruktion des Tristan-Projekts 1861-63, Verschiebung der Meistersinger-Aufführung 1868/69 und der Kritiken von Eduard Hanslick) verzerrte, eine jüdische Verschwörung konstruierte und daraufhin 1869 eine verschärfte Neuauflage seines Aufsatzes „Das Judentum in der Musik“ herausgab. Clemens Höslinger („Jüdisches und Antijüdisches an der Wiener Hofoper“) sprach vom „Gebrauchs-Antisemitismus“, der nach einer Phase der Toleranz ein Eindringen antisemitischer Agitation in das Opernhaus ermöglichte. Überhaupt wurde deutlich, wie sich der Judenhass nach 1870 in derösterreichischen Hauptstadt breitmachte.

Weiterlesen...

Mainz und Köln, 15. bis 18. Oktober 2014

Musik der mittelalterlichen Metropole: Räume, Identitäten und Kontexte der Musik in Köln und Mainz ca. 900-1400

von Anna Plaksin, Mainz und Steven Rozenski, Rochester/Göttingen

Betreibt man Landes- oder Stadtgeschichte, bietet sich nicht selten eine vergleichende Perspektive an, denn zumeist befruchten derartige Betrachtungen, indem sie die Eigenarten des jeweiligen Raumes besonders zur Geltung bringen und den Blick für tiefgreifende Entwicklungen schärfen. Dass sich diese Herangehensweise bestens auch zur Beleuchtung des mittelalterlichen Musiklebens am Rhein eignet, konnte die vom 15. bis 18. Oktober 2014 stattgefundene Tagung „Musik der mittelalterlichen Metropole: Räume, Identitäten und Kontexte der Musik in Köln und Mainz ca. 900-1400“ unter Beweis stellen; eignen sich doch die beiden Domstädte und Erzbischof-Kurfürstensitze am Rhein durch zahlreiche Parallelen besonders für diesen Vergleich. Und vor allem wenn es das Ziel sein soll, ausgehend von Quellen- und institutionellen Studien derart unterschwellige und vielleicht gerade darum in ihrer Relevanz kaum zu unterschätzende Themengebiete wie ‚cultural performances‘ und Identitätsbildungen der einzelnen Metropolen in den Fokus zu nehmen, stimuliert der gewählte Blickwinkel den Diskurs ungemein.

Weiterlesen...

Weimar und Rudolstadt, 10. bis 11. Oktober 2014

Der Hofkapellmeister in Thüringen um 1700. Internationales Symposium anlässlich des 300. Todestages von Philipp Heinrich Erlebach

von Benedikt Schubert, Weimar

Das von der Academia Musicalis Thuringiae und dem gemeinsamen Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Mitteldeutschen Barockmusik e.V., dem Thüringer Kulturministerium und der Sparkasse Saalfeld-Rudolstadt geförderte Symposium mit Teilnehmer/innen aus Japan, Brasilien, Polen, den USA und Deutschland war zwei Zielen verpflichtet: Wurden zum einen generell Funktion, Rolle und Amt des thüringischen Hofkapellmeisters um 1700 diskutiert, stand speziell mit dem Jubilar Philipp Heinrich Erlebach (1657–1714) ein Exempel jener äußerst facettenreichen Musikergruppe im Mittelpunkt.

Weiterlesen...

Wolfenbüttel, 9. bis 11. Oktober 2014

Fürst und Fürstin als Künstler. Herrschaftliches Künstlertum zwischen Habitus, Norm und Neigung

von Lena van der Hoven, Berlin, und Christian Katschmanowski, Mainz

Die Betätigung der Fürsten und Fürstinnen in den Künsten war seit dem Spätmittelalter nicht nur Teil der Prinzen- und Prinzessinnenerziehung, sondern grundlegender Bestandteil des fürstlichen Alltags. Während die ältere Forschung das Phänomen der Fürsten und Fürstinnen als Künstler jedoch tendenziell noch als ein Spleen einer exzentrischen Herrscherpersönlichkeit isoliert betrachtete, wurde in jüngeren Arbeiten zunehmend die kulturhistorische Bedeutung dieser Beobachtung erkannt. Um diesem Phänomen des malenden, entwerfenden oder musizierenden Fürsten und dem ihm zugrunde liegenden (Fürsten)Habitus näher zu kommen, bedarf es einer vergleichenden und vor allem interdisziplinären Perspektive.

