Mai 2014

Internationale musikwissenschaftliche Tagung

Russische Musik in Westeuropa 1867–1917: Ideen – Funktionen – Transfers

23.-25. Mai 2014, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Zürich

Organisation:

PD Dr. Inga Mai Groote (Universität Zürich)

PD Dr. Stefan Keym (Universität Leipzig)

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Ab den 1860er Jahren rückten russische Komponisten zunehmend ins Blickfeld des internationalen Musiklebens. Eine übergreifende Untersuchung, wie ihre Musik nach Westeuropa gelangte und dort wahrgenommen wurde, steht jedoch bislang aus. Dabei betrifft dieses Thema viele Länder und bietet sich daher hervorragend zu vergleichenden Studien an. Auch die teils strukturell ähnlichen, teils von Land zu Land verschiedenen Ursachen für die wachsende Auslandspräsenz russischer Musik wurden noch kaum reflektiert. So wurde ‚die russische Musik‘ einerseits als gelungenes Ergebnis von kulturellem nation-building angesehen, bildete jedoch andererseits auch eine hervorragende Projektionsfläche für die eigenen Interessen anderer Länder.

Das Ziel der internationalen Tagung besteht darin, anhand einer Reihe von Fallstudien Präsenz und Wahrnehmung russischer Musik in verschiedenen europäischen Ländern (neben dem deutschsprachigen und dem frankophonen Raum auch England und Italien) vergleichend zu analysieren: von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Oktoberrevolution. Untersucht werden sowohl Wege und Vermittler, durch die russische Musik ins westliche Ausland gelangte, als auch Ideen und Funktionen, die man dort mit ihr verband. Der dabei verfolgte methodische Ansatz der Kulturtransferforschung hat gegenüber herkömmlichen Rezeptionsstudien den Vorteil, dass er den für die Zeitgenossen zentralen nationalen Blickwinkel fokussiert und zugleich kritisch reflektiert, wobei den unterschiedlichen Interessen der einzelnen ‚Aufnahmekulturen‘ besondere Beachtung geschenkt wird.

Zur Diskussion stehen u.a. folgende Fragen:

- Wie stark wurden Rezensionen russischer Werke von alten, lange gepflegten Russlandbildern und -klischees beeinflusst und inwiefern wandelten sich diese unter dem Eindruck politischer Veränderungen (wie der russisch-französischen Allianz von 1892)?

- Wurde die im innerrussischen Musikdiskurs vorherrschende Unterscheidung zwischen ‚nationalrussischen‘ und ‚westlichen‘ Komponisten übernommen?

- Weshalb wurde gerade russische Musik von Komponisten wie von Publizisten als attraktives Gegenmodell zu „akademischen“ Traditionen (vor allem deutscher Herkunft) angesehen?

- Inwieweit vermag die Perspektive der Fremdwahrnehmung auch Rückschlüsse auf Eigenheiten der russischen Musik zu liefern?

Die Tagung findet mit freundlicher Unterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung, des Dr.-Wilhelm-Jerg-Legats und der Tonhalle Zürich statt.

 

Vorläufiges Programm (eventuelle Änderungen werden angezeigt unter: www.musik.uzh.ch)

Freitag, 23. Mai 2014

Tonhalle Zürich, Vereinssaal (Eingang Gotthardstr. 5, 2. Stock)

9:00  Begrüßung und Einführung ins Thema

9:30  Dorothea Redepenning (Heidelberg):Michail Glinka in Westeuropa

10:15 Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich): Hans von Bülows ambivalentes Verhältnis zur russischen Musik

11:15 Stefan Keym (Leipzig): Vom Rand ins Zentrum? Präsenz und Wahrnehmung russischer Symphonik in Leipziger Konzerten und Verlagen bis 1914

12:00 Andreas Wehrmeyer (Regensburg): Im Spannungsfeld widersprüchlicher Erwartungen und Beanspruchungen: Auf der Suche nach dem authentischen Anton Rubinstein

14:30 Inga Mai Groote (Zürich): Historiographie und Popularisierung der russischen Musik in Frankreich: von Bourgault-Ducoudray zu Calvocoressi

15:15 Lucinde Braun (München): «Diémer m’a offert son concours»: Tschaikowsky und seine Interpreten in Frankreich

16.30  François de Médicis (Montreal): Russian Influences on the Music of Claude Debussy

17:15  Steven Baur (Halifax): Picturing Nationhood: Mussorgsky’s «Pictures of an Exhibition» as Seen by Ravel

 

Samstag, 24. Mai 2014

Universität, Hauptgebäude (Eingang Karl-Schmid-Str. 4, Raum KO2 F 152)

9:00 Wolfram Steinbeck (Köln): «Eigentlich nur Geflunker, Sand in die Augen»? Tschaikowsky bei Mahler

9:45  Kristel Pappel (Tallinn): Deutschbalten als Vermittler russischer Musik nach Deutschland

11:00 Helmut Loos (Leipzig): Paul Juon und die Rezeption russischer Musik im deutschsprachigen Raum

11:45 Jeanna Kniazeva (St. Petersburg): Russlands Schweizer Jacques Handschin im Briefwechsel mit Deutschlands Spanier Higini Anglès

14:30 Philip R. Bullock (Oxford): Learning to Listen, Learning to Feel: Academic and Emotional Approaches to the Appreciation of Russian Music in fin-de-siecle Britain’

15:15 Tamsin Alexander (Cambridge): The First Routes of Russian Opera to Britain: a Celebrity, a Jubilee and a Tour (1881-1888)

16:30 Kadja Grönke (Oldenburg): Erato, Kalliope und Polyhymnia im Wettstreit. Russische Opernlibretti, ihre Vorlagen und Übersetzungen im Vergleich

17:15 Vincenzina Ottomano (Bern): Zwischen Nationalismus und Moderne: Überlegungen zur Rezeption russischer Opern in Italien

Sonntag, 25. Mai 2014

Universität, Hauptgebäude (Eingang Karl-Schmid-Str. 4, Raum KO2 F 152)

9:30  Roland Huesca (Metz): Les Ballets russes à Paris: une anatomie du goût à la Belle époque

10:15 Ulrike Thiele (Leipzig): «Verständnis auch für Fernerliegendes»: Russische Musik in der Schweiz

11:30 Christoph Flamm (Klagenfurt): Serge Koussevitzky als Vermittler russischer Musik im Westen

12:15 Schlussdiskussion