Weiterlesen...

Berlin, 9. bis 11. Oktober 2014

Transfer und Diversität. Musik und Transkulturelle Praxis: Deutschland – Türkei

von Clemens Gubsch und Friederike Janott, Berlin

Im Zuge des Deutsch-Türkischen Wissenschaftsjahres veranstaltete das Institut für Musik- und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit dem Center for Advanced Studies in Music der Technischen Universität Istanbul vom 9. bis 11. Oktober 2014 das Symposium „Transfer und Diversität. Musik und transkulturelle Praxis: Deutschland – Türkei“, welches durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen eines Ideenwettbewerbs unter gleichnamigem Titel als Projekt gefördert wurde.

Weiterlesen...

Berlin, 9.‑11. Oktober 2014

Offiziumsvertonungen von Alessandro Scarlatti. Kompositionen, Kontexte, Aufführungspraxis. Vorträge, Konzert, Dirigierworkshop

Von Peter Sühring, Berlin

Diese Scarlatti-Tagung an der Berliner Universität der Künste (UdK) widmete sich, wie ihre Initiatorin, Frau Prof. Susanne Fontaine, bei der Begrüßung ausführte, einem gewichtigen Teil des Werks eines Komponisten mit großem Namen, der aber dennoch unbekannt und unaufgeführt ist. Das Ziel des Symposiums sollte es sein, von einer Spezialität, Scarlattis Musik zu den Stundengebeten, ausgehend, ein umfassenderes Bild dieses Komponisten zu gewinnen. Kunstanspruch und liturgische Funktion dieser Musik seien zu untersuchen. Der praktische Teil der Tagung, eine Dirigierwerkstatt, in der junge Nachwuchsmusiker sich daran versuchen sollen, ein professionell aufgestelltes Ensemble wie die Vokalakademie Berlin unter der Leitung von Frank Markowitsch, mit Stücken aus einer „Marienvesper“ von Scarlatti zu dirigieren, sollte einen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kunst realisieren, eine Rückkoppelung wissenschaftlicher und künstlerischer Erfahrungen ermöglichen. Ein in die Tagung integrierter Ortstermin in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin ermöglichte das sinnliche Anschauen von Autografen und historischen Abschriften Scarlattischer Werke anstelle von Digitalisaten. Es konnten seltene Einblicke in die dort deponierten Sammlungen von Ludwig Landsberg, der Familie Voss-Buch, Daniel Poelschau und Carl Winterfeld sowie die zum Teil räsonierenden Akzessionsbücher dieser Sammler genommen werden.

Weiterlesen...

Marburg, 8. bis 10. Oktober 2014

Werkstatt und Label. Kompositorische Produktionsprozesse in der Frühen Neuzeit

von Sebastian Biesold, Bonn

Die Musikphilologie zählt seit jeher unbestritten zum Kern der Musikwissenschaft. Mit der verstärkten Hinwendung des Fachs zu kulturwissenschaftlich-kontextuellen Fragestellungen und Theorien blieb sie zwar im besten Sinn handwerklich anerkannt, trotzdem haftete ihr zunehmend ein durchaus verstaubtes Image an. Seit wenigen Jahren ist jedoch zu beobachten, dass gerade der philologische Ansatz wieder häufiger in den Fokus des musikwissenschaftlichen Fachdiskurses rückt. Das mag einerseits darin begründet sein, dass – vor allem online-basierte – technische Entwicklungen Möglichkeiten eröffnen, die den Weg für Neuerungen auch im Blick auf dezidiert quellenbezogene Forschungen bahnen. Andererseits mag diese Tendenz mit der Einsicht zu erklären sein, dass kontextuelle Forschungen, zumal wenn sie (primär-)quellenmäßig kaum oder gar nicht erschlossenes Terrain beschreiten, auf eine belastbare philologische Basis angewiesen sind, um fundierte Erkenntnisse zu Tage fördern zu können. Dieses als ‚Re-Philologisierung‘ beschriebene – und etwa auch für die Literaturwissenschaft zu konstatierende – Phänomen meint jedoch nicht einfach den sprichwörtlichen ‚Griff in die Mottenkiste‘, sondern zielt vielmehr auf die Verschränkung der Herangehensweisen mit beiderseitigem Nutzen. In seinem Aufsatz „Was ist eine musikphilologische Frage?“ führt Nikolaus Urbanek hierzu perspektivisch aus: „Das […] besondere Potential der Philologie als einer ‚Detailwissenschaft par excellence‘ öffnet diverse Türen in Hinsicht auf die Kulturwissenschaften, die aber nicht nur als bloße Anbiederung der Philologie an derzeit modische wissenschaftliche Trends, sondern genau umgekehrt als – bitter notwendige – „(Re-)Philologisierung“ kulturwissenschaftlichen Disputierens gedacht werden sollte: ‚Nur Treue zum Kleinsten mag Größeres wagen‘“ (in: Historische Musikwissenschaft. Grundlagen und Perspektiven, hg. von Michele Calella und Nikolaus Urbanek, Stuttgart und Weimar 2013, S. 147–183, hier S. 177).

Weiterlesen...

Berlin, 6. bis 8. Oktober 2014

Tagung KoFIM Berlin (Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik)

von Wolfgang Eckhardt, Julia Neumann, Dr. Tobias Schwinger und Alexander Staub, Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – PK veranstaltete im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik (KoFIM Berlin) eine Tagung in Berlin, die vom 6. bis 8. Oktober 2014 in der Staatsbibliothek, Haus Potsdamer Straße stattfand. 

Schwerpunkt des auf sechs Jahre angelegten KoFIM-Projekts ist die Tiefenerschließung von Musikautographen des 17. bis 19. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung von Schreibern, Wasserzeichen und Provenienzen. Ziel ist die Verbesserung der Forschungsinfrastruktur im Bereich von Musikwissenschaft und benachbarten Disziplinen.

Weiterlesen...

Osnabrück, 29. September bis 2. Oktober 2014

The Languages of Popular Music. Communicating Regional Musics in a Globalized World (25. Arbeitstagung des ASPM)

von Felicitas Förster, Leipzig

Unter dem Titel Die Sprachen der Populären Musik. Kommunikation regionaler Musiken in einer globalisierten Welt veranstaltete der ASPM (Arbeitskreis Studium Popularmusik e.V.) vom 29. September bis 2. Oktober in Osnabrück seine 25. Arbeitstagung. Es war eine internationale Tagung, zu der Wissenschaftler aus etwa zwanzig Ländern anreisten. Die Besucher konnten aus insgesamt 51 Vorträgen auswählen, von denen allerdings viele parallel stattfanden. Die meisten Referenten trugen auf englisch vor, einige wenige auf deutsch.

Weiterlesen...

London, 18. bis 20. September 2014

International Conference of Students of Systematic Musicology (SysMus14)        

von Laura Neumann, Berlin, und Anna-Katharina R. Bauer, Oldenburg

Bereits zum siebenten Mal trafen sich in diesem Jahr Master-Studierende, DoktorandInnen und AbsolventInnen der Musikwissenschaft sowie angrenzender Disziplinen zur internationalen Konferenzreihe SysMus. Gastgebendes Institut für SysMus14 war vom 18. bis 20. September die Music, Mind & Brain Group (MMB) des Goldsmiths College in London (http://www.gold.ac.uk/pg/msc-music-mind-brain/), das, wie die Veranstalter der letzten Jahre, auf höchst spezialisierte Weise mit den Fragestellungen der systematischen Musikwissenschaft verbunden ist: Am Fachbereich für Psychologie angesiedelt, werden hier gleichermaßen biologische wie kognitive Aspekte musikalischen Verhaltens untersucht und u.a. Arbeiten über musikalische Wahrnehmung, Emotionen und Fähigkeiten herausgegeben.

Weiterlesen...

Mainz, 11.–16. August 2014

Mainzer Summer School zur Musikwissenschaft (Musikalische Gesamtausgaben: Geschichte – Gegenwart – Zukunft)

von Laura Sonnabend, Wiesbaden

In der Woche vom 11. bis zum 16. August 2014 fand die erste Mainzer Summer School der Musikwissenschaft statt, getragen von der Abteilung Musikwissenschaft des Mainzer Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz) und geleitet von Prof. Dr. Axel Beer und Prof. Dr. Ursula Kramer (beide Mainz). Die 16 Teilnehmer, zu gleichen Teilen Gäste (aus Basel, Bern, Halle, Heidelberg, Kiel und Salzburg) und Studierende des Mainzer Instituts, setzten sich im Rahmen der Veranstaltung detailliert mit Fragen der Editionstechnik auseinander; titelgebendes Thema waren musikalische Gesamtausgaben in Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Weiterlesen...

Regensburg, 4.-7. August 2014

Musik als Brücke. Transferbewegungen des 17. bis 19. Jahrhunderts zwischen dem deutschsprachigen Ostmitteleuropa und den westlichen Nachbarländern

von Dieter Haberl, Regensburg

Die Wahl der Bischöflichen Zentralbibliothek als Tagungsstätte (4.–7. August 2014)erwies sich für die musikhistorisch ausgerichtete 51. Arbeitstagung des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e. V.als sehr günstig, da diese kirchliche Bibliothek eine eigene Musikabteilung mit wertvollen Altbeständen besitzt. Der Leiter der Proskeschen Musikabteilung, Raymond Dittrich, konzipierte passend zu den einzelnen Vorträgen eine Begleit-Ausstellung mit ausgewählten Handschriften und Drucken aus den hauseigenen Beständen. Der Blick in die Vitrinen illustrierte so die meisten Referate mit originalen Musikalien des 17. bis 19. Jahrhunderts. Der Sammlungsbegründer Dr. Carl Proske (1794–1861) war ein gebürtiger Schlesier, der sich ab 1826 dauerhaft in Regensburg niederließ und auf mehreren Italienreisen älteres Notenmaterial sammelte sowie zahlreiche Spartierungen nach italienischen Quellen anfertigte.

Weiterlesen...

Berlin, 18. – 20. Juli 2014

Giuseppe Sarti – Individual Style, Aesthetical Position, Reception and Dissemination of His Works

von Francesco Del Bravo, Berlin

Im Rahmen des Forschungsprojekts A Cosmopolitan Composer in Pre-Revolutionary Europe fand Ende Juli an der Universität der Künste Berlin die internationale Konferenz Giuseppe Sarti – Individual Style, Aesthetical Position, Reception and Dissemination of His Work statt. Das Projekt – unter der Leitung von Prof. Dr. Christine Siegert – wird von der UdK Berlin in Kooperation mit der Hebrew University Jerusalem durchgeführt und von der Einstein Foundation finanziert. Die Tagung wurde zudem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Weiterlesen...

München, 26. bis 28. Juni 2014

Richard Strauss: Der Komponist und sein Werk. Überlieferung, Interpretation, Rezeption

von Florian Amort und Sebastian Bolz, München

Richard Strauss' Verhältnis zu seiner Vaterstadt München ist bekanntlich ebenso schwierig wie facettenreich. Dass sich diese Beziehung mittlerweile entspannt hat und München als Strauss-Stadt gelten darf, zeigt unter anderem die in der Entstehung begriffene kritische Neuausgabe der Werke von Richard Strauss, die an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie am musikwissenschaftlichen Institut der LMU München beheimatet ist. Diese Institutionen waren es auch, die gemeinsam mit dem Kulturreferat der bayerischen Landeshauptstadt anlässlich des 150. Geburtstags des Komponisten ein dreitägiges, international besetztes Symposium veranstalteten. Auf dem Programm standen, dem Forschungsschwerpunkt der Münchner Forschungsstelle gemäß, Fragen nach Quellenbeständen und philologische Problemstellungen, vor allem aber der tiefenscharfe analytische Blick auf Strauss' Musik, den Organisator Hartmut Schick in seiner Begrüßung als Desiderat formulierte. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die internationale Wirkungsgeschichte.

Weiterlesen...

Halle an der Saale, 10. bis 11. Juni 2014

Händel und die Musikgeschichte des Hauses Hannover

von Pascal Schiemann (Halle/Saale)

Anlässlich des 300. Jahrestages der Thronbesteigung des Hannoveraner Kurfürsten Georg Ludwig als englischer König George I. im Jahre 1714 richteten das Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft und die Stiftung Händel-Haus am 10. und 11. Juni 2014 die alljährlich stattfindende Internationale Wissenschaftliche Konferenz zu den Händel-Festspielen in Halle (Saale) aus. Unter dem Motto „Georg und Georg / George and George“ fokussierten die interdisziplinären Vorträge sowohl die historischen Hintergründe und Rahmenbedingungen der Personalunion zwischen dem englischen Königshaus und Kurhannover (1714–1837) als auch deren Bedeutung für das Leben und Wirken Georg Friedrich Händels. Die epochenübergreifende Betrachtung des Welfenhofes als musikalische Wirkstätte für zahlreiche Komponisten, Instrumentalisten und Sänger vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert öffnete dabei gleichzeitig den Blick für die umfangreiche Musikgeschichte des Hauses Hannover.

Weiterlesen...

Stuttgart, 4. bis 8. Juni 2014

Übergänge: Neue Wege zur inszenierten Musik

von Lea Roller, Stuttgart

Vom 4. bis zum 8. Juni 2014 fand in Stuttgart der Kongress für Stimmkunst und neues Musiktheater „Lost & Found: Stimme. Musik. Szene“ statt, ausgerichtet vom Studio für Stimmkunst und Neues Musiktheater der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart in Kooperation mit „Der Sommer in Stuttgart“ (Musik der Jahrhunderte, SWR, Akademie Schloss Solitude) und dem „Institut für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt“. Die Leitung teilten sich Angelika Luz (für das künstlerische Programm) sowie Andreas Meyer und Christina Richter-Ibáñez (für die wissenschaftlichen Anteile).

Weiterlesen...

Bern, 2. bis 4. Juni 2014

Digitale Musikedition

von Moritz Achermann, Bern

Wie gestaltet sich die Musikedition im digitalen Zeitalter? Was sind die Mittel, mit denen heute in der Musikedition operiert wird? Und nicht zuletzt, was macht eine digitale Edition aus und was kann sie leisten? Um diese Fragen kreiste die von Benedict Zemp und Andres Pfister organisierte Tagung „Digitale Musikedition“, die im Juni an der Universität Bern stattfand. Cristina Urchueguía (Bern) stellte im Eröffnungsvortrag unter dem Motto „tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ die Entwicklung der Philologie und ihrer Paradigmen dem rasanten technischen Fortschritt gegenüber. So vereine der Forscher heute bei der Arbeit am Computer den Philologen und den Notenstecher in einer Person. Die zunehmende Digitalisierung sowie die enorme Speicherkapazität moderner Rechner könnten Versprechen der New Philology einlösen, die sich von den Idealtypen „Urtext“ und „Fassung letzter Hand“ zu lösen versucht. Zu bedenken seien jedoch auch das Risiko des Datenverlustes und die hohen Kosten, die eine digitale Edition mit sich bringt, da sie ständiger Wartung bedarf und nicht wie eine Buch-Edition mit dem Datum der Publikation abgeschlossen ist. Somit stellt sich auch die Frage nach der kulturellen Relevanz von Musikedition. Zumal digitale Editionen in der open access-Kultur auch Konzepte der Autorschaft und des Besitzes in Bedrängnis bringen, was wiederum analog zur New Philology und ihrem offenen Autor- und Text-Begriff verstanden werden kann. Damit einhergehend muss auch die Stellung der Verlage diskutiert werden. Sollte eine Edition, die mit staatlichen Geldern finanziert wird, auch im open access-Sinne öffentliches Eigentum sein?

Weiterlesen...

Frankfurt a. M., 29. bis 31. Mai 2014

Spiel (mit) der Maschine: Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie, Reproduktionsklavier, Film und Radio

von Sebastian Rose, Frankfurt am Main

Unsere gegenwärtige Kultur versteht sich als Medienkultur. Zahlreiche Medien, die heute unseren Alltag bestimmen, haben sich vor langer Zeit gegen konkurrierende Entwicklungen durchgesetzt und andere wiederum sind in Vergessenheit geraten. Zu den lange Zeit marginalisierten Medien gehört das Reproduktionsklavier, das einen der vier Mittelpunkte der internationalen Tagung „Spiel (mit) der Maschine“ bildete. Die Tagung – eine Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft mit dem Frankfurter Hindemith-Institut und der ARTE-Filmredaktion – fand vom 29.-31. Mai 2014 im Renate-von-Metzler Saal der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt und verfolgte das Anliegen, die Frühzeit musikalischer Medienpraxis von Phonographie, Reproduktionsklavier, Film und Radio aus musik- und medienwissenschaftlicher Sicht insgesamt in den Blick zu nehmen.

Weiterlesen...

Augsburg, 17. bis 18. Mai 2014

Blick zurück nach vorn: Richard Strauss und / mit / nach Mozart

von Sebastian Bolz, München

Einen Strauss für Mozart wand die Deutsche Mozart-Gesellschaft anlässlich des diesjährigen Deutschen Mozartfestes in Augsburg und stellte damit neben ihrem Namenspatron den diesjährigen Musikjubilar ins Zentrum. Die Konzerte und Meisterkurse ergänzte auch ein in Kooperation mit dem Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg veranstaltetes Symposium, das sich um das zwar gut bezeugte, doch selten genauer beschriebene oder analysierte enge Verhältnis von Strauss zu seinem „Lieblingskomponisten" (so Bruno Walter) drehte. Unter dem Titel „Blick zurück nach vorn: Richard Strauss und / mit / nach Mozart" versammelten Melanie Wald-Fuhrmann (Frankfurt a. M.) und Franz Körndle (Augsburg) Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien. Das von Wald-Fuhrmann in einer kurzen Einführung formulierte Desiderat einer systematischen Betrachtung der Beziehung Mozart–Strauss auf all ihren Ebenen inklusive der damit verbundenen methodischen Probleme und der interessanten ästhetischen Konstellation „Mozart UND Strauss" erhielt in acht Vorträgen aus kulturhistorischer, musikanalytischer und biographischer Perspektiven wichtige Impulse.

Weiterlesen...

Weimar, 1. bis 2. Mai 2014

Zwischen den Zeiten: Die Weimarer Bachsöhne – Aufbruch in die Moderne

von Katharina Steinbeck, Weimar

2014 feierte Weimar den 300. Geburtstag seines großen Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach. Wie sein ebenfalls in Weimar geborener, wenig älterer Bruder Wilhelm Friedemann Bach wirkte er in einer Zeit, die sich neben einem erstarkenden Handelsbürgertum durch eine gewandelte Idee von Wahrhaftigkeit, Reinheit und Schönheit, gepaart mit einer systematischen Entdeckung der Natur, auszeichnete. Inmitten des aufklärerischen Denkens war auch das künstlerische Umfeld der Bach-Söhne geprägt von widersprüchlichen Thesen und Einstellungen. Die Frage um den richtigen, wahren wie dem Anlass gemäßen Stil wurde auf europäischer Ebene in teilweise heftigen und kontrovers geführten Debatten ausgetragen.

Weiterlesen...

Mainz, 24. bis 25. April 2014

Music Migrations: from Source Research to Cultural Studies

von Hanna Kneißler und Janusz Hofmann (Mainz)

Die Erforschung der Migrationswege von Musikern und musikalischen Artefakten im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts bedarf aus Sicht der Veranstalter eines breiten Spektrums an methodischen Ansätzen und eines interdisziplinären Dialogs. Die Inhalte des zweitägigen Workshops, der im Rahmen des von HERA (Humanities in the European Research Area) geförderten Forschungsprojektes Music Migrations in the Early Modern Age: the Meeting of the European East, West and South stattfand, wurden daher von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachgebieten präsentiert und diskutiert. Im Vordergrund standen einerseits die Bandbreite der wissenschaftlichen Herangehensweisen von Quellenforschung über Kulturanalyse bis hin zum Feld der Digital Humanities – andererseits konkrete Fallbeispiele, welche zumeist in laufenden Studien von den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern untersucht werden. Ziel der Tagung war, bestehende Fragen in der Forschungsarbeit zu erörtern und durch den gemeinsamen Austausch zu einem tieferen Verständnis der wechselseitigen Zusammenhänge zu gelangen. 

Weiterlesen...

Havanna, 17. bis 21. März 2014

Lateinamerika und der Kanon. Erste Konferenz der Regionalsektion für Lateinamerika und die Karibik der Internationalen Gesellschaft für Musikwissenschaft (ARLAC/IMS)

von Daniela Fugellie, Berlin, und Cristina Urchueguía, Bern

Über 120 Musikwissenschaftler aus dem lateinamerikanischen Raum, Spanien und Portugal trafen sich in Havanna bei der ersten Konferenz der Regionalgruppe für die Länder aus Lateinamerika und der Karibik der IMS (ARLAC). Gastgeber der Veranstaltung war das Forschungs- und Kulturzentrum Casa de las Américas, das seit seiner Gründung 1959 eine zentrale Rolle bei der Förderung und internationalen Vernetzung der Künste und der Geisteswissenschaften innerhalb Lateinamerikas gespielt hat.

Weiterlesen...

Magdeburg, 17. bis 18. März 2014

Impulse – Transformationen – Kontraste. Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach.

von Christine Klein, Halle an der Saale

Anlässlich des 300. Geburtstags Carl Philipp Emanuel Bachs widmete sich die diesjährige Internationale Wissenschaftliche Konferenz im Rahmen der 22. Magdeburger Telemann-Festtage, die vom Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg in Kooperation mit dem Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Abteilung Musikwissenschaft, sowie mit der Internationalen Telemann-Gesellschaft e. V. ausgerichtet wurde, den kulturgeschichtlichen Phänomenen von Kontinuität, Diskontinuität und Generationalität. Die persönliche Verbindung zwischen Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach begann mit Telemanns Taufpatenschaft im Geburtsjahr des zweiten Bach-Sohnes und kulminierte später im Zusammenhang mit der Regelung seiner Nachfolge im Hamburger Kantorenamt. Biographische Fakten boten Anlass genug, um gleichermaßen künstlerischen Impulsen und Transformationen wie auch Brüchen und Kontrasten zwischen den Repräsentanten zweier Generationen nachzuspüren. In seiner Begrüßung umriss Carsten Lange (Magdeburg), Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung, das breite Themenspektrum der interdisziplinär ausgerichteten Konferenz mit Schwerpunktsetzungen musikpublizistischer, theologischer, literaturwissenschaftlicher und ästhetischer Art neben rein musikologisch-quellenkundlich und analytisch akzentuierten Beiträgen. Er dankte der Mitteldeutschen Barockmusik e.V. für die Förderung der Tagung, die mit jenen wissenschaftlichen Veranstaltungen in Leipzig und Weimar abgestimmt ist, die in diesem Jahr ebenfalls einen Schwerpunkt auf Carl Philipp Emanuel Bach setzen, und zeigte sich erfreut, unter den 26 Referierenden nicht nur zahlreiche bekannte Telemann-Forscher begrüßen zu dürfen, sondern ebenso namhafte Repräsentanten der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Forschung und junge Wissenschaftler.

Weiterlesen...

München, 20. bis 21. März 2014

Cipriano de Rore at the Crossroads

von Michael Braun, Regensburg

Wenn Cipriano de Rore (1515/16–1565) heute mitunter als Komponist „im Schatten" anderer illustrer Renaissance-Größen wahrgenommen wird, so widerspricht dies vollkommen dem Stellenwert, den er unter Zeitgenossen und noch bis hinein ins 17. Jahrhundert einnahm: In seiner Einführung wies Hartmut Schick (LMU München) darauf hin, dass Rore vielmehr eine „strahlende Gestalt" in der Musik des 16. Jahrhunderts gewesen sei, die wichtigste in zeitlicher Abfolge nach Josquin und vor Monteverdi. Angesichts des Missverhältnisses von einstiger Wertschätzung und heutiger Vernachlässigung sah es die internationale Tagung nicht zuletzt als ihr Ziel an, neue Aufmerksamkeit gegenüber Rore in der Forschung und der Alte-Musik-Szene zu entfachen. Auch in diesem Sinne sei der Titel der Tagung zu verstehen, so Jessie Ann Owens (University of California, Davis), neben Katelijne Schiltz (Universität Regensburg) und Hartmut Schick Hauptorganisatorin der Konferenz. Der überwiegende Teil der Vorträge fand in den hervorragend geeigneten Räumlichkeiten des Orff-Zentrums statt, die Nachmittagssitzung des ersten Tages im Friedrich-von-Gärtner-Saal der nahe gelegenen Bayerischen Staatsbibliothek. Dort lief parallel zur Tagung die Ausstellung Musikalische Schätze der Renaissance aus, die sich auf Rore konzentriert und insbesondere die nur selten gezeigte Prachthandschrift Mus.ms. B präsentiert hatte. Weitere wichtige Unterstützer hatte die Tagung in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Villa I Tatti—The Harvard University Center for Italian Renaissance Studies und der Repräsentanz der Flämischen Regierung in Berlin gefunden.

Weiterlesen...

Mailand, 16. bis 22. März 2014

3. Italienkurs Musikwissenschaft: Musik und Medien in Mailand

von Michaela Kaufmann, Frankfurt

Der „mito“ um das Teatro alla Scala, die Anekdoten und Gerüchte rund um die darin agierenden Protagonisten beherrschen gemeinhin den Eindruck von der Musikstadt Mailand. Genauso wie der Besucher der Stadt durch die Nachbarschaft der zentralen Sehenswürdigkeiten – der Dom und die Scala sind praktischerweise durch die 1867 eröffnete Galleria Vittorio Emanuele II in drei Minuten zu erreichen – sich scheinbar schnell einen Überblick verschaffen kann, wird der Blick des Musikinteressierten allzu leicht eingeengt. Paolo Contes „Molto lontano“ schärft den Blick auf Mailands verborgene Seiten und kann als unterschwelliges Motto für die Beschäftigung mit der Musikgeschichte der Stadt im Rahmen des einwöchigen Seminars bezeichnet werden.

Weiterlesen...

Münster, 28. bis 29. Februar 2014

Rhythmic Cycles and Structures in the Art Music of the Middle East

von Judith I. Haug, Münster

Die rhythmischen Modi Usûl der nahöstlichen Kunstmusiken sind, anders als beispielsweise der moderne westliche Akzentstufentakt, ein zentrales, dem melodischen Modus Makâm gleichgestelltes Element und beeinflussen den Kompositionsprozess von Anfang an. Obwohl der Usûl in Aufführungspraxis, Ausbildung und Repertoireübermittlung eine bedeutende Rolle spielt, waren bisher die Forschungsaktivitäten zum Makâm-System weitaus umfangreicher und sichtbarer. Eine spezifisch der Theorie und Praxis der rhythmischen Organisation in den Kunstmusiken des Nahen Ostens gewidmete Veranstaltung stand daher aus, und die im Februar 2014 in Münster gemeinsam von der dortigen Professur für Ethnomusikologie und Europäische Musikgeschichte und dem Orient-Institut Istanbul veranstaltete Tagung füllte diese Lücke. Führende internationale Spezialisten, deren einflussreiche Arbeiten das Feld begründet haben, wurden zum ersten Mal in dieser Form mit den jetzt aktiven Forscher/innen sowie der jungen Generation zusammengebracht, um sich in einem zeitlich und räumlich weit gesteckten Feld intensiv auszutauschen. Geographisch gesehen lag der Fokus auf dem osmanischen Reich mit seinem kulturellen und politischen Zentrum Istanbul, aber der Blick wurde auf die angrenzenden arabischen Gebiete sowie Zentralasien ausgeweitet. Der zeitliche Rahmen der Tagung war vom Beginn der bekannten theoretischen Aufzeichnungen bis zur Gegenwart gespannt, wobei immer wieder deutlich wurde, wie stark sich die Änderungen der Kontexte zwischen dem frühen osmanischen Reich und der heutigen Republik Türkei auf das Musikleben auswirkten. Viele Referate haben explizit auf offene Fragen hingewiesen, einige Beiträge waren als Werkstattberichte konzipiert und boten interessante Einblicke in innovative methodische Ansätze im Umgang mit nahöstlichen Kunstmusiktraditionen.

Weiterlesen...

Würzburg, 14. bis 15. Februar 2014

Komponistenwitwen

von Maria Behrendt (Weimar)

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – das mag sein. Doch was tut eine solche Frau nach dem Tod ihres Mannes? Trägt sie den großen Namen weiter? Oder tritt sie aus dem Schatten des Genies? Dieser Frage nachzuspüren war das Ziel der internationalen musikwissenschaftlichen Tagung „Komponistenwitwen", die am 14. und 15. Februar im Toskana-Saal der Würzburger Residenz stattfand, unter der Leitung von Ulrich Konrad (Würzburg) und Christiane Wiesenfeldt (Weimar-Jena).

Weiterlesen...

Dresden, 30. Januar bis 1. Februar 2014

„ohne Widerrede unser größter Kirchenkomponist". Annäherungen an Gottfried August Homilius

von Ruprecht Langer, Leipzig

Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2014 fand in Dresden das internationale Symposium anlässlich des 300. Geburtstages des Organisten und Kreuzkantors Gottfried August Homilius (1714–1785) statt. Dass ein solch ambitioniertes Vorhaben bezüglich eines Komponisten in die Tat gesetzt werden konnte, der noch vor wenigen Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein fristete, spiegelt das wachsende Interesse der Forschung an seinem Leben, Werk und Wirken wider. Das Symposium wurde von der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, dem Dresdner Kreuzchor und der Stiftung Frauenkirche Dresden veranstaltet und fand im Haus der Kathedrale in Dresden statt. Gefördert wurde es von der Mitteldeutschen Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. und der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Weiterlesen...

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